Montag, 24. Februar 2020

Konzernumbau drückt Gewinn Commerzbank schickt rund 1000 Banker in Frührente

Commerzbank: Gewinn 2019 bei 644 Millionen Euro
Kai Pfaffenbach/Reuters
Commerzbank: Gewinn 2019 bei 644 Millionen Euro

Die Commerzbank setzt bei ihrem Stellenabbau auf Frühverrentung. Das Programm gelte für Beschäftigte ab einem Alter von 56 Jahren, die die Bank nach zwei bis drei Jahren verlassen würden, sagte die neue Finanzchefin Bettina Orlopp am Donnerstag. Die Bank gehe davon aus, dass mehr als 1000 Mitarbeiter daran teilnehmen würden. Die Kosten für die deshalb fälligen Abfindungen habe das Geldhaus 2019 bereits verbucht.

Das Institut baut seit Jahren Stellen ab und will im Zuge ihres erneuten Konzernumbaus weitere 4300 Jobs streichen. 2019 sei die Zahl der Vollzeitkräfte auf unter 40.400 gesunken, sagte Orlopp.

Die Commerzbank Börsen-Chart zeigen geht trotz eines Gewinneinbruchs mit Zuversicht in ihr Jubiläumsjahr. Denn im Tagesgeschäft schnitt das Institut 2019 besser ab als erwartet. Konzernchef Martin Zielke zeigte sich bei der Bilanzvorlage am Donnerstag in Frankfurt mit dem Ergebnis insgesamt zufrieden: "Bei der Strategie haben wir bereits greifbare Fortschritte erzielt. Das stimmt mich mit Blick auf unsere Renditeerwartung optimistischer."

Gewinn sinkt um ein Viertel, doch operatives Ergebnis steigt leicht

Das operative Ergebnis des Instituts, das sich auf Privat- und Firmenkunden konzentriert, stieg im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Prozent auf knapp 1,26 Milliarden Euro. Das Ziel, die - nach neuer Berechnung - 862 Millionen Euro Überschuss aus dem Vorjahr zu übertreffen, hatte das Management bereits im Herbst kassiert. Unter dem Strich sank der Gewinn 2019 wegen höherer Steuern und Kosten für den laufenden Stellenabbau um ein Viertel auf 644 Millionen Euro. Die Aktie notierte am Donnerstag im Plus.

Übernahme der Comdirect

Mit der Komplettübernahme der Online-Tochter Comdirect und dem Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der polnischen mBank will die Commerzbank , die am Aschermittwoch ihr 150. Jubiläum feiert, ihr Profil schärfen. Den erwarteten Erlös aus der Trennung von der polnischen Tochter will das Management nutzen, um Kosten für Stellenabbau und Filialschließungen zu stemmen. Jüngsten Medienberichten zufolge läuft der Verkauf der mBank jedoch bisher schleppend. Zielke hatte das Ziel ausgegeben, den Prozess bis Ende 2020 abzuschließen.

2300 Stellen sollen bis 2023 wegfallen

Unter dem Strich will die Commerzbank bis 2023 weitere 2300 Stellen abbauen. Ende vergangenen Jahres hatte die Bank nach Angaben eines Sprechers auf Vollzeitbasis knapp 40 400 Mitarbeiter. Zudem wird jede fünfte der etwa 1000 Filialen geschlossen. In Sachen Rendite hatte der Vorstand im September ein Ziel von vier Prozent auf das eingesetzte Kapital im Jahr 2023 als realistisch bezeichnet.

Zinstief, Konjunkturflaute und Regulierungskosten setzen der Branche zu. Der Commerzbank gelang es wider Erwarten dennoch, die Erträge - also die gesamten Einnahmen - etwas zu steigern: von 8,57 Milliarden Euro auf gut 8,64 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr peilt der Vorstand mindestens ein ähnliches Niveau an. Allerdings rechnet das Institut auch damit, dass es mehr Geld für mögliche Kreditausfälle zur Seite legen muss.

Mini-Ausschüttung für den Staat: 15 Cent Dividende pro Aktie

Die schwer gebeutelten Aktionäre sollen für 2019 zumindest wieder eine Mini-Dividende erhalten - allerdings werden es nun nur 15 Cent je Anteilsschein. Für 2018 gab es eine Gewinnausschüttung von 20 Cent je Aktie, angepeilt war für 2019 eine Ausschüttung in vergleichbarer Höhe. Größter Anteilseigner der Commerzbank ist seit der Rettung mit Steuermilliarden in der Finanzkrise 2008/2009 der deutsche Staat.

la/reuters

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung