Sonntag, 25. August 2019

Commerzbank Interesse an hiesigen Privatkunden der Credit Suisse

Die Credit Suisse will ihre deutsche Privatkundeneinheit verkaufen - und lockt viele Interessenten, aber kaum ernsthafte Bieter an. Nach Informationen von manager magazin online hat sich kürzlich sogar die Commerzbank die Sparte angeschaut.

Frankfurt am Main - Wenn es um die Commerzbank ging, dann waren in den vergangenen Wochen selbst die wildesten Gerüchte zur Verbreitung zugelassen. Glaubt man allem, was geschrieben wurde, dann wird die Frankfurter Krisenbank demnächst von der Schweizer UBS übernommen. Und von der spanischen Santander natürlich auch. Und von der französischen BNP Paribas sowieso; deren Vorstandschef Jean-Laurent Bonnafe hat heute wenigstens öffentlichkeitswirksam klar abgesagt.

Tatsächlich hat sich die Commerzbank Börsen-Chart zeigen zuletzt allerdings weniger um den eigenen Verkauf, als um einen möglichen Zukauf gekümmert. Nach Informationen von manager magazin online interessierte sich das Geldhaus für die zum Verkauf stehende deutsche Privatkundensparte der Schweizer Großbank Credit Suisse Börsen-Chart zeigen. Nach einem genauen Blick in Bücher die (für Connaisseure: Es handelte sich um die sogenannte Pre Due Dilgence) nahm die Commerzbank allerdings wieder Abschied von der Idee. Das Geldhaus will sich dazu nicht äußern.

Die kleine Anekdote lehrt zweierlei: Erstens, die Commerzbank Börsen-Chart zeigen ist offenbar wieder zu kleineren Zukäufen bereit (was sie ab Frühjahr 2014 auch wieder darf, weil die nach der staatlichen Rettung verhängte Sperre der EU-Kommission ausläuft). Und zweitens, die Credit-Suisse-Sparte ist als Asset offenbar nicht so attraktiv, dass die Commerzbank ausgerechnet für sie ihre jahrelange Übernahme-Abstinenz aufgibt.

Mit letzterer Einschätzung ist die Commerzbank freilich nicht alleine. Denn den Informationen von manager magazin online zufolge war die Commerzbank nicht das einzige prominente Frankfurter Geldhaus, das im Datenraum der Credit Suisse vorstellig wurde, um sich die zum Verkauf stehende Einheit genauer anzuschauen. Die DZ Bank tat dies auch. Allerdings kam das Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken nach eingehender Prüfung zum gleichen Ergebnis wie die Commerzbank: Für die DZ nicht attraktiv.

Warum nicht?

Der Bereich, den die Credit Suisse zum Verkauf gestellt hat, umfasst dem Vernehmen nach alle Privatkunden mit einem Anlagevolumen zwischen 50.000 Euro und rund einer Million Euro, also eher das Massengeschäft der Vermögensverwaltung. Wie groß das Geschäft genau ist, darüber gibt es keine offiziellen Angaben. Insider schätzen, dass die Credit Suisse in dem zum Verkauf stehenden Segment fünf bis sieben Milliarden Euro Vermögen verwaltet.

Insgesamt - so sagen Kenner - betreut die Schweizer Großbank in Deutschland rund zehn bis zwölf Milliarden Euro. Das Geschäft mit den reicheren Kunden will sie wahrscheinlich behalten. Der Preis für solche Einheiten liegt normalerweise bei ein bis zwei Prozent des verwalteten Vermögens.

Von außen betrachtet ist der zum Verkauf stehende Bestand aber eine womöglich gute Gelegenheit eine bereits bestehende Privatkundensparte sinnvoll zu arrondieren, auch wenn er für sich genommen zwar zu klein ist, um damit wirklich Geld zu verdienen. Dies war das Kalkül der Commerzbank, die im Segment vermögender Privatkunden nach eigenen Angaben aktuell gut 50 Milliarden Euro verwaltet.

Theoretisch hätten die rund 5 bis 7 Milliarden Euro der Credit Suisse also gut dazu gepasst, heißt es in Finanzkreisen. Die Commerzbank wäre damit im mittleren Privatkundensegment fast schon so groß gewesen wie die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen (wenn man deren ungeliebte Töchter BHF und Oppenheim nicht mitzählt). Ähnlich dachte auch die DZ Bank, deren Privatkundentochter momentan auf ein Anlagevolumen von rund 13 Milliarden Euro kommt - und weiter wachsen soll, was sie mit dem Credit-Suisse-Bestand hätte tun können.

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