Sonderabschreibung belastet Commerzbank schreibt wieder Verluste

Nach dem überraschenden Gewinn im ersten Quartal verbucht die Commerzbank für das zweite Jahresviertel wieder einen Verlust. Finanzchefin Bettina Orlopp muss 200 Millionen Euro abschreiben.
Etwas geknickt: Finanzchefin Bettina Orlopp konnte zwar die Kernkapitalquote stabil halten, muss aber dennoch einen Verlust verbuchen

Etwas geknickt: Finanzchefin Bettina Orlopp konnte zwar die Kernkapitalquote stabil halten, muss aber dennoch einen Verlust verbuchen

Foto: RAINER UNKEL / imago images

Aufwendungen für den Konzernumbau und Abschreibungen für ein gestopptes Outsourcing-Großprojekt belasten die Commerzbank. Das Geldhaus rutschte nach einem Gewinn zum Jahresauftakt im zweiten Quartal wieder in die Verlustzone. Der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof (55) sieht die Bank indes bei der Umsetzung ihrer Strategie voll auf Kurs. Die Commerzbank habe trotz der hohen Einmaleffekte und des Restrukturierungsaufwands ihre harte Kernkapitalquote mit 13,4 Prozent stabil halten können, betonte Finanzchefin Bettina Orlopp (51).

An der Börse kamen die Nachrichten am Morgen schlecht an. Der Kurs der Commerzbank-Aktie  sackte kurz nach Handelsbeginn zeitweise um mehr als 5 Prozent auf 5,16 Euro nach unten. Damit war das Papier nicht nur Schlusslicht im MDax, dem Index der mittelgroßen Werte. Auch die seit dem Jahreswechsel bisher erreichten Kursgewinne wurden mehr als ausradiert. Anfang Juni hatte der Kurs mit 6,872 Euro noch den höchsten Stand des Jahres erreicht. Seitdem war es bereits deutlich abwärts gegangen.

Unter dem Strich erwirtschaftete die Bank von April bis Juni einen Verlust von 527 Millionen Euro, wie das Institut am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte. Ohne den gebuchten Restrukturierungsaufwand von 511 Millionen Euro hätte die Bank aber ein annähernd ausgeglichenes Konzernergebnis erzielt, unterstrich sie. Das operative Ergebnis lag bei 32 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem operativen Ergebnis von 56 Millionen Euro und einem Konzernverlust von 504 Millionen Euro gerechnet. Für das Gesamtjahr erwartet die Commerzbank weiter ein positives operatives Ergebnis.

Knof stellt das Haus derzeit auf den Kopf, um es wieder in die Gewinnzone zu bringen. Hunderte Filialen werden geschlossen, rund 10.000 Stellen - jede dritte in Deutschland - fallen weg. Ganze Abteilungen werden dichtgemacht oder ausgelagert. Der Konzernchef spricht im Interview mit dem manager magazin von einer fast schon "nationalen Aufgabe ". Doch der Umbau kostet. Dabei ist die Kostensituation ohnehin angespannt etwa durch Gebührenrückerstattungen an Kunden. Nun musste die Bank rund 200 Millionen Euro abschreiben, weil das Geldhaus entschied, die Auslagerung der Wertpapierabwicklung zu stoppen.

Besser war es im zweiten Quartal beim größeren Konkurrenten Deutsche Bank gelaufen. Unter dem Strich erwirtschafteten die Frankfurter von April bis Juni einen Gewinn von 692 Millionen Euro, nach einem Verlust von 77 Millionen Euro vor einem Jahr. Es war der vierte Quartalsgewinn in Folge.

mg/Reuters