Mittwoch, 22. Mai 2019

Fusionspoker um Großbank ING strebt Übernahme der Commerzbank an

Plötzlich umworben: Commerzbank-Chef Martin Zielke.
Boris Roessler / DPA
Plötzlich umworben: Commerzbank-Chef Martin Zielke.

Die niederländische Großbank ING wirbt um die Commerzbank. Nach Informationen von manager-magazin.de von Beteiligten hat deren Vorstandschef Ralph Hamers sowohl bei der Bundesregierung in Berlin als auch bei Commerzbank-CEO Martin Zielke um die Aufnahme entsprechender Gespräche gebeten. Danach habe Zielke die Aufnahme von Gesprächen abgelehnt, den Kontakt allerdings nicht gänzlich abgebrochen. Weder ING noch die Commerzbank wollten die Informationen kommentieren.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf den planwirtschaftlichen Charakter der derzeit diskutierten Neuordnung der deutschen Großbankenszene. Die Bundesrepublik ist mit rund 15 Prozent größter Aktionär der Commerzbank und sorgt sich zugleich um die Stabilität des größten deutschen Geldhauses, der Deutschen Bank. Seit Wochen verhandeln die beiden deutschen Großbanken im Detail, ob sich ein Verkauf der Commerzbank an die Deutsche Bank rechnet. Von einem Zusammenschluss der beiden Häuser verspricht sich das Bundesfinanzministerium eine Stabilisierung der Deutschen Bank und eine Vormachtstellung des dann kombinierten deutschen Geldhauses auf dem Heimatmarkt. Chef der kombinierten Bank soll Deutsche-Bank-CEO Christian Sewing werden, Martin Zielke hat Aussichten auf den Posten des Co-CEO, sicher scheint ihm allerdings das Amt des Vize-CEO.

ING-Chef Hamers ködert die Bundesregierung und Zielke nach Informationen von mm.de umfangreich: So versprechen die Niederländer, bei einem Kauf der Commerzbank weniger Stellen abbauen zu müssen als bei einem Verkauf der Commerzbank an die Deutsche Bank. Zudem soll Hamers in Aussicht gestellt haben, die globale Zentrale von ING von Amsterdam nach Frankfurt zu verlegen. Die ING, die in Deutschland mit der ING-Diba sehr erfolgreich ist, ist mit 47 Milliarden Euro an der Börse derzeit mehr als 4,8mal so viel wert wie die Commerzbank (Börsenwert rund 9,67 Mrd. Euro).

Mit ähnlichen Ideen wie ING-Chef Hamers hat auch Unicredits CEO Jean Pierre Mustier erfolglos um die Aufnahme von Gesprächen mit Commerzbank-Chef Martin Zielke geworben. Auch er hat in Aussicht gestellt, wichtige Geschäfte mit Ausnahme des Italien-Geschäfts künftig von Frankfurt aus zu führen.

Die Haltung Zielkes könnte im Falle eines Verkaufs der Commerzbank an die Deutsche Bank Brisanz entfalten. Als CEO ist er verpflichtet, für seine Aktionäre den bestmöglichen Deal herauszuhandeln. Möglicherweise könnte er sich damit entschuldigen, dass die Angebote von ING und Unicredit nicht konkret genug waren. Unklar ist, ob die beiden Großbanken in den kommenden Tagen ihre Ideen für ein Gespräch noch konkretisieren, um Zielke doch noch zu Verhandlungen zu bewegen.

Anders als etwa in der Industrie scheuen Banken davor zurück, Konkurrenten feindlich - also ohne Unterstützung des dortigen Managements - übernehmen zu wollen. Dem Widerstand des Management schließen sich in der Regel auch die wichtigen Regulatoren an, in diesem Fall die Europäische Zentralbank. Der Grund: Das Risikos eines Misserfolgs gilt in solchen Fällen als zu groß, was aufgrund der Verquickung von Banken in die gesamte Volkswirtschaft als gefährlich gilt. Bereits im Februar hatte manager magazin über ein grundsätzliches Interesse der ING an der Commerzbank berichtet.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatte es geheißen, Zielke habe die Aufnahme formeller Gespräche abgelehnt. Inzwischen gibt es widerstreitende Informationen, die wir derzeit nicht verifizieren können, ob es sich um formelle oder einfach nur um Gespräche gehandelt hat.

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