Unicredit und Commerzbank Ukraine-Krieg durchkreuzte Fusionspläne

Immer wieder gibt es Spekulationen über einen Verkauf der Commerzbank an die italienische Unicredit. Gespräche zwischen den Führungsspitzen der beiden Banken sollen bereits geplant gewesen sein. Die Commerzbank betont jedoch ihre Eigenständigkeit.
Wird das noch was mit Unicredit? Ein Treffen von Commerzbank-Chef Manfred Knof (im Bild) mit Unicredit-Chef Andrea Orcel soll im Frühjahr geplant gewesen sein - dann kam der Krieg

Wird das noch was mit Unicredit? Ein Treffen von Commerzbank-Chef Manfred Knof (im Bild) mit Unicredit-Chef Andrea Orcel soll im Frühjahr geplant gewesen sein - dann kam der Krieg

Foto: Tobias Hase / dpa

Der Ukraine-Krieg hat offenbar einen Anlauf der Hypovereinsbank-Muttergesellschaft Unicredit zu Fusionsgesprächen mit der Commerzbank durchkreuzt. Unicredit-Chef Andrea Orcel (59) habe Anfang 2022 informelle Gespräche mit dem Vorstandschef der Commerzbank, Manfred Knof (56), geplant, berichtete die "Financial Times " am Mittwoch unter Berufung auf drei unmittelbar über die Angelegenheit informierte Personen. Doch dann sei Russland in die Ukraine einmarschiert und Unicredit habe entschieden, dass sich die italienische Bank vor einem größeren Zusammenschluss zunächst um die Zukunft ihres Russland-Geschäfts kümmern müsse.

Eine Commerzbank-Sprecherin erklärte, das Geldhaus kommentiere grundsätzlich keine Marktspekulationen. Zugleich verwies sie auf frühere Positionierungen der Bank: "Mit der Strategie 2024 wollen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Commerzbank eigenständig bleiben kann." Unicredit lehnte laut "FT" eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Commerzbank-Aktien legten gut 1 Prozent zu. Unicredit-Papiere reagierten kaum und notierten nach anfänglichen leichten Gewinnen 0,2 Prozent im Minus.

Eine Verbindung zwischen Unicredit und der Commerzbank gilt unter Experten schon lange als eine der am besten passenden Kombinationen in der europäischen Bankenbranche, da sich die Geschäfte der beiden Geldhäuser wenig überschneiden. Über einen Verkauf der Commerzbank an die Italiener war immer wieder spekuliert worden. Ende vergangenen Jahres reagierte Unicredit-Chef Orcel auf die Frage des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL nach einer Übernahme der Commerzbank ausweichend. "Es gab hierzu immer viele Gerüchte, aber so etwas ist auch eine Frage des Timings", sagte der ehemalige Investmentbanker.

Unicredit hatte nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine erklärt, einen Rückzug aus Russland zu erwägen. Die Bank zählt zu jenen europäischen Geldhäusern, die besonders stark in Russland engagiert sind. Laut einem früheren "FT"-Bericht prüft das Institut Möglichkeiten für den Tausch von Anteilen mit russischen Geldhäusern, um potenziell milliardenschwere Abschreibungen des eigenen Russland-Geschäfts zu verhindern.

mg/Reuters