Führungskrise spitzt sich zu Weitere Aufseher verlassen Commerzbank

Mit Helmut Gottschalk als neuen Aufsichtsratschef schien die Commerzbank die Führungskrise in den Griff zu bekommen. Doch jetzt scheiden weitere Aufseher aus und begründen das mit der Rolle des Großaktionärs Bund.
Es kracht gewaltig bei der Commerzbank: Weitere Aufsichtsratsmitglieder wollen die Bank verlassen

Es kracht gewaltig bei der Commerzbank: Weitere Aufsichtsratsmitglieder wollen die Bank verlassen

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Die Commerzbank baut ihren Aufsichtsrat massiv um. Nach Hans-Jörg Vetter (68) und Andreas Schmitz (61) ziehen sich drei weitere Kontrolleure der Kapitalseite zurück - aus Protest gegen die Art und Weise, wie die Vertreter des Großaktionärs Bund das Gremium dominierten, wie es in Finanzkreisen heißt.

Am Donnerstagabend hat das Instititut die Ersatzkandidaten bekannt gegeben, die bei der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat gewählt werden sollen. Diese ist für den 18. Mai geplant. Der ursprüngliche Termin ist um knapp zwei Wochen nach hinten verlegt worden - wegen der Rücktrittsserie im Kontrollgremium.

Den Anfang machte Vetter Mitte März. Er erklärte seinen unerwarteten Abschied mit gesundheitlichen Gründen. Der ehemalige HSBC-Deutschland-Chef Schmitz, ein Vertrauter von Vetter, der auch als sein potenzieller Nachfolger gehandelt wurde, hat Mitte vergangener Woche hingeworfen. Victoria Ossadnik (52), Rainer Hillebrand (64) and Tobias Guldimannen (59) sind die jüngsten Abgänge aus dem Aufsichtsgremium.

Nach einigen Absagen hat die Commerzbank bereits vor wenigen Tagen einen neuen Chef-Kontrolleur gefunden: Helmut Gottschalk (69), den einstigen Aufsichtsratsvorsitzenden der DZ Bank. Die anderen freien Positionen im Kontrollgremium sollen der ehemalige DZ-Bank-Vorstand Frank Westhoff (59), die Rechtsanwältin Daniela Mattheus (48) und die einstige Telekom-Managerin Caroline Seifert (54) übernehmen. Finanzkreisen zufolge soll auch Burkhard Keese (55), der vor zwei Jahren von der Allianz Deutschland zum britischen Versicherungsmarkt Lloyds als Finanzvorstand wechselte, Commerzbank-Kontrolleur werden. Er ist aber noch nicht offiziell benannt. Offenbar fehlt noch das grüne Licht seines Arbeitgebers.

Dass aus einem Rücktritt am Ende fünf Rücktritte wurden, lag offenbar an einem Streit über die Rolle von Andreas Schmitz im Cum-Ex-Steuerskandal. Er gehört seit ein paar Jahren im Cum-Ex-Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Köln zu den Beschuldigten. Schmitz hat dies Insidern zufolge der Commerzbank und der Finanzaufsicht offenbart und danach grünes Licht der Regulierer für den Aufsichtsratsposten bekommen.

Wichtige Teile des Kontrollgremiums fühlten sich aber offenbar nicht im ausreichenden Maße von Schmitz über das Cum-Ex-Thema informiert - darunter auch die Vertreter der Bundesregierung - und sprachen sich dagegen aus, dass er auf der anstehenden Hauptversammlung in den Aufsichtsrat gewählt wird. Seit Jahresanfang war der ehemalige HSBC-Deutschlandchef als gerichtlich bestellter Nachrücker Mitglied des Kontrollgremiums.

Nach der Auseinandersetzung über Schmitz haben sich Ossadnik, Hillebrandt und Guldimann zum Rücktritt entschieden. Der Umgang mit Schmitz habe offenbart, dass Lösungen im Aufsichtsrat nicht erarbeitet, sondern von den Vertretern des Bundes vorgegeben würden, heißt es aus Kreisen, die mit der Vorgängen vertraut sind. Konstruktive Diskussionen über Fragen wie, warum braucht es unbedingt einen externen Kandidaten für den Posten des Oberkontrolleurs und wie sollte man die Zusammensetzung des Aufsichtsratsrats künftig ändern, seien kaum mehr möglich, ebenso wenig wie vertrauensvolles Arbeiten, sagt ein Insider.

Der Bund ist seit der Finanzkrise mit gut 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt und damit größter Aktionär. Im Aufsichtsrat vertreten Jutta Dönges (47), Co-Chefin der Finanzagentur, und der ehemalige KfW-Manager Frank Czichowski die Interessen des Großinvestors. Die Beteiligten wollten sich zu den jüngsten Entwicklungen im Kontrollgremium nicht äußern oder waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Zu Spannungen im Kontrollgremium war es bereits Mitte 2020 gekommen, als zeitgleich Vorstandschef Martin Zielke (58) und Chefaufseher Stefan Schmittman (64) ihre Posten zur Verfügung stellten. mm-Informationen zufolge war der Bundesregierung bereits damals daran gelegen, die Position mit einem externen Kandidaten zu besetzen und nach und nach mehr Mitglieder mit Banken-Knowhow ins Kontrollgremium zu holen. Das löste Klagen über den zunehmenden Einfluss der Politik auf die Commerzbank aus.

Am Ende fiel die Wahl auf den ehemaligen LBBW-Chef Vetter als neuen Oberkontrolleur. In den vergangenen Monaten hat er den neuen Vorstandsvorsitzenden Manfred Knof (55) dabei unterstützt, eine radikale Sanierung des Kriseninstituts auf den Weg zu bringen.

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