Steuerberater Skandalfirma Arthur Andersen kehrt zurück

Eine Steuerberatungsfirma will die Dominanz der "Big Four" angreifen. Ihr Name sichert ihr Aufmerksamkeit. Ehemalige Partner der im Enron-Bilanzskandal untergegangenen Beratung Arthur Andersen wollen wieder unter der alten Marke auftreten - aus den "Big Four" sollen wieder die "Big Five" werden.
Bild aus besseren Tagen: Andersen ging 2002 im Skandal um gefälschte Bilanzen des Energiekonzerns Enron unter

Bild aus besseren Tagen: Andersen ging 2002 im Skandal um gefälschte Bilanzen des Energiekonzerns Enron unter

Foto: Getty Images

Hamburg - Der Name WTAS mag etwas sperrig erscheinen. Das Kürzel steht für Wealth & Tax Advisory Services und bezeichnet eine Steuerberatungsfirma mit Sitz in San Francisco, nach Angaben des "Wall Street Journals" die aktuelle Nummer 16 auf dem US-Markt. Wie die Zeitung berichtet , will die Firma sich nun umbenennen - ausgerechnet in Andersen Tax.

WTAS, gegründet von ehemaligen Partnern der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen, habe deren Namensrechte erworben. WTAS-Partner Mark Vorsatz verspreche sich davon, den "Big Four" der Branche - PricewaterhouseCoopers, Ernst & Young, Deloitte und KPMG - ernsthafte Konkurrenz zu machen. "Die Partner haben das Konzept begeistert angenommen", sagte Vorsatz dem "Journal".

Früher waren die großen Wirtschaftsprüfer einmal als "Big Five" bekannt, weil Arthur Andersen noch dazugehörte. Doch seit 2002 ist die Firma von der Bildfläche verschwunden. Andersen hatte die jahrelang gefälschten Bilanzen des pleite gegangenen Energiekonzerns Enron testiert und im Zug des Skandals mehrere Lizenzen verloren.

Andreessen will ein T-Shirt von Andersen

Ein Urteil wegen Behinderung der Justiz - Andersen-Mitarbeiter sollen Akten zu Enron vernichtet haben - wurde zwar später aufgehoben, rechtlich gibt es also kein Hindernis mehr für eine Beratung durch die immer noch existierende Firma. Doch der Ruf ist dauerhaft beschädigt.

Die neue Andersen setzt nun darauf, dass potenzielle Kunden unterscheiden zwischen den Wirtschaftsprüfern und der Steuerberatung. Andersen will sich weiterhin ausschließlich um Steuern kümmern - die Nachfrage boomt, weil Konzerne ihre weltweit erzielten Rekordgewinne möglichst legal am Fiskus vorbeischleusen wollen und dieser mit neuen Gesetzen reagiert.

Doch nicht jeder hat die Verbindung mit Enron vergessen. Starinvestor Marc Andreessen, dessen Ruhm als Gründer des ersten Webbrowsers Netscape auf dieselbe Zeit zurückgeht wie der Aufstieg von Enron, erinnert immer wieder an den Skandal. Zur Rückkehr von Andersen schrieb er auf Twitter : "Reserviert mir ein T-Shirt!"

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