Coba-Chef Blessing fordert strengere Regeln für Staatsbonds

Commerzbank-Chef Blessing greift das System der Staatsfinanzierung an. Er will Banken und Regierungen stärker entflechten und fordert eine Eigenkapitalpflicht für Staatsbonds. Eine Forderung, die auch für Versicherer gelten müsste.
Commerzbank-Chef Martin Blessing: Auch seine Bank ist stark in Staatsanleihen investiert

Commerzbank-Chef Martin Blessing: Auch seine Bank ist stark in Staatsanleihen investiert

Foto: LISI NIESNER/ REUTERS

Hamburg - Commerzbank-Chef Martin Blessing hat für Banken strengere Kapitalregeln beim Engagement in Staatsanleihen gefordert. "Ich plädiere dafür, dass Banken Staatsanleihen ab 2019 schrittweise mit Eigenkapital unterlegen sollten", schreibt er in einem Beitrag für das "Handelsblatt". Damit Banken nicht zu einseitig in Staatsanleihen ihres Heimatlandes investieren, schlägt Blessing Großkreditgrenzen vor.

Bislang müssen Banken Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital absichern, weil diese Bonds als risikofreie Anlage gelten. EZB-Chef Mario Draghi macht auch wenig Anstalten, diese Regeln ändern zu wollen. Doch spätestens die zwei Schuldenschnitte Griechenlands haben gezeigt, welche Illusion sich hinter diesem Privileg verbirgt.

Eben seit dem Schuldenschnitt Griechenlands steht das Staatsanleihe-Privileg in der Kritik. Vor allem Bankaufseher und Regulierer wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann oder die deutsche Bafin-Chefin Elke König haben sich für einen Kurswechsel ausgesprochen. Doch geändert hat sich an den Regeln auch mit der Einführung der strengeren Kapitalregeln von Basel III nichts.

Freigrenzen von 25 Prozent für europäische Staatsanleihen angedacht

Blessing schlägt jetzt vor, Staatsanleihen in fremden Währungen grundsätzlich mit Eigenkapital zu unterlegen. Für europäische Staatsanleihen denkt er an Freigrenzen von 25 Prozent des haftenden Eigenkapitals einer Bank. Erst wenn die Bank noch stärker in Anleihen eines einzelnen Landes investiert, solle sie dafür Kapital reservieren müssen.

"Auch in der eigenen Währung sollten Banken bei Staatsanleihen keine zu großen Klumpenrisiken eingehen", argumentiert Blessing. Wie viel Eigenkapital die Banken in dem Fall aufbringen müssen, solle von deren Kreditwürdigkeit abhängen.

EZB-Statistiken zufolge stehen in den Büchern europäischer Banken europäische Staatsanleihen mit einem Volumen von 1761 Milliarden Euro. Dabei sind viele Institute stark auf die Anleihen des eigenen Landes fokussiert.

Hohe Klumpenrisken bei spanischen und italienischen Banken

Bei der Commerzbank  machen deutsche Anleihen rund 67 Prozent des haftenden Eigenkapitals (Tier 1 und Tier 2) aus. Bei der Unicredit  liegt die Quote italienischer Staatsanleihen analog bei 91,4 Prozent, bei der spanischen Santander  sind es 87,5 Prozent. Blessings Vorstoß, die starke gegenseitige Abhängigkeit zwischen einzelnen Staaten und ihren Heimatbanken aufzulösen, würde damit insbesondere die Banken in Italien und Spanien treffen.

Auch institutionelle Anleger wie Versicherer müssen Staatsanleihen nicht mit Eigenmitteln unterlegen. Nach jüngster Bafin-Statistik haben die deutschen Erstversicherer 9,4 Prozent ihrer Kapitalanlagen oder rund 121 Milliarden Euro in Bonds europäischer Staaten investiert. Weitere 5 Prozent oder 64,5 Milliarden Euro stecken in öffentliche Anleihen in Form börsennotierter Schuldverschreibungen.

Zudem sind Versicherer durch ihre Kapitalanlage direkt oder indirekt erheblich mit den Risiken von Banken verbunden, wie Analysten in der Vergangenheit immer wieder betonten. Der Gesamtbestand des Bankenexposures der deutschen Versicherer belief sich nach Berechnungen der Finanzaufsicht Bafin im dritten Quartal 2013 auf rund 49,3 Prozent oder 679 Milliarden Euro, teilte einer Bafin-Sprecherin auf Anfrage von manager magazin online am Montag mit.

Insgesamt aber ließe sich in den vergangenen Jahren der Trend eines rückläufigen Anteils des Bankenexposures erkennen. So betrug der vergleichbare Anteil etwa im zweiten Quartal 2009 noch rund 56 Prozent.

rei mit Material von dpa

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