Samstag, 21. September 2019

Vom Sanierungsfall zur Skandalbank Commerzbank verliert Finanzchef an die Danske Bank

Stephan Engels: Der Finanzvorstand der Commerzbank hat ein Angebot der in einen Geldwäsche-Skandal verwickelten Danske Bank

Überraschender Abgang bei der Commerzbank Börsen-Chart zeigen: Finanzvorstand Stephan Engels will seinen Vertrag nicht verlängern und wechselt im kommenden Jahr zur dänischen Danske Bank. Der Manager wolle seinen bis April 2020 laufenden Vertrag aber gern erfüllen, teilte die im MDax Börsen-Chart zeigen gelistete Commerzbank am Donnerstag in Frankfurt mit. Die in Kopenhagen beheimatete Danske Bank kündigte an, dass der gebürtige Hamburger Engels im gleichen Monat praktisch nahtlos in gleicher Funktion in ihr Management wechseln soll.

Der 57-jährige Engels war im April 2012 von Daimler, wo er Leiter des Konzerncontrollings war, zur Commerzbank gewechselt. Bei dem Frankfurter Geldhaus hat er Altlasten wie faule Schiffskredite abgebaut und den Umbau des Instituts mit vorangetrieben, dem in den vergangenen Jahren Tausende Stellen zum Opfer gefallen sind. "Er war wesentlich daran beteiligt, dass die Commerzbank heute so stabil und zukunftsgerichtet aufgestellt ist", lobte Commerzbank-Chef Martin Zielke den Finanzchef.

Doch trotz wachsender Kundenzahlen kämpft das Geldhaus mit sinkenden Erträgen. Nach den im Frühjahr gescheiterten Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen will die Commerzbank in den kommenden Wochen eine neue Strategie vorlegen. Insidern zufolge sollen Filialen geschlossen werden und ein weiterer Stellenabbau zeichnet sich ab. Umsetzen wird Engels die Strategie ab 2020 nicht mehr.

Danske Bank kämpft mit den Folgen des Geldwäsche-Skandals

Doch auch bei der Danske Bank erwartet Engels keine leichte Aufgabe. Die größte dänische Bank ist in einen der größten Geldwäsche-Skandale der vergangenen Jahre verwickelt. "Ich habe die Möglichkeit nach knapp acht Jahren im Vorstand der Commerzbank nochmal eine spannende internationale Herausforderung anzunehmen", begründete Engels seinen Wechsel.

Die Danske Bank steht im Mittelpunkt eines der größten Geldwäscheskandale Europas. Es geht um mutmaßliche Verstöße gegen Vorschriften zur Vermeidung von Geldwäsche in der Niederlassung in Estland. Dort sollen rund 200 Milliarden Euro gewaschen worden sein. In mehreren Ländern laufen Ermittlungen gegen das Geldhaus.

Der Skandal strahlte auch nach Deutschland aus, da die Deutsche Bank jahrelang als Korrespondenzbank für die Danske Bank tätig war und einen Großteil der verdächtigen Zahlungen abwickelte. Nun kämpft die Danske Bank mit höheren Kosten, um die Vorkehrungen gegen Geldwäsche und andere Verfehlungen zu verbessern. Zudem spürt auch sie die Folgen der niedrigen Zinsen. Dennoch ist die Danske Bank mit einer Eigenkapitalrendite von 9 Prozent deutlich profitabler als die Commerzbank.

Finanzaufsicht hat Danske Bank bei der Polizei angezeigt

In Dänemark wird der Bank nun weiteres Fehlverhalten vorgeworfen. Letzte Woche hat die Finanzaufsicht die Danske Bank bei der Polizei angezeigt. Der Vorwurf: 87.000 Kunden wurden beim Kauf von Investitionsprodukten falsch beraten und zahlten zu hohe Gebühren. Im Juni hatte der Niederländer Chris Vogelzang den Chefposten in Kopenhagen übernommen. Im ersten Halbjahr 2019 hat die Danske Bank 13.600 Privatkunden verloren.

Die in 16 Ländern vertretene Danske Bank beschäftigt gut 21.000 Mitarbeiter, etwa halb so viel wie die Commerzbank. An der Börse ist die Danske Bank mit rund zehn Milliarden Euro mehr wert als die Commerzbank, die aktuell nur rund 6,5 Milliarden Euro auf die Waage bringt.

Mit dem Topmanager verliert die Commerzbank den zweiten Manager aus ihrem aktuellen Vorstand. Firmenkundenchef Michael Reuther verlässt das Institut zum Jahresende. Sein Nachfolger wird der ehemalige Chef der Direktbank ING Börsen-Chart zeigen, Roland Boekhout.

mg/dpa-afx, rtr

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