Gewinn halbiert Polnische Tochter belastet - Commerzbank-Ausblick erschreckt Anleger

Wegen hoher Abschreibungen auf die polnische Tochter halbiert sich der Quartalsgewinn der Commerzbank. Finanzchefin Orlopp rechnet weiterhin mit einem Milliardengewinn für 2022. Der Ausblick aber missfällt den Anlegern, die Aktie gibt deutlich nach.
Zuversichtlich: Finanzchefin Bettina Orlopp hält an dem Ziel fest, im Gesamtjahr einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro einzufahren

Zuversichtlich: Finanzchefin Bettina Orlopp hält an dem Ziel fest, im Gesamtjahr einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro einzufahren

Foto: RAINER UNKEL / imago images

Die Verluste der polnischen Tochter mBank haben die Profite der Commerzbank aus den Zinserhöhungen schmelzen lassen. Der Nettogewinn halbierte sich im dritten Quartal auf 195 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr, teilte das zweitgrößte deutsche Geldhaus am Mittwoch mit. Damit übertraf die Commerzbank die Erwartungen der Analysten, die laut Commerzbank im Schnitt mit 116 Millionen Euro gerechnet hatten.

"Die Lage ist besser als die Stimmung", erklärte Bankchef Manfred Knof (57) am Mittwoch. An seinem Ziel, im Gesamtjahr einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro einzufahren, hielt das Institut fest. Dennoch reichte das nicht aus, um den Aktienkurs zu beflügeln. Die Aktie rutschte aufgrund des konservativen Ausblicks um 7 Prozent ab.

Die gestiegenen Zinsen stimmen Knof (57) positiver für die kommenden Jahre. So sollen die Erträge des Instituts bis 2024 noch stärker wachsen als bislang gedacht. Der Großteil der Mehreinnahmen dürfte jedoch für höhere Kosten draufgehen, worauf die Anleger Commerzbank-Aktien verkauften. "Unsere Finanzziele für 2024 zeigen, dass wir grundsätzlich sehr zuversichtlich für die weitere Entwicklung der Commerzbank sind," ergänzte Finanzchefin Bettina Orlopp (52), konnte damit allerdings die Aktionäre auch nicht freundlicher stimmen.

Polnische Tochter wird teuer für Commerzbank

Hätte es nicht die politischen Entscheidungen in Polen gegeben, die die Commerzbank-Tochter mBank insgesamt 747 Millionen Euro gekostet haben, hätte die Commerzbank laut Orlopp das beste Quartal seit Jahren verbuchen können. Dank der Zinswende und Zuwächsen im Kundengeschäft stiegen die Erlöse der Bank in den ersten neun Monaten um 12 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro. Allerdings sank der Provisionsüberschuss aufgrund des schwächeren Handels mit Wertpapieren von Kunden um 4,3 Prozent.

Die Belastungen durch die polnische Tochter mBank hatte das Institut bereits angekündigt. Ein Großteil (477 Millionen) der Belastungen stammt aus Haftungskosten für Wechselkursrisiken bei Fremdwährungskrediten der mBank.

"Die Zahl der Insolvenzen ist noch gering, sie wird aber nicht so bleiben"

Commerzbank-Chef Manfred Knof

Die pauschale Risikovorsorge zur Abfederung der konjunkturellen Risiken, wie Lieferkettenengpässe, gestiegene Energiepreise und Auswirkungen der Russland-Sanktionen, lag im dritten Quartal bei 500 Millionen Euro. Laut Quartalsbericht blieb die Kreditqualität hoch und das Risikoergebnis betrug minus 84 Millionen Euro. "Die Zahl der Insolvenzen ist noch gering, sie wird aber nicht so bleiben", hatte Knof am Dienstag auf einer Konferenz gesagt. Die Auswirkungen einer möglichen Gasrationierung preiste die Bank in die Risikovorsorge des dritten Quartals aufgrund der aktuell gefüllten Erdgasspeicher nicht ein. In einem Gasrationierungsszenario geht die Commerzbank trotz wirksamer staatlicher Maßnahmen von einem zusätzlichen negativen Effekt von 500 bis 600 Milliarden Euro aus.

Analysten der Ratingagentur Moody's nannten Anfang Oktober die Commerzbank als eines der deutschen Geldhäuser, das von der Energiekrise am meisten betroffen sei. Das Institut schätzte damals sein Exposure an Unternehmenskunden, die von den volatilen Energiepreisen betroffen sind, auf 45 Milliarden Euro. Das entspreche 9,3 Prozent des Gesamtportfolios der Bank.

Commerzbank geht von höheren Kosten aus

Um das Institut wieder auf einen stabilen Gewinnkurs zu führen, musste Knof im vergangenen Jahr einen tief greifenden Umbau einleiten. Die operativen Kosten sanken im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten des Jahres lag die Aufwand-Ertragsquote bei 69 Prozent. Das Kostenziel für 2024 hat die Bank jedoch auf sechs Milliarden Euro von 5,4 Milliarden erhöht.

Von den einst rund 1000 Filialen sollen im kommenden Jahr noch 400 übrig bleiben. Der geplante Abbau von 10.000 Stellen sei "weitgehend geregelt." An drei Auslandsstandorten, in Jordanien, Marokko und Singapur, eröffnet die Bank Repräsentanzbüros mit jeweils zwei bis drei Mitarbeitern, die die Geschäfte der Firmenkunden begleiten sollen. Die Gewerkschaft Verdi hatte die Arbeitsbedingungen bemängelt und Tarifverhandlungen gefordert. Bankchef Knof sagte dagegen, dass die Mitarbeiter der ComTS "sehr sehr zufrieden" seien, sie würden bald von der Zahlung eines einmaligen Inflationsausgleichs profitieren.

dri, rei/Reuters, DPA
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