Mittwoch, 27. Mai 2020

Jutta Dönges und Frank Czichowski kommen ins Kontrollgremium Bund tauscht Aufsichtsräte bei Commerzbank aus

Bund tauscht Aufsichtsratsvertreter bei Commerzbank aus

Die Bundesregierung greift bei der Commerzbank durch und tauscht ihre Vertreter im Aufsichtsrat aus: Jutta Dönges (46), Co-Chefin der Deutschen Finanzagentur, und Frank Czichowski (60) von der staatlichen Förderbank KfW, rücken in das Kontrollgremium auf. Sie ersetzen Anja Mikus (61), die den Staatsfonds für Atommüll-Entsorgung leitet, und Markus Kerber (56), Staatssekretär im Innenministerium. Deren reguläre Amtszeit hätte 2023 geendet.

Jutta Dönges und Frank Czichowski
Finanzagentur des Bundes; KfW
Jutta Dönges und Frank Czichowski

Damit zieht der Bund, der gut 15 Prozent an der Commerzbank hält, erste Konsequenzen aus der Überprüfung seiner Beteiligung. Der Großaktionär hatte im vergangenen Jahr die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) damit beauftragt, die Schwächen und Risiken, Stärken und Chancen der Krisenbank zu analysieren. Die Experten haben ihre Bewertung vor wenigen Wochen abgeschlossen. Darin kommen sie Finanzkreisen zufolge zu dem Schluss, dass das Geldhaus seine Kosten radikaler senken, sein Filialnetz stärker verkleinern und seine Kapitalmarktaktivitäten ebenfalls deutlich schrumpfen könnte.

Commerzbank-Chef Martin Zielke (57) hat erst Ende September eine neue Strategie vorgestellt, wie das Geldhaus aus eigener Kraft seine Misere beenden soll. Dazu gehört unter anderem die Integration der Onlinebank Comdirect. Zielke peilt insgesamt eine Eigenkapitalrendite von mehr als vier Prozent ab dem Jahr 2023 an. Er hat sich damit bereits Kritik aus Kreisen der Bankenaufseher eingehandelt, die seine Strategie als zu unambitioniert ansahen. Die Commerzbank hat darauf bereits reagiert und bei der Bilanzvorlage im Februar weitere Sparschritte angekündigt.

Markus Kerber geht

Der Bund war in der Finanzkrise bei dem Geldhaus eingestiegen und ist heute größter Aktionär. Im Frühjahr 2019 sind die Pläne der Commerzbank für eine Fusion mit dem Rivalen Deutsche Bank gescheitert.

BCG sollte mit seiner Analyse nicht nur die bisherige Strategie der Commerzbank bewerten, sondern auch grundsätzlich Möglichkeiten aufzeigen, was der Ankeraktionär mit seiner Beteiligung tun könnte, um ihren Wert zu steigern. Um sich ohne Verlust davon zu trennen, müsste der Bund etwa 26 Euro je Aktie bekommen. Im Zuge der Corona-Krise ist der Kurs der Commerzbank-Titel auf gut drei Euro gesunken.

Der Bund will mit den neuen Aufsichtsratsmitgliedern Finanzkreisen zufolge mehr bankenspezifisches Know-how in das Kontrollgremium einbringen.

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