Dienstag, 25. Februar 2020

Großaktionäre für Tidjane Thiam, gegen Urs Rohner "Don't listen to Urs" - Credit-Suisse-Machtkampf eskaliert

Ein Bild aus besseren Tagen: Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam (l) mit Verwaltungsratspräsident Urs Rohner (2015)

Diese Bank ist nicht groß genug für uns beide - der Führungsstreit in der Credit Suisse eskaliert nach Western-Art. In dem von mehreren Spionageskandalen und Managerabgängen erschütterten Konzern scheint alles auf einen Showdown hinauszulaufen: Entweder Vorstandschef Tidjane Thiam (57) muss gehen oder Verwaltungsratspräsident Urs Rohner (60).

Vor der Sitzung des Verwaltungsrats an diesem Donnerstag positionierten sich mehrere große Aktionäre - ziemlich eindeutig: Sie wollen Thiam behalten, und fordern daher den Abgang von Rohner, der gerade an Thiams Stuhl sägt.

Besonders die US-Fondsgesellschaft Harris Associates macht Stimmung. Am Mittwochabend schrieb Harris-Vizechef David Herro einen Brief an die Verwaltungsräte, in dem er vor einem "schrecklichen Fehler" warnte, sollten sie Thiam abberufen, um einen Verantwortlichen für die Krise zu finden. Harris hatte erst im vergangenen Jahr ihren Credit-Suisse-Anteil auf mehr als 9 Prozent erhöht und gilt nun als größter Aktionär. Obwohl der Aktienkurs in Thiams bald fünfjähriger Amtszeit stark nachgab, zeigt sich Harris von dessen Plan überzeugt.

"Wir haben das Stadium erreicht, wo einer von beiden gehen muss", sagte Herro der "Financial Times". "Hören Sie nicht auf das, was Urs Ihnen erzählt. Wen wollen Sie behalten - den Typ, der die Probleme verursacht hat, oder den Typ, der sie löst?"

Rohner habe selbst in 16 Jahren der Bank einiges zu verantworten, vom Milliarden-Desaster um US-Hypothekenpapiere bis zum Korruptions- und Betrugsskandal um mosambikanische "Tunfisch-Bonds". Herro deutete außerdem an, im Verwaltungsrat würde möglicherweise aus Rassismus gegen den von der Elfenbeinküste stammenden Franzosen Thiam intrigiert. "Entweder steht dahinter Neid von Rivalen oder vielleicht etwas anderes, da Herr Thiam etwas anders aussieht als der typische Schweizer Bankier. Beides ist für mich extrem unappetitlich."

Herro äußere sich erst jetzt, weil er bisher auf Rohners Zusagen vertraut habe, den CEO zu unterstützen und selbst planmäßig 2021 aus dem Amt zu scheiden. Beides sei offenbar nicht wahr, "er hat mich reingelegt".

Auch Silchester International Investors, mit 3,3 Prozent an der Credit Suisse beteiligt, forderte am Mittwoch den Rücktritt von Rohner, falls er Thiam nicht länger unterstützen könne. Einen entsprechenden Brief veröffentlichte Silchester-Partner Tim Linehan, nachdem Urs Rohner seinen Wunsch zurückwies, ihn vor Öffnung der Schweizer Börse im Verwaltungsrat zu teilen.

Einen weiteren Brief schrieb der Hedgefonds Eminence Capital und drohte mit rechtlichen Schritten, falls die Verwaltungsräte "eine persönliche Agenda gegenüber dem CEO verfolgen anstatt in verantwortungsvoller, treuhänderischer Weise zu handeln".

Am Donnerstag schloss sich auch noch der Stimmrechtsberater Ethos an. Es sei nicht wünschenswert, dass Rohner wie geplant ein weiteres Jahr bleibe, sagte Ethos-Chef Vincent Kaufmann zur Nachrichtenagentur Reuters. "Können wir uns ein weiteres Jahr der Spannungen zwischen dem Präsidenten, dem CEO, den Medien und dem Vertrauen von Mitarbeitern und Kunden leisten? All dies lässt uns glauben, dass wir einen schnelleren Wandel brauchen." Ethos fügte an, Rohner schon seit 2017 kritisch zu sehen.

Ein neuer, von außen kommender Verwaltungsratspräsident sei dann in einer besseren Position, das Management herauszufordern. Sollte Vorstandschef Tidjane Thiam entgegen bisheriger Beteuerungen nachgewiesen werden können, dass er von der Überwachung zweier Spitzenmanager wusste, müsse auch er gehen, sagte Kaufmann. Der Beschattungsskandal müsse sich zudem in den Boni niederschlagen.

Thiam selbst postete in der Nacht zu Mittwoch ein Bild auf Instagram, das ihn fröhlich im Kreis des Top-Managements zeigt - eine Demonstration des Rückhalts in der Bank.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Credit Suisse’s Executive team

Ein Beitrag geteilt von Tidjane Thiam (@tidjane.thiam) am

Gegenüber der "Financial Times" äußerte eine ihm nahestehende Person, für Thiam sei "das Maß voll". Gleichwohl werde er niemals zurücktreten, da müsse Rohner ihn schon feuern.

Rohner und weitere Verwaltungsräte der Schweizer Großbank sind Insidern zufolge angesichts immer neuer Enthüllungen und der laufenden Untersuchung der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) zur Einsicht gelangt, dass ein Befreiungsschlag notwendig werden könnte. Das Gremium berät dieser Tage unter anderem zu dem Thema.

Der Staatsfonds Qatar Holding mit einer Beteiligung von mehr als 5 Prozent sowie die saudische Olayan-Gruppe mit rund 5 Prozent haben sich bisher nicht öffentlich zur Spionagefrage geäußert. Credit Suisse wollte sich nicht äußern.

mit Material von Reuters

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung