Freitag, 18. Oktober 2019

Firmenkunden belasten Deutscher Mittelstand wird zum Problem der Commerzbank

Commerzbank-Filiale in Frankfurt am Main
Daniel Reinhardt/dpa
Commerzbank-Filiale in Frankfurt am Main

Die gute Nachricht zuerst - ist aber leider zugleich auch eine schlechte Nachricht. Von fortgesetztem Wachstum berichteten Commerzbank-Chef Martin Zielke und Finanzvorstand Stephan Engels an diesem Mittwochmorgen. Die Bank habe in den drei Jahren seit Zielkes Antritt 11.400 Firmenkunden gewonnen - und das Ziel für 2020 schon jetzt deutlich übertroffen. Kaum eine Bank wächst so aggressiv in der Kreditvergabe an den umworbenen deutschen Mittelstand wie die Commerzbank, im ersten Halbjahr wuchs das Kreditbuch um sechs Milliarden auf 88 Milliarden Euro.

Die Geschäftszahlen zum zweiten Quartal lassen jedoch ahnen, dass der klare Fokus auf den Heimatmarkt - gedacht als Ausweg aus den Problemen, die von US-Immobilien oder italienischen Staatsanleihen rührten - nun selbst zum Problem werden könnte.

Das Risikoergebnis der Commerzbank Börsen-Chart zeigen fiel mit minus 178 Millionen Euro mehr als doppelt so schlecht aus wie ein Jahr zuvor. Die Firmenkundensparte, für die mit ING-Veteran Roland Boekhout gerade erst ein prominenter neuer Chef geholt wurde, trug kaum noch etwas zum Konzerngewinn bei.

Die Bank begründet die Wertberichtigungen oder Kreditausfälle mit "Einzelfällen im zweiten Quartal", ohne dies näher auszuführen. Irgendwelche Einzelfälle gibt es ja immer. Insgesamt sei "das Risikoprofil der Bank weiter sehr gesund". Der Anteil fauler Kredite liege bei extrem niedrigen 0,8 Prozent. Die Commerzbank hält sich selbst vorsichtige Kreditvergabe und ihren Kunden eine "zwar schwächer wachsende, aber weiterhin widerstandsfähige deutsche Wirtschaft" zugute.

Noch. Denn die Signale von der Konjunktur zeigen klar abwärts. Auch andere europäische Banken wie Crédit Agricole oder ABN Amro müssen ihre Risikovorsorge erhöhen und belasten damit ihre Zahlen. Die Commerzbank jedoch ist besonders stark auf die exportorientierte, früh vom Abschwung betroffene deutsche Industrie ausgerichtet. Die Produktion schrumpfte im Frühjahr drastisch, wahrscheinlich sogar die Wirtschaftsleistung insgesamt. Die Zahl der Firmenpleiten beginnt nach jahrelanger Ruhe wieder zu steigen.

Die Commerzbank-Führung warnt die Aktionäre, sie müssten sich auf eine längere Phase der Schwäche der deutschen Wirtschaft einstellen. Ihr eigenes, erst im März aufgestelltes Gewinnziel für das Gesamtjahr, sei unter diesen Umständen "ambitioniert".

Wenigstens hat die Bank noch italienische Staatsanleihen mit einem Wert von 8,9 Milliarden Euro in den Büchern. Deren Kurs hat in diesem Jahr stark aufgewertet - im Gegensatz zur Kreditwürdigkeit der deutschen Industrie.

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