Montag, 24. Februar 2020

M-Bank-Verkauf vor Absage? EZB kritisiert Commerzbank wegen Geschäftszielen

EZB hält Geschäftsziele und Sparanstrengungen für zu wenig ambitioniert
Kai Pfaffenbach/Reuters
EZB hält Geschäftsziele und Sparanstrengungen für zu wenig ambitioniert

Die europäische Bankenaufsicht kritisiert nach einem Medienbericht die Geschäftsziele der Commerzbank. Auf der Aufsichtsratssitzung am 4. Dezember habe ein Vertreter der EZB-Bankenaufsicht die geringe Profitabilität des Instituts angeprangert und die Renditeziele als wenig ambitioniert bezeichnet, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf mehrere mit dem Thema vertraute Personen.


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Der EZB-Aufseher hat demnach die Bank zu stärkeren Kostensenkungen aufgefordert. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Commerzbank wollten sich dem Blatt zufolge nicht äußern. Nach bisherigen Plänen sieht die Commerzbank vor, ihre Kosten bis 2023 um 600 Millionen Euro zu drücken. Die Eigenkapitalrendite soll in den nächsten drei Jahren bei 2 bis 3 Prozent liegen, ab 2023 bei mehr als 4 Prozent, heißt es weiter. Vorstandschef Martin Zielke hält angesichts der niedrigen Zinsen und des harten Wettbewerbs die Ziele für realistisch.

Bläst Commerzbank Verkauf von M-Bank ab?

Anders als gedacht, läuft es aber offenbar beim geplanten Verkauf der polnischen Tochter M-Bank. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Dienstag berichtet, könnte die Commerzbank den Verkauf abblasen. Für das Institut gebe es wohl nur einen ernsthaften Bieter. Die Zeitung beruft sich dabei auf Informationen aus Finanzkreisen. Bis zum Ablauf einer ersten Frist Ende Januar habe die teilstaatliche, zweitgrößte Bank Polens Pekao ein Angebot abgegeben.

Darüber hinaus hätten zwar auch die US-Finanzinvestoren Blackstone und Apollo ein Angebot eingereicht. Beide seien aber nach Aussage von Kennern des vertraulichen Verkaufsverfahrens inzwischen nicht mehr im Rennen. Ob ihre Angebote der Commerzbank zu niedrig gewesen seien oder ob die Finanzinvestoren von sich aus die Reißleine gezogen hätten, sei unklar.


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Apollo wollte sich dem Bericht zufolge dazu auf Anfrage nicht äußern. Blackstone habe auf eine Anfrage nicht reagiert. Die Commerzbank sei bei ihrer Stellungnahme vom vergangenen Mittwoch geblieben, dass das Verkaufsverfahren laufe, sie sich zu speziellen Bietern aber nicht äußere. Und bei folgendem Satz: "Klar ist aber, dass die Commerzbank ein so wertvolles Asset wie die M-Bank nur zu einem adäquaten Preis verkaufen wird."

Genau dies könne bei nur einem Bieter aber schwierig werden, hieß es in dem Bericht weiter. Nach Informationen aus Finanzkreisen schreckten die hohen Franken-Kredite der M-Bank und deren brenzlige Rechtslage Investoren ab

dpa/akn

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