Mittwoch, 13. November 2019

Kosten sollen um 600 Millionen Euro sinken Radikalumbau und höhere Gebühren - so plant die Commerzbank ihr Comeback

Im Umbau: Commerzbank Zentrale in Frankfurt
Boris Roessler/ DPA
Im Umbau: Commerzbank Zentrale in Frankfurt

Commerzbank-Kunden müssen sich auf höhere Gebühren einstellen. Das Geldhaus werde "Preisänderungen vornehmen" und manche Dienste anders bepreisen, sagte Bankchef Martin Zielke am Freitag bei der Vorstellung der neuen Strategie "Commerzbank 5.0" in Frankfurt. Dies sei nötig im aktuellen Marktumfeld, sagte er mit Blick auf das andauernde Zinstief. Da die Europäische Zentralbank (EZB) Strafzinsen auf Geld erhebt, das die Banken bei ihr parken, entstehen für die Bankenbranche Kosten in Milliardenhöhe. Am kostenlosen Girokonto für Privatkunden halte der Konzern aber fest.

Am Vorabend hatte der Aufsichtsrat dem umfangreichen Sparpaket der Commerzbank zugestimmt. Unter anderem sollen 200 Filialen geschlossen, rund 4300 Jobs abgebaut und die Comdirect vollständig übernommen werden. Auf Grund eines "verschlechterten Marktumfeldes" senkte die Commerzbank außerdem ihre Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr.

Bis zum Jahr 2023 will die Commerzbank ihre Kosten um 600 Millionen Euro verringern. "Der damit verbundene Stellenabbau ist leider notwendig", sagte Zielke am Freitag. Die Commerzbank verkauft dazu auch ihre polnische Tochter mBank. Der geplante Abbau der 4300 Vollzeitstellen entspreche ohne mBank einem weiteren Kostenrückgang von 14 Prozent, sagte der scheidende Finanzchef Stephan Engels, der durch die neue Finanzchefin Bettina Orlopp ersetzt wird.

Für die nächsten drei Jahre stellte Engels eine Eigenkapitalrendite (ROTE) von zwei bis vier Prozent in Aussicht. Ab 2023 soll die Rendite bei mehr als vier Prozent liegen. "Wir versuchen, die Dinge realistisch zu sehen, und das gilt auch für unsere Renditeziele", wandte sich Zielke gegen Kritiker, die das Ziel als wenig ambitioniert bezeichnet hatten. Bis 2023 rechnet die Bank auch wieder mit steigenden Erträgen, nachdem sie dieses Ziel für 2019 gekippt hatte. "Für unsere Planungen haben wir keine steigenden Zinsen unterstellt", sagte Engels.

Zielke rechnet außerdem mit Zusammenschlüssen von deutschen Banken und will dabei eine aktive Rolle spielen. "Es wird in Deutschland wahrscheinlich auch in Europa über kurz oder lang Konsolidierung geben", sagte Zielke. In einem solchen Prozess wolle die Commerzbank Börsen-Chart zeigen ein "aktiver Spieler" sein.

Kostenloses Girokonto soll bestehen bleiben

Änderungen im Preismodell hatte die Commerzbank bereits am Donnerstag angedeutet, nachdem der Aufsichtsrat einem Konzernumbau mit Stellenabbau und Filialschließungen zugestimmt hatte. "Künftig wird die Commerzbank (...) Leistungen differenzierter bepreisen", hieß es. Zugleich will die Commerzbank bis Ende 2023 unterm Strich mehr als eine Million neue Kunden gewinnen - das ist allerdings eine Drosselung des aktuellen Wachstumstempos. Zugleich will die Bank eine Million inaktive Kunden loswerden. Die Klienten, die teils noch aus der Zeit vor der Dresdner-Bank-Übernahme stammten, kosteten die Commerzbank Geld, sagte Zielke.

Abschied von Marke Comdirect: Commerzbank will mit einer Marke agieren

Die Commerzbank will nach der Komplettübernahme ihrer Direktbank-Tochter Comdirect nicht mehr mit zwei Marken agieren. Im aktuellen Geschäftsumfeld mache das keinen Sinn mehr, sagte Zielke. Das Geldhaus werde die Kräfte von Commerzbank und Comdirect bündeln "und im Vertrieb sowie im Marketing auf eine Marke setzen". So habe der Frankfurter MDax -Konzern einen noch stärkeren Hebel bei der Entwicklung von Smartphone-Apps. Die Banken sollten verschmolzen werden, betonte Finanzchef Stephan Engels.

Die Commerzbank Börsen-Chart zeigen will die Comdirect Börsen-Chart zeigen mit Sitz in Quickborn (Schleswig-Holstein), an der sie gut 82 Prozent hält, ganz übernehmen, da sich mit der Digitalisierung die Geschäftsmodelle angleichen. Den übrigen Aktionären der Comdirect bietet die Commerzbank nun 11,44 Euro je Anteilschein an, wie sie am Donnerstagabend mitteilte. Der Preis liegt 25 Prozent über dem letzten Comdirect-Schlusskurs vor Bekanntgabe der Pläne.

la/dpa/afp

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