Managerabgang Commerzbank trennt sich von Filialen-Fan Michael Mandel

Er machte sich für ein weitläufiges Filialnetz stark, das nach der neuen Konzernstrategie radikal ausgedünnt werden soll. Jetzt verlässt Privatkundenvorstand Michael Mandel die Commerzbank. Arbeitsdirektorin Sabine Schmittroth übernimmt das Ressort.
Foto: Commerzbank

Die Commerzbank trennt sich von Privatkundenchef Michael Mandel (53). Der Aufsichtsrat habe in seiner Sitzung am Donnerstag das einvernehmliche Ausscheiden des Managers beschlossen, teilte der Frankfurter MDax-Konzern mit. Mandels Vertrag ende somit zum 30. September 2020. Das Segment Privat- und Unternehmerkunden soll vom 1. Oktober an vorübergehend von Personalchefin Sabine Schmittroth (55) geleitet werden.

Michael Mandel gilt als enger Vertrauter des scheidenden Commerzbank-Chefs Martin Zielke (57). Seitdem dieser Anfang Juli seinen Rücktritt verkündet hat, haben Insider auch mit Mandels Abschied gerechnet. Dazu hat auch die voraussichtliche Filialstrategie der Bank beigetragen. Etwa 800 der 1000 Standorte sollen geschlossen werden.

Mandel hatte sich in den vergangenen Jahren stets für ein großes Filialnetz starkgemacht. Er habe daher nicht die Glaubwürdigkeit für eine Strategie, bei der Filialen keine so große Rolle mehr spielen, heißt es aus Aufsichtsratskreisen.

"Mit unserem Filialnetz haben wir einen wesentlichen Teil des Wachstums geholt"

"Die neue Strategie ist eine radikale Kehrtwende und geht über alles Bisherige weit hinaus", erklärte Mandel in einem im Intranet der Bank veröffentlichten Interview, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Für eine so große Veränderung brauche es "bedingungslosen Rückhalt" von allen Seiten. "Ich habe den Eindruck, dass ich den nicht mehr habe und es deshalb für die Bank besser sein könnte, wenn diese Aufgabe jemand anders übernimmt." Sein Eindruck sei gewesen, "dass sich die Mehrheit des Aufsichtsrats eine personelle Veränderung wünschte", führte Mandel aus.

Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter (68) würdigte die Verdienste des scheidenden Vorstands. Im Privatkundengeschäft hatte "Magic" Mandel, ehemals Chef der Online-Tochter Comdirect, lange ein glückliches Händchen - zunächst als Bereichsvorstand ab Dezember 2010, dann ab Mai 2016 als Zielkes Nachfolger als Vorstand der Sparte.

"Fakt ist: Mit unserem Filialnetz haben wir in den vergangenen Jahren einen wesentlichen Teil unseres Wachstums geholt", verteidigte Mandel den bisherigen Kurs in dem Intranetbeitrag. "Wir verzeichnen im Segment stabile Erträge und sind profitabel."

Bei der Commerzbank wird seit Monaten über eine Verschärfung des Sparkurses diskutiert. Die Bank sucht aber zunächst einen Nachfolger für Konzernchef Martin Zielke, dessen Abtritt spätestens Ende Dezember erfolgen soll. Der neue Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter (68) steuert derweil schon strategisch um - bevor die CEO-Personalie entschieden ist.

Für das Geschäftsjahr 2019 meldete die Commerzbank ein Konzernergebnis von 644 Millionen Euro, nach 862 Millionen Euro im Jahr 2018.

ak/slo/dpa-afx
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