Schmittmann wird neuer Aufsichtsratschef Commerzbank macht Ex-Vorstand zu neuem Chef-Aufseher

Schaut genau hin: Stefan Schmittmann, Ex-Risikovorstand der Commerzbank, soll neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Schaut genau hin: Stefan Schmittmann, Ex-Risikovorstand der Commerzbank, soll neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Foto: imago

Die Commerzbank , Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus, hat nach monatelanger Suche einen neuen Aufsichtsratschef gefunden: Stefan Schmittmann, ehedem Risikovorstand der Bank, soll Klaus-Peter Müller, 72, nach Ablauf der Hauptversammlung 2018 folgen, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch mit . Der Job ist mit 200.000 Euro pro Jahr dotiert.

Die teilstaatliche Bank, an dem der Bund weiterhin 15 Prozent der Aktien hält, wählt damit zum zweiten Mal in Folge eine interne Lösung für den wichtigen Posten des Chefkontrolleurs. Müller war bis zu seinem Wechsel an die Aufsichtsratsspitze gar Vorstandssprecher der Bank gewesen. Experten für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) bewerten eine solche Kontinuität kritisch, weil sie den Neu-Aufsehern fehlende Unabhängigkeit von ihren Ex-Kollegen im Vorstand unterstellen. Der Gesetzgeber versucht das inzwischen mit einer so genannten Abkühlphase zu heilen: Danach darf ein Ex-Vorstand in der Regel erst zwei Jahre nach seinem Ausscheiden in den Aufsichtsrat wechseln.

An diese Frist wird sich auch Schmittmann halten. Erst Anfang September 2015 hatte der 59-Jährige unerwartet seinen Rücktritt vom Amt des Risikovorstands zum Ende 2015 bekannt gegeben - obwohl sein Vertrag eigentlich noch bis Ende Oktober 2016 lief. Deswegen wird er Müller auch erst 2018 folgen. Mit Martin Zielke, seit Mai Nachfolger von Martin Blessing als Vorstandschef der Commerzbank, saß er fünf gemeinsame Jahre im Vorstand.

Nach seinem Ausstieg aus dem operativen Geschäft hat Schmittmann vor allem Mandate übernommen, wo er seine Kompetenz für prekäre finanzielle Situationen ausspielen kann. So ist er Of Counsel des Insolvenzberater Schultze & Braun und im Beirat der Investmentbank Freitag & Co., die ebenfalls auf Unternehmen in finanziellen Stress-Situationen spezialisiert ist. Seinem alten Arbeitgeber ist er aber auch in den vergangenen Monaten eng verbunden geblieben: als Aufsichtsratschef der Anlage- und Immobilientochter Commerzbank Real. Außer für hochkomplexe Finanzprodukte gilt Schmittmann auch als Experte für Bankenregulierung.

Fotostrecke

Commerzbank-Mission accomplished?: Das hat Martin Blessing geleistet

Foto: DPA

Schmittmann galt bereits seit mehreren Wochen als Favorit auf den Posten, nachdem mehrere Kandidaten abgesagt hatten. Einzelne Investoren und auch Führungskräfte in der Bank hatten beispielsweise auf Markus Kerber gehofft, der bereits im Aufsichtsrat sitzt und in den vergangenen Monaten die Suche nach dem Müller-Nachfolger geleitet hatte. Der 53-Jährige galt aufgrund seines vielfältigen Hintergrunds als Idealbesetzung: Der Wirtschaftswissenschaftler hat einst selbst als Investmentbanker für die Deutsche Bank in London gearbeitet, bevor er Finanzvorstand des IT-Dienstleisters GFT Technologies wurde und dann Abteilungsleiter erst im Innen- und dann im Finanzministerium. Seinen aktuellen Job als Hauptgeschäftsführers desBundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) quittierte er unlängst - auf Nachfrage beschied er aber manager-magazin.de, dass er kein Interesse an dem Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der Commerzbank habe.