Montag, 17. Februar 2020

Vorentscheidung zu Coba und Deutsche Bank in Kürze möglich Unicredit will angeblich Commerzbank übernehmen

Alptraum für die Deutsche Bank: Die Uni-Credit strebt im Fall einer Übernahme der Commerzbank wohl eine Verschmelzung mit ihrer deutschen Tochter HypoVereinsbank an. Das käme den Wünschen der Politik nach einem "nationalen Champion" entgegen, wäre auf dem Heimatmarkt aber ein Alptraum-Szenario für die Deutsche Bank

Italiens Großbank Unicredit bereitet offenbar eine milliardenschwere Übernahmeofferte für die Commerzbank vor - und könnte damit vorpreschen, sollten die Gespräche zwischen der Coba und Deutscher Bank scheitern. Hier könnte am Wochenende schon eine Vorentscheidung fallen, heißt es.

Der Druck im Kessel steigt: Während Deutsche Bank und Commerzbank über eine mögliche Fusion sprechen, pirscht sich die italienische Großbank Unicredit heran. Der Mailänder Finanzkonzern, der 2005 bereits die Münchener HypoVereinbank (HVB) schluckte und vor rund zwei Jahren schon einmal mit der Commerzbank liebäugelte, werde sich nicht in die laufenden Frankfurter Fusionsgespräche einschalten, stehe aber bereit, falls diese scheitern, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Sie bestätigten damit einen Bericht der "Financial Times".

Denkbar sei ein milliardenschweres Angebot der Italiener für die Nummer zwei unter den deutschen Privatbanken. Unicredit Börsen-Chart zeigen wolle mit einem bedeutenden Anteil die Kontrolle bei der Commerzbank übernehmen und diese dann mit ihrer deutschen Tochter HVB fusionieren, berichtet die Zeitung. Die Commerzbank wird derzeit an der Börse mit neun Milliarden Euro bewertet.

An der Frankfurter Börse legten die im MDax Börsen-Chart zeigen notierten Titel der Commerzbank Börsen-Chart zeigen um knapp 4 Prozent zu. Unicredit, die Commerzbank und die Deutsche Bank lehnten einen Kommentar ab.

Fusionierte HypoVereinsbank und Coba für Deutsche Bank ein Alptraum

Sollte Unicredit Börsen-Chart zeigen am Ende zum Zuge kommen, wäre das vermutlich ein Alptraum-Szenario für die Deutsche Bank, weil diese im internationalen Vergleich zehn Jahre nach der Finanzkrise weit zurückgefallen ist und ihr auf dem Heimatmarkt ein mächtiger Gegner erwachsen würde. Die Aktie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen rutschte im frühen Handel um bis zu drei Prozent ab und war damit einer der größten Verlierer im Dax.

Die Informationen über eine mögliche Offerte aus Italien kommen zu einem interessanten Zeitpunkt. Deutsche Bank und Commerzbank haben offenbar unterschiedliche Vorstellungen über Dringlichkeit und Tempo der Gespräche über eine Fusion. Während Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sich mehr Zeit nehmen will, drückt Commerzbank-Boss Martin Zielke aufs Tempo, wie Eingeweihte berichteten. Prompt verlautete aus Frankfurter Bankenkreisen: Die Gespräche über eine mögliche Fusion von Deutscher und Commerzbank liefen planmäßig. Die Verhandlungen der beiden Banken würden "sehr sorgfältig" geführt.

Die Unicredit galt in den vergangenen Jahren immer wieder als möglicher Käufer der Commerzbank. So soll die Bank dem "FT"-Bericht zufolge zuletzt 2017 Kontakt mit deutschen Regierungsvertretern wegen eines möglichen Gebots aufgenommen haben. Die Unicredit ist wegen der wirtschaftlichen Krise in Italien selbst angeschlagen, konnte sich aber zuletzt berappeln.

Rumpf-Coba könnte womöglich weiter an der Börse notiert bleiben

Käme sie bei der Commerzbank zum Zuge, sei laut "FT" folgendes Szenario denkbar: Die italienische Bank hielte die Mehrheit an der fusionierten HypoVereinsbank/Commerzbank, die übrigen Anteile der Bank würden weiter an der Frankfurter Börse gehandelt. Die fusionierte Bank würde ihren Sitz weiter in Deutschland haben, während die Unicredit ihren Sitz und Börsennotiz in Mailand behalten würde.

Für die italienische Bank wäre es auch eine Option, um ihre zuletzt schwächelnde deutsche Dependance wieder aufzuwerten. Eine die Unicredit beratende Person sagte der Zeitung: "Diese Kombination hätte für Deutschland Sinn." Man könnte es als "nationalen Champion" verkaufen. Hohe Rechtsrisiken im Kontext mit US-Sanktionen und Dollar-Transaktionen hatten das Vorsteuerergebnis der Münchner Unicredit-Tochter 2018 um 1,2 Milliarden auf 392 Millionen Euro einbrechen lassen. Grund dafür waren Rückstellungen von 919 Millionen Euro für Rechtsstreitigkeiten. Der Bank drohen hohe Geldbußen und Strafen der US-Behörden.

Aus Sicht der Marktbewertung wäre eine Commerzbank-Übernahme für die Unicredit leichter zu stemmen als für die Deutsche Bank. Die Unicredit-Aktie gehört zwar seit der Finanzkrise - neben den Anteilen der Deutschen Bank und der Commerzbank - zu den größten Verlierern unter den europäischen Banktiteln. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 27 Milliarden Euro bringt die Unicredit allerdings rund elf Milliarden Euro mehr auf die Waage als die Deutsche Bank. Die Commerzbank ist an der Börse derzeit rund neun Milliarden Euro wert.

Der seit 2016 amtierende Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier hatte zuletzt mit den Altlasten aufgeräumt, der Bank eine Rosskur verordnet und das Kapital erhöht. Seitdem ist sie trotz der politischen Krise wieder in ruhigeren Fahrwassern und kam anders als die beiden deutschen Institute im vergangenen Jahr auf einen Milliardengewinn.

Vorentscheidung zu Coba und Deutsche Bank am Wochenende möglich

Die Deutsche Bank und Commerzbank hatten Mitte März mitgeteilt, dass sie über die Möglichkeiten eines Zusammenschlusses sprechen. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Commerzbank-Vorstandschef Martin Zielke hatten betont, die Gespräche ergebnisoffen zu führen.

Auch "Wirtschaftswoche" und "Süddeutsche Zeitung" (SZ) zufolge will vor allem die Commerzbank Börsen-Chart zeigen das Thema schnell vom Tisch haben. So berichtete die "SZ" am Donnerstag unter Berufung auf einen Insider, dass es bereits an diesem Wochenende eine Vorentscheidung geben könnte. Ein konkreter Termin, etwa eine reguläre Vorstandssitzung der Commerzbank, stünde zwar nicht im Kalender, schreibt die "SZ". Man werde aber generell zügig entscheiden, sagte ein Insider.

Die "Wirtschaftswoche" wiederum berichtet, dass der Commerzbank-Vorstand in einer Sitzung am kommenden Dienstag (9. April) eine Entscheidung über weitere Gespräche mit dem Konkurrenten treffen könnte. Das Magazin berief sich dabei auf Kreise aus der Bank und des Aufsichtsrats. Konkret solle es darum gehen, ob die Verhandlungen über einen möglichen Zusammenschluss intensiviert oder ob Gespräche abgebrochen werden sollen. Ein Commerzbank-Sprecher kommentierte diese Informationen auf Anfrage von Nachrichtenagenturen nicht.

Bisher gehen Experten davon aus, dass eine Entscheidung über den Zusammenschluss beider Banken bis Ende April gefallen sein sollte. Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner hatte zuletzt angekündigt, dass spätestens bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal am 26. April konkretere Überlegungen präsentiert werden sollen.

rei/dpa/Reuters

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