Bankaktien im freien Fall Commerzbank und Deutsche Bank auf Rekordtief

Die Commerzbank hat die Hoffnung aufgegeben, einen Gewinn wie im Vorjahr zu schaffen. Die Aktie stürzt auf Rekordtief - ebenso wie die Aktie der Deutschen Bank. Im Bankensektor herrscht Ausverkaufstimmung.
Commerzbank-Chef Martin Zielke: Das Ziel, wie im Vorjahr einen Gewinn von rund einer Milliarde zu erzielen, ist nicht mehr zu schaffen

Commerzbank-Chef Martin Zielke: Das Ziel, wie im Vorjahr einen Gewinn von rund einer Milliarde zu erzielen, ist nicht mehr zu schaffen

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Seit Wochen fliehen Anleger aus dem Bankensektor - die Bankenkrise in Italien, die Dauer-Niedrigzinsen sowie die schwache Kapitalisierung einiger Banken im Krisenfall sorgen dafür, dass Investoren europäische Banken meiden. Wenn dann noch schlechte Nachrichten der Geldhäuser hinzukommen, gewinnt die Kapitalflucht an Dynamik: So sorgte am Dienstag eine Mitteilung der Commerzbank, dass das für dieses Jahr gesetzte Gewinnziel nicht mehr zu erreichen sei, für eine neue Verkaufswelle im Bankensektor.

Die Verkaufswelle traf zunächst die Aktie der Commerzbank  selbst mit voller Wucht. Das Papier verlor bis Xetra-Schluss rund 9 Prozent an Wert und ging bei 5,24 auf einem Rekordtief aus dem Handel. Die Aktie des Konkurrenten Deutsche Bank wurde mitgerissen und verlor 4,8 Prozent auf 11,24 Euro - ebenfalls ein Rekordtief. Seit Beginn des Jahres haben Commerzbank  und Deutsche Bank  jeweils rund 50 Prozent an Wert verloren.

Außerdem hatte die Index-Tochter der Deutschen Börse am Vortag bekannt gegeben, dass sowohl die Deutsche Bank als auch die Credit Suisse in wenigen Tagen den währungsgemischten Stoxx Europe 50 verlassen müssen. Im EuroStoxx ist Index-Experten zufolge zudem der Platz der Unicredit gefährdet, falls nicht rechtzeitig vor September eine Kapitalerhöhung durchgeführt wird. Auch die Aktie von Unicredit brach am Dienstag weiter ein.

"Niedrige Zinsen werden Erträge weiter belasten"

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"Das Niedrigzinsumfeld und die anhaltende Kundenzurückhaltung (...) werden die Erträge trotz Wachstum weiter belasten", heißt es im am Dienstag veröffentlichten Zwischenbericht der Commerzbank. "Wir erwarten daher für das Gesamtjahr 2016, dass das operative Ergebnis und das Konzernergebnis unter dem Vorjahr liegen werden."

Zuletzt hatte die Bank noch gehofft, den Überschuss von gut einer Milliarde Euro aus dem Vorjahr zu wiederholen, dieses Ziel aber schon als "ambitioniert" bezeichnet. Ursprünglich hatte die Bank sogar Zuwächse in Aussicht gestellt.

In den ersten sechs Monaten allerdings brach der Überschuss - wie die Bank bereits in der vergangenen Woche berichtet hatte - um mehr als 40 Prozent auf 372 Millionen Euro ein. Der operative Gewinn sackte in der gleichen Größenordnung auf 615 Millionen Euro ab. Dabei kämpfte die Commerzbank vor allem mit den anhaltend niedrigen Zinsen. Auch die Unruhe an den Kapitalmärkten machte der Bank zu schaffen.

Risikokredite könnte bald wieder steigen - faule Schiffskredite

Stabilisierend wirkte sich für die Commerzbank die auf 335 Millionen Euro gesunkene Risikovorsorge aus. Dabei profitierte die Bank von der weiter guten Wirtschaftslage in Deutschland. Denn sie ermöglicht den meisten Kreditnehmern, ihre Schulden regelmäßig zu bedienen. Insgesamt liegt der Anteil der faulen Kredite, bei denen die Rückzahlung ungewiss ist, bei der Commerzbank bei gerade einmal 1,4 Prozent.

Allerdings stellt sich die Bank darauf ein, dass die Risikovorsorge demnächst wieder steigen wird. Sie begründet das mit dem weiter schwierigen Umfeld für Schiffsfinanzierungen. Zudem dürfte der Effekt von wieder aufgelösten Rückstellungen abnehmen.

Niedrigzinsen fressen sich in die Bilanz

Die niedrigen Zinsen fraßen sich hingegen immer weiter in die Bilanz. Darunter leidet vor allem das Mittelstandsgeschäft, das in den vergangenen Jahren der mit Abstand größte Gewinnbringer des Konzerns war. In der ersten Jahreshälfte allerdings ging der operative Gewinn der Sparte um fast 40 Prozent auf 412 Millionen Euro zurück. Noch stärker geriet das Investmentbanking der Bank unter die Räder, dessen Gewinn um fast 60 Prozent auf 201 Millionen Euro absackte. Das lag an einem schwachen Handel mit Zinsprodukten und Rückgängen im Aktiengeschäft.

Dagegen trotzte die Commerzbank  im Privatkundengeschäft weiter dem Gegenwind. Die Sparte verdiente in den ersten sechs Monaten mit 371 Millionen Euro 13 Prozent mehr. Dazu trug allerdings auch ein Sondergewinn aus dem Verkauf der Anteile am Kreditkartenanbieter Visa Europe bei, der rund 58 Millionen Euro im zweiten Quartal einbrachte. Das Privatkundengeschäft hat sich in den vergangenen rund vier Jahren vom Sorgenkind zum Ertragsbringer entwickelt. Rund 940 000 neue Kunden hat die Bank seit 2013 gewonnen.

Zuwächse verbuchte die Commerzbank auch im Polen-Geschäft. Die konzerneigene Abwicklungssparte reduzierte ihren Verlust um 43 Prozent auf 256 Millionen Euro. Allerdings erschwert die schwierige Lage auf dem Schiffsmarkt den Abbau des immer noch großen Paketes an Schiffsfinanzierungen.

Schwacher Wert im Stresstest

Druck hat die Commerzbank weiter bei der Stärkung ihrer Kapitalpuffer. Im europäischen Stresstest wurde sie erheblich durchgeschüttelt. Die harte Kernkapitalquote sackte im Krisenszenario auf 7,4 Prozent ab, das war der achtschwächste Wert aller 51 überprüften Großbanken.

Ende Juni verfügte die Bank über eine harte Kernkapitalquote von 11,5 Prozent, das waren 0,5 Prozentpunkte weniger als drei Monate zuvor. Die Bank hatte den deutlichen Rückgang bereits in der vergangenen Woche unter anderem mit verschärften Vorgaben bei der Berechnung von Risiken im Tagesgeschäft begründet. Zum anderen musste das Institut angesichts der niedrigen Zinsen seine Pensionsverpflichtungen für die eigenen Betriebsrenten kräftig erhöhen. Auch die höheren Risiken für italienische Staatsanleihen hinterließen Spuren.

In der Kapitalquote bereits enthalten ist eine Abgrenzung für die geplante Dividende. Im ersten Halbjahr legte die Bank dafür 10 Cent pro Anteilsschein zurück. Damit steuert die Bank auf eine Gesamtausschüttung von erneut 20 Cent zu. Bis 2019 muss die Commerzbank unter vollständiger Anwendung aller künftigen Regeln auf eine harte Kernkapitalquote von 11,75 Prozent kommen. die Bank warnt allerdings, dass es wegen des unsicheren Umfelds immer wieder zu Schwankungen kommen kann. Eigenkapital gilt als wichtiger Puffer gegen neue Schieflagen.

la/dpa/reuters
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