Montag, 23. September 2019

"2017 ist nur das erste von zwei Übergangsjahren" Commerzbank stimmt auf weiteres Jahr des Umbaus ein

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Der Tower-Verkauf rettete den Quartalsgewinn

Immobilien- und Beteiligungsverkäufe haben der Commerzbank Börsen-Chart zeigen zu einem Millionengewinn im dritten Quartal verholfen. Unterm Strich stand ein Plus von 472 Millionen Euro, wie der Deutsche-Bank-Rivale am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte hier noch ein Verlust von 255 Millionen Euro gestanden und auch im Vorquartal hatte die Commerzbank wegen Kosten für ihren laufenden Umbau Geld verloren. Im Gesamtjahr erwartet der Vorstand weiterhin ein leicht positives Ergebnis.

Anleger reagierten mit Käufen auf die Zahlen: Die Commerzbank Börsen-Chart zeigen legte am Donnerstag im frühen Handel um rund 2 Prozent zu und gehörte zu den größten Gewinnern im Dax. Auch auf Jahressicht ist die Commerzbank unter den 5 Top-Performern des Jahres 2017 im Dax zu finden - im Gegensatz zur Deutschen Bank, die zu den Flop 5 zählt.

"Wir haben dieses Jahr gute Fortschritte erzielt und wichtige Grundlagen für unsere Transformation gelegt", erklärte Bankchef Martin Zielke am Donnerstag in Frankfurt. Mit der Neuaufstellung, bei der auch Tausende Stellen wegfallen, begegnet die Bank dem schwierigen Umfeld aus niedrigen Zinsen, ruhigen Kapitalmärkten und hartem Wettbewerb. Analysten hatten allerdings mit einem etwas besseren operativen Abschneiden im Quartal gerechnet.

"2017 ist das erste von zwei Übergangsjahren"

Die Commerzbank bittet ihre Aktionäre trotz Fortschritten beim Konzernumbau abermals um Geduld. "2017 ist nur das erste von zwei Übergangsjahren", sagte Finanzchef Stephan Engels am Donnerstag und erteilte Hoffnungen auf eine Dividende für das laufende Jahr eine Absage. "Wir werden auch 2018 noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns haben."

Das Tagesgeschäft, belastet von den niedrigen Zinsen und dem harten Wettbewerb im heimischen Privat- und Firmenkundengeschäft, schwächelt dagegen weiterhin. Die bereinigten Erträge schrumpften im Quartal um neun Prozent auf zwei Milliarden Euro - obwohl die Bank mehr Kunden gewinnt, als sie sich für dieses Jahr eigentlich zum Ziel gesetzt hat.

Teurer Kampf um Kunden - 14 Millionen Privatkunden bis 2020 sind das Ziel

Bis 2020 will die Commerzbank 14 Millionen Privatkunden in Deutschland haben, zwei Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Bis Ende September hatte sie 587.000 geschafft. Die Gewinnung eines Neukunden kostet die Bank laut Engels allerdings zunächst 150 bis 200 Euro. Bis sie mit ihm Geld verdient, dauert es rund 18 Monate.

Der Kampf um die Kunden dürfte sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen: Auch die Deutsche Bank will im Privatkundengeschäft angreifen und führt derzeit die Postbank und das eigene Retail-Geschäft zusammen. Zudem will Deutschlands größte Bank Ende 2018 mit einer neuen Digitalbank an den Start gehen - direkte Konkurrenz für die Commerzbank-Tochter Comdirect.

Zahl der Stellen soll deutlich sinken

Angesichts des schwierigen Umfelds drückt die Commerzbank auf die Kostenbremse. Bis 2020 soll die Zahl der Vollzeitstellen auf 36.000 sinken, Ende September zählte die Bank noch 41.600. Es ist bereits das dritte Programm zum Stellenabbau seit der Fusion mit der Dresdner Bank vor acht Jahren. Weitere Einsparungen soll die Digitalisierung der Prozesse bringen. Hier komme die Bank planmäßig voran, sagte Engels.

Der Finanzchef erwartet zum Jahresende keine großen Sprünge, unter dem Strich dürfte die Bank für 2017 einen Gewinn von rund 100 Millionen Euro erzielen. Dabei standen nach neun Monaten schon 66 (Vorjahr: 96) Millionen Euro in den Büchern, obwohl die Bank im Halbjahr 807 Millionen Euro an Kosten für den Stellenabbau verarbeitet hatte. Die Teilinteressenausgleiche mit dem Betriebsrat seien inzwischen verhandelt, sagte Engels.

Abbau der Schiffskredite

Den Abbau ihrer Schiffskredite will er beschleunigen, sie sollen nun deutlich vor 2020 ganz aus der Bilanz verschwinden. Ende September waren noch 3,3 Milliarden übrig, bis zum Jahresende sollen es drei Milliarden sein. Im Zuge der neuen Bilanzierungsregeln (IFRS-9) sollen die Kredite weiter abgeschrieben werden, danach seien keine Belastungen mehr durch Schiffskredite zu erwarten.

Die harte Kernkapitalquote wird dadurch zum 1. Januar 2018 schrumpfen, aber immer noch bei mindestens 12,5 Prozent liegen, sagte Engels. Zuletzt verbesserte sie sich unerwartet kräftig auf 13,5 Prozent - Analysten hatten im Schnitt nur 13,2 Prozent erwartet.

Unicredit und BNP interessiert: Schweigen zu Übernahmegerüchten

Zum Interesse ausländischer Banken an dem Frankfurter Institut wollte sich Engels nicht äußern. "Wir konzentrieren uns darauf, unsere Bank langfristig profitabel zu machen." Insider hatten vor kurzem berichtet, dass die Bank sich mit Hilfe von zwei Investmentbanken für eine mögliche Übernahmeschlacht wappnet. In den vergangenen Wochen hatten mehrere ausländische Konkurrenten Interesse an dem Frankfurter Geldhaus gezeigt - etwa die italienische Großbank Unicredit Börsen-Chart zeigen sowie die französischen Großbanken BNP Paribas Börsen-Chart zeigen. Dazu haben die Fusionsfantasien durch eine mögliche Beteiligung der FDP an der künftigen Bundesregierung neuen Schwung bekommen. Der Bund ist mit 15,6 Prozent größter Aktionär der Commerzbank.

luk, dpa, reuters

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