Freitag, 19. Juli 2019

Vorstandschef lehnt Verlängerung seines Vertrags ab Blessing hat von der Commerzbank genug

Ein Wortpaar, das wieder aufgelöst werden muss: Martin Blessing und die Commerzbank.

Martin Blessing hat den Topjob bei der Commerzbank kurz vor Ausbruch der Finanzkrise übernommen. Seitdem haderte er oft mit der undankbaren Rolle des Chefs einer Bank im Dauersanierungsmodus. Dennoch hielt er durch - bevor er jetzt die Chance zum eleganten Ausstieg ergriff.

In der Hochphase des Kampfs um wichtige Konzernziele hat Commerzbank-Chef Martin Blessing seinen Abschied angekündigt. Blessing werde seinen bis Ende Oktober 2016 laufenden Vertrag nicht verlängern, teilte die Bank am Sonntag in Frankfurt mit. Blessing habe Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller am Sonntag darüber informiert, dass er das Angebot einer Vertragsverlängerung nicht annehmen möchte.

Weil die Bank ihre Anteilseigner in der Vergangenheit häufig enttäuscht hatte, hatte Blessing Ende 2012 für das kommende Jahr in der "Agenda 2016" ehrgeizige Ziele ausgegeben: Eine Rendite von mehr als zehn Prozent und eine Aufwand-Ertrag-Quote von 60 Prozent. 2014 gab die Commerzbank Börsen-Chart zeigen für jeden Umsatz-Euro noch 77 Euro-Cents aus.

Nach Informationen des manager magazins lotet Blessing bereits seit Monaten immer mal wieder berufliche Alternativen aus. So hatte der 52-Jährige etwa vor knapp zwei Jahren mit der UBS über den Posten des Europachefs mit Sitz in Frankfurt diskutiert. Im großen Interview mit dem manager magazin in der Mai-Ausgabe hatte er auf mehrere Fragen, ob er denn überhaupt eine Vertragsverlängerung anstrebe, ausweichend reagiert.

Am Sonntagabend nun teilte er mit: "Ich habe mich über das Angebot einer Vertragsverlängerung und das mir dadurch entgegengebrachte Vertrauen sehr gefreut", erklärte Blessing. "Trotzdem habe ich mich nach langem und intensivem Nachdenken entschieden, das Angebot nicht anzunehmen." Die Entscheidung sei ihm schwergefallen. Er wolle nach 15 Jahren im Vorstand der Commerzbank, davon die Hälfte als Vorstandschef, "ein neues Kapitel in meinem beruflichen Leben aufschlagen", erklärte Blessing.

Martin Blessing mit seiner Frau Dorothee, die für die US-Bank JP Morgan arbeitet, und Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen 2015 in Davos.
Hubert Burda Media / Brauer Photos
Martin Blessing mit seiner Frau Dorothee, die für die US-Bank JP Morgan arbeitet, und Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen 2015 in Davos.
Blessing steht seit Mai 2008 an der Spitze der zweitgrößten Privatbank Deutschlands. Kurz nach seinem Amtsantritt übernahm das Institut die Dresdner Bank und geriet dadurch in der Finanzkrise in eine bedrohliche Schieflage. In zwei Schritten musste die Commerzbank schließlich mit insgesamt 18,2 Milliarden Euro vom Steuerzahler vor dem Aus gerettet werden.

Gut 13 Milliarden Euro sind davon inzwischen zurückgezahlt. Der Bund ist derzeit noch mit rund 15 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Das Aktienpaket ist an der Börse derzeit etwa 1,8 Milliarden Euro wert. Das bedeutet, dass der Bund noch weit davon entfernt ist, ohne Verlust aus der Commerzbank-Rettung zu kommen.

Zuletzt ging es bei der Commerzbank nach vielen Rückschlägen aber wieder aufwärts. Im ersten Halbjahr konnte das Institut seinen Gewinn auf 646 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Insbesondere die massiven Investitionen ins Privatkundengeschäft zahlen sich aus. Dagegen hat sich die Bank bereits von zahlreichen Anlagen wie Gewerbeimmobilienkrediten, Staatsanleihen und Schiffsfinanzierungen getrennt, die sich in den vergangenen Jahren als besonders problematisch darstellten. Das Investmentbanking und das Auslandsgeschäft sind deutlich geschrumpft. Für dieses Jahr will die Commerzbank erstmals in Blessings Amtszeit wieder eine Dividende zahlen.

"Die Commerzbank verfügt heute über ein robustes Geschäftsmodell, sehr gute Mitarbeiter und Führungskräfte", sagte Blessing. Zudem gebe es eine Kultur, um die viele das Institut beneideten. "Die größten Herausforderungen der Finanzkrise haben wir bewältigt oder werden in den nächsten Monaten abgearbeitet. Der Weg zurück zu einer nachhaltig erfolgreichen Bank ist klar erkennbar."

"Ich bedauere diese Entscheidung sehr und hätte mir eine Vertragsverlängerung gewünscht", sagte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller. "Ich respektiere aber die Entscheidung von Martin Blessing." Dass der Manager seinen Vertrag vollständig erfüllen wolle, gebe der Bank die Möglichkeit, einen geordneten Prozess für die Suche nach einem Nachfolger zu gestalten. Am Montag präsentiert die Bank die Zahlen für das dritte Quartal.

dpa-afx; soc

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