490 Millionen Euro Rückstellungen Polnische Tochter wird für Commerzbank zum Klotz am Bein

Ihre polnische Tochter wird die Commerzbank im dritten Quartal insgesamt mit 780 Millionen Euro belasten. Das Frankfurter Institut muss weitere hohe Rückstellungen bilden, denn Tausende Polen klagen wegen teurer Kredite in Schweizer Franken.
Probleme in Polen: Die Commerzbank muss im dritten Quartal insgesamt 780 Millionen Euro an Belastungen durch ihre polnische Tochter verkraften

Probleme in Polen: Die Commerzbank muss im dritten Quartal insgesamt 780 Millionen Euro an Belastungen durch ihre polnische Tochter verkraften

Foto: Ralph Orlowski / REUTERS

Die polnische Tochter mBank wird für die Commerzbank immer mehr zur Belastung. Im dritten Quartal müsse die mBank für ihr Portfolio an Krediten in Schweizer Franken eine zusätzliche Vorsorge von rund 490 Millionen Euro bilden, teilte die Commerzbank am Dienstagabend in einer Adhoc-Veröffentlichung nach Börsenschluss mit. In dieser Höhe werde auch das Ergebnis der Commerzbank belastet. "Die Commerzbank erwartet dennoch ein Konzernergebnis von mehr als einer Milliarde Euro für das Geschäftsjahr 2022", bekräftigte das Institut seine Prognose. Die Aktie gab vorbörslich knapp 3 Prozent nach.

Im Juli hatte die Commerzbank angekündigt, wegen negativer Erträge der polnischen Tochter bis zu 290 Millionen Euro an Belastungen im dritten Quartal schultern zu müssen. Die 490 Millionen Euro kämen zu dieser Summe noch hinzu, erläuterte ein Sprecher. Es handele sich um zwei verschiedene Sachverhalte. Bei den im Juli angekündigten Einmalbelastungen ging es um eine geänderte Gesetzgebung in Polen, der es Kreditnehmern erlaubt, ihre monatlichen Ratenzahlungen für Hypothekenkredite mehrere Male auszusetzen.

Tausende Polen klagen, um aus teuren Krediten herauszukommen

Die neuen Belastungen stehen im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit darüber, ob die mBank für Wechselkursrisiken bei Krediten in Fremdwährungen gerade stehen muss. Tausende polnische Kreditnehmer hatten vor vielen Jahren Hypotheken in Franken aufgenommen, um von niedrigeren Zinsen in der Schweiz zu profitieren. Doch der Franken gewann im Vergleich zum Zloty an Wert, die Kosten für die Kunden stiegen. Tausende Polen klagten, um aus den teuren Krediten herauszukommen.

Für die Rechtsrisiken müsse die mBank weiteres Geld zurücklegen und werde deshalb in diesem Jahr in die roten Zahlen rutschen, erklärte das polnische Institut in einer eigenen Mitteilung. Insgesamt summierten sich die Rückstellungen für diese Rechtsstreitigkeiten auf 6,8 Milliarden Zloty (1,4 Milliarden Euro). Gleichzeitig kündigte das Institut an, allen Kunden mit laufenden Franken-Krediten als Vergleich einen Umtausch der Hypotheken in Zloty anzubieten.

rei/Reuters
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