Mittwoch, 13. November 2019

Bank kassiert Gewinnziel Commerzbank führt Strafzinsen für Privatkunden ein

Commerzbank-Chef Martin Zielke nimmt Gewinnziel zurück
Arne Dedert/ DPA
Commerzbank-Chef Martin Zielke nimmt Gewinnziel zurück

Die Commerzbank verabschiedet sich trotz eines Gewinnsprungs im dritten Quartal von ihrer Prognose für 2019. "Wir stellen bewusst den langfristigen Erfolg über kurzfristige Renditeziele", sagte Konzernchef Martin Zielke am Donnerstag. "Wunschdenken ist angesichts niedriger Zinsen, Konjunktureintrübung und geopolitischer Unsicherheiten nicht angesagt." Zielke erwartet für 2019 einen Rückgang des Konzernüberschusses, nachdem er bislang noch eine leichte Steigerung gegenüber den 865 Millionen Euro im Vorjahr in Aussicht gestellt hatte.

Im dritten Quartal stieg das Nettoergebnis um gut ein Drittel auf 294 Millionen Euro, die Erträge legten um zwei Prozent auf 2,18 Milliarden Euro zu. Damit bestätigte der Konzern die bereits Ende Oktober vorab veröffentlichten Zahlen. "Im dritten Quartal haben wir ein gutes Ergebnis erzielt. Das lag vor allem an höheren Erträgen, verringerten Kosten und einem niedrigen Risikoergebnis", sagte Finanzchef Stephan Engels am Donnerstag.

Dennoch hat die Commerzbank Börsen-Chart zeigen in den ersten neun Monaten unter dem Strich nur 684 Millionen Euro verdient - neun Prozent weniger als Vorjahreszeitraum. Das Kapitalpolster verringerte sich: Ende September lag die harte Kernkapitalquote bei 12,8 (Ende Juni: 12,9) Prozent.

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten zunächst mit leichten Kursverlusten quittiert. Im frühen Handel verlor die Aktie der Commerzbank Börsen-Chart zeigen am Morgen 1 Prozent an Wert. "Niemand hat erwartet, dass die Commerzbank ihr Gewinnziel aufrechterhält", schrieb ein Aktienhändler am Morgen. Grund für die pessimistischere Gewinnprognose des Vorstands ist nach Angaben des Instituts, dass die Bank im vierten Quartal mit einer "deutlich höheren Steuerquote" rechne.

Strafzinsen für Privatkunden mit hohen Spareinlagen

Neben den Zahlen teilte die Commerzbank am Donnerstag auch mit, Strafzinsen für Privatkunden einzuführen. "Wir haben zahlreiche Privatkunden angesprochen", sagte Finanzchef Stephan Engels in einer Telefonkonferenz. Man beginne jetzt, Maßnahmen umzusetzen. "Das Potenzial ist sehr groß."

Bislang habe die Commerzbank so gut wie keinem Privatkunden Strafzinsen in Rechnung gestellt. "Wir fangen jetzt mit Kunden mit hohen Einlagen an." Engels ließ offen, ab welcher Einlagenhöhe Strafzinsen gelten sollen. Einfache Sparer würden weiter verschont. Die Diskussion um Negativzinsen ist auch bei anderen Geschäftsbanken ein Thema.

Bei Firmenkunden erhebt die Commerzbank ab einer bestimmten Einlagenhöhe bereits seit langem Strafzinsen und passt diese nun an die gesunkenen Zinsen an. "Wir überprüfen auch die Freibeträge", sagte Engels. Zudem wolle die Commerzbank mit Preiserhöhungen und einer Anpassung des Produktangebots einem zu hohen Zufluss von Einlagen entgegenwirken.

Kosten weiter senken

Nach der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank will Commerzbank-Chef Zielke sein Haus auf eigene Faust fitmachen. Ende September hatte er deshalb unter anderem den Abbau von konzernweit 4300 Stellen, die Schließung von 200 der 1000 Filialen, die Übernahme der Online-Tochter Comdirect sowie den Verkauf der polnischen Tochter mBank angekündigt. "Jetzt geht es darum kräftig zu investieren, um die Digitalisierung der Bank voranzutreiben und unsere Kosten weiter zu senken", sagte Engels.


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Die Kosten für den erneuten Konzernumbau, die die Commerzbank ohne die Aufwendungen für die Comdirect-Übernahme auf 1,6 Milliarden Euro beziffert hatte, werden zum Großteil jedoch erst in den kommenden Jahren verbucht. Mit dem erneuten Konzernumbau und höheren Gebühren für Kunden reagiert das Management auf die anhaltend niedrigen Zinsen und den starken Wettbewerb im Heimatmarkt. Aus diesen Gründen hatte sich die Commerzbank bereits im September von dem Ziel verabschiedet, die Erträge gegenüber dem Vorjahr leicht zu steigern.

Die Aktionäre sollen trotz des Gewinnrückgangs und des erneuten Konzernumbaus eine Dividende für 2019 erhalten. Die Ausschüttungsquote werde auf einem vergleichbaren Niveau wie 2018 sein. Für 2018 hatten die Anleger 20 Cent je Aktie erhalten.

dpa/rtr/akn

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