Trotz Jahresgewinn Warum die Commerzbank noch keine Dividende zahlt

Die Kosten für den Umbau sind fast verdaut, das Tagesgeschäft läuft besser. Das stärkt die Zuversicht von Commerzbank-Chef Manfred Knof für das Gesamtjahr. Die Aktie zieht an - obwohl die Dividende erneut ausfällt.
Commerzbank-Chef Manfred Knof: "Wir sind zuversichtlich, unsere Ziele für 2021 zu erreichen oder zu übertreffen"

Commerzbank-Chef Manfred Knof: "Wir sind zuversichtlich, unsere Ziele für 2021 zu erreichen oder zu übertreffen"

Foto: Arne Dedert / dpa

Commerzbank-Chef Manfred Knof (56) sieht das Frankfurter Geldhaus bei den Konzernzielen für das laufende Jahr voll auf Kurs. "Wir sind zuversichtlich, unsere Ziele für 2021 zu erreichen oder zu übertreffen", sagte er am Donnerstag auf einer Analystenkonferenz zum Zwischenbericht für die Monate Juli bis September. Die Bank war im dritten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt und stellt nun für das Gesamtjahr einen Nettogewinn in Aussicht. Die Aktie der Commerzbank gewann am Donnerstagvormittag mehr als 5 Prozent und zählte damit zu den größten Gewinnern im MDax. Zur Frage einer Dividende sagte Finanzchefin Bettina Orlopp (51), eine Dividende zu zahlen gehöre zu einer normalen Bank. "Aber gegenwärtig sind wir noch in einer Transformationsphase."

Der Finanzkonzern steckt mitten in einem großen Umbau. Dabei werden hunderte Filialen geschlossen. Rund 10.000 Stellen - jede dritte in Deutschland - fallen weg. Ganze Abteilungen werden geschlossen oder ausgelagert. Bereits mehr als die Hälfte des Stellenabbaus sei laut Commerzbank sozialverträglich geregelt worden. Zum Verlauf des Konzernumbaus im kommenden Jahr, sagte Knof: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir einen weiteren erheblichen Fortschritt in der Restrukturierung machen werden."

"Wir haben solide Erträge bei weiterhin niedriger Risikovorsorge erzielt und unsere Kosten im Griff"

Finanzchefin Bettina Orlopp

Die Commerzbank erwirtschaftete von Juli bis September einen Nettogewinn von 403 Millionen Euro nach einem Verlust von 60 Millionen Euro vor Jahresfrist. Damit übertraf die Bank den Schätzungen von Analysten deutlich, diese hatten nur 253 Millionen Euro erwartet. Für das Gesamtjahr rechnet die Bank jetzt trotz Umbaukosten mit einem Gewinn. Noch im zweiten Quartal hatte das Institut aufgrund von Aufwendungen für den Konzernumbau und Abschreibungen für ein gestopptes Outsourcing-Großprojekt rote Zahlen geschrieben.

Im dritten Quartal profitierte die Bank auch von einem deutlich verbesserten Risikoergebnis. Zudem gingen die Gesamtkosten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund fünf Prozent zurück. "Wir haben solide Erträge bei weiterhin niedriger Risikovorsorge erzielt und unsere Kosten im Griff", erklärte Finanzchefin Orlopp. Die Commerzbank erwirtschaftete ein operatives Ergebnis von 472 Millionen Euro nach 168 Millionen Euro vor Jahresfrist. Auch damit übertraf sie die Schätzungen der Analysten, die im Schnitt nur 364 Millionen Euro erwartet hatten.

Vor kurzem hatte bereits der Rivale Deutsche Bank seinen Zwischenbericht für das Sommerquartal vorgelegt. Deutschlands größtes Geldhaus verdiente trotz zusätzlicher Kosten für die Neuaufstellung und Einbußen im wichtigen Investmentbanking mehr als Analysten ihm zugetraut hatten. Im Zeitraum Juli bis September erzielte die Deutsche Bank unter dem Strich einen Gewinn von 194 Millionen Euro - ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wie die Commerzbank steckt auch die Deutsche Bank in einem umfassenden Umbau.

Verdi kündigt Warnstreik im Tarifstreit an

Von Arbeitnehmerseite droht der Commerzbank Ungemach: In der ins Stocken geratenen Tarifrunde für die privaten Banken hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten des Instituts für nächste Woche Mittwoch (10.11.) zu einem bundesweiten Warnstreik aufgerufen. "Wir wollen die Commerzbank von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen lahmlegen", sagte Verdi-Vertreter Stefan Wittmann, der auch Mitglied des Commerzbank-Aufsichtsrates ist, der "Wirtschaftswoche". Verhandlungsführerin für den Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken) ist Commerzbank-Personalchefin Sabine Schmittroth.

rei/Reuters/DPA
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