Montag, 24. Februar 2020

Trotz steigender Gewinne Crédit Suisse beschneidet Boni seiner Investmentbanker

Als "unbefriedigend" soll Crédit-Suisse-Chef Tidjane Thiam die Leistung seiner Investmentbanker im Beratungs- und Kapitalmarktgeschäft beurteilen. Sie müssen mit empfindlichen Einschnitten bei ihren Boni rechnen
Arnd Wiegmann/ REUTERS
Als "unbefriedigend" soll Crédit-Suisse-Chef Tidjane Thiam die Leistung seiner Investmentbanker im Beratungs- und Kapitalmarktgeschäft beurteilen. Sie müssen mit empfindlichen Einschnitten bei ihren Boni rechnen

Die Schweizer Großbank Credit Suisse will den Bonuspool für seine Investmentbanker das zweite Jahr in Folge einfrieren, nachdem im vergangenen Jahr steigenden Handelserträgen ein Einbruch im Beratungs- und Kapitalmarktgeschäft gegenüberstand.

Insgesamt werde sich der Bonuspool der Bank auf umgerechnet 3,3 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Schweizer Franken) belaufen. Besonders betroffen von der Kürzung seien Mitarbeiter im Kapitalmarktgeschäft, deren Division 2019 das schlechteste Ergebnis seit mehr als fünf Jahren eingefahren habe, berichtet die "Financial Times".


Lesen Sie auch: Warum Managergehälter unaufhörlich wachsen


Konzernchef Tidjane Thiam hatte erst im November 2019 den Chef der Sparte "Investment Banking und Capital Markets", Chef Jim Amine, durch den Kreditmarktspezialisten David Miller ersetzt. Die Sparte berät bei Firmenübernahmen unterstützt Unternehmen bei der Aufnahme von Fremdkapital oder dabei, neue Aktien zu platzieren.

Handelsgeschäft der Crédit Suisse lief deutlich besser

Laut "Finanical Times" hatte die Sparte der Credit Suisse in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres einen Vorsteuerverlust von 102 Millionen Franken zu verzeichnen. Auch das vierte Quartal werde "deutlich defizitär" sein, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Insider.

Das Handelsgeschäft der Investmentbank hingegen sei deutlich besser gelaufen. Diese Einheit habe ihren Vorsteuergewinn in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres auf 908 Millionen Franken mehr als verdoppelt. Deshalb sollen die Händler einen höheren Bonus erhalten. Ein Sprecher der Credit Suisse lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab.

Gleichwohl dürften die Schweizer Investmentbanker im Vergleich zu vielen anderen Kollegen europäischer Wettbewerber noch vergleichsweise glimpflich davonkommen. Barclays werde laut FT die Boni für seine Investmentbanker im mittleren zweistelligen Bereich kürzen, die Deutsche Bank wolle die Bonuszahlungen um bis zu 30 Prozent zusammenstreichen.

Deutsche Bank will Bonustopf angeblich um 30 Prozent kürzen

Deutsche-Bank-Chef Christin Sewing hatte Ende Januar lediglich erklärt, der Bonustopf für alle Mitarbeiter werde kleiner ausfallen. Die Bank liegt weit abgeschlagen, hatte vor wenigen Tagen den fünften Jahresverlust in Folge ausweisen müssen. Im Jahr 2019 betrug der Konzernverlust 5,7 Milliarden Euro.

Der Sanierungskurs von Konzernchef Thiam hingegen beginnt allmählich Früchte zu tragen: In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres steigerte die Bank den Konzerngewinn um 45 Prozent auf 2,6 Milliarden Franken und erhöhte die verwalteten Vermögen auf den Rekordwert von 1,5 Milliarden Franken.

rei

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung