Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup, Wells Fargo US-Großbanken verzeichnen deutlichen Gewinnrückgang

Nachdem JPMorgan bereits am Mittwoch enttäuschende Quartalszahlen vorgelegt hat, folgen nun die Wettbewerber. Alle sind mit Gewinneinbrüchen in das neue Geschäftsjahr gestartet.
Morgan Stanley: Wie auch andere Großbanken erleidet die Bank im ersten Quartal einen Gewinneinbruch

Morgan Stanley: Wie auch andere Großbanken erleidet die Bank im ersten Quartal einen Gewinneinbruch

Foto: Lucas Jackson / REUTERS

Am Mittwoch war JPMorgan die erste US-Großbank, die ihre Zahlen für das Auftaktquartal vorgelegt hat. Am Donnerstag folgen die Wettbewerber Morgan Stanley, Goldman Sachs, Citigroup und Wells Fargo. Vor einem Jahr hatten die US-Finanzhäuser noch von einem Boom bei Übernahmen und Fusionen sowie von der Auflösung von Rückstellungen für drohende Kreditverluste profitiert.

Goldman Sachs: Gewinn um 43 Prozent eingebrochen

Der Gewinn der US-Investmentbank Goldman Sachs ist im Auftaktquartal deutlich gesunken. Nachlassende Kapitalmarktaktivitäten nach den Rekordniveaus des vorigen Jahres lasteten auf den Geschäften. "Es war ein turbulentes Quartal, das von der verheerenden Invasion der Ukraine dominiert wurde", erklärte der Chef von Amerikas führender Investmentbank, David Solomon (60), in dem am Donnerstag veröffentlichten Quartalsbericht. Der Gewinn ging im Zeitraum Januar bis März um 43 Prozent auf 3,83 Milliarden Dollar zurück. Pro Aktie wurden 10,76 Dollar verdient nach 18,60 Dollar ein Jahr zuvor. Allerdings schnitt das Finanzinstitut damit immer noch besser ab, als Analysten im Schnitt erwartet hatten.

Die Nettoerträge des Geldhauses verringerten sich im Auftaktquartal binnen Jahresfrist um fast 27 Prozent auf 12,93 Milliarden Dollar. Die Einnahmen aus dem Investmentbanking schrumpften sogar um 36 Prozent auf 2,41 Milliarden Dollar. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts schwächte sich unter anderem das Geschäft mit der Beratung bei Börsengängen ab. Deutlich besser lief es im Verbrauchergeschäft und in der Vermögensverwaltung. Dort nahmen die Erträge um 21 Prozent auf 2,10 Milliarden Dollar zu.

Morgan Stanley: Handelsgeschäft entwickelt sich besser als angenommen

Auch die US-Bank Morgan Stanley hat zu Jahresbeginn deutlich weniger verdient. Im ersten Quartal 2022 sank der Gewinn gegenüber dem Vorjahreswert um rund 11 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro), wie das Geldhaus am Donnerstag in New York mitteilte. Die gesamten Erträge fielen um 6 Prozent auf 14,8 Milliarden Dollar. Trotz der starken Rückgänge übertrafen die Ergebnisse die Prognosen der Analysten.

Vor allem das Handelsgeschäft mit Wertpapieren entwickelte sich besser als an der Wall Street angenommen. So konnte Morgan Stanley die Erlöse bei Aktien-Transaktionen sogar deutlich steigern. Dafür schwächelte das klassische Investmentbanking, zu dem Börsengänge, Fusionen und Übernahmen zählen, an denen Banken als Berater durch Gebühren verdienen. Nach dem Boom zum Jahresende herrschte hier angesichts der Marktturbulenzen wegen Russlands Kriegs gegen die Ukraine und hoher Inflationsrisiken zuletzt große Zurückhaltung.

Wells Fargo: Bankchef rechnet mit mehr faulen Krediten

Die US-Bank Wells Fargo wiederum ist wegen rückläufiger Einnahmen etwa im Anleihehandel mit einem deutlichen Gewinnrückgang ins Jahr gestartet. Im ersten Quartal verdiente das Geldhaus knapp 3,7 Milliarden US-Dollar (3,4 Milliarden Euro) und damit fast eine Milliarde weniger als ein Jahr zuvor, wie es am Donnerstag in San Francisco mitteilte.

Zwar löste die Bank weitere Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle auf, die sie wegen der Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie gebildet hatte. Doch Wells-Fargo-Chef Charlie Scharf (56) rechnet absehbar wieder mit mehr faulen Krediten. Dabei verwies der Manager auf die Ankündigungen der US-Notenbank, mehr gegen die hohen Inflationsraten zu unternehmen. Dies werde das Wachstum der Wirtschaft bremsen, sagte Scharf laut Mitteilung. Der Krieg in der Ukraine gefährde die Wirtschaftsentwicklung zusätzlich.

Im ersten Quartal gingen die Erträge der Bank um 5 Prozent auf 17,6 Milliarden Dollar zurück. Während der Zinsüberschuss um 5 Prozent stieg, sanken übrigen Erträge um 14 Prozent. So verzeichnete das Institut einen Rückgang bei neuen Hypothekenkrediten. Außerdem brummte der Handel mit Anleihen weniger stark, im Investmentbanking sanken die Gebühreneinnahmen.

Citigroup: Ukraine-Krieg belastet Bilanz

Der US-Finanzkonzern Citigroup ist mit deutlich weniger Gewinn ins Geschäftsjahr gestartet. Im ersten Quartal fiel der Überschuss im Jahresvergleich um rund 46 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar (vier Milliarden Euro), wie das Geldhaus am Donnerstag in New York mitteilte. Dabei gingen die gesamten Erlöse lediglich um 2 Prozent auf 19,2 Milliarden Dollar zurück. Insgesamt übertrafen die Quartalszahlen die Erwartungen. Besonders das Handelsgeschäft mit Wertpapieren zeigte sich während des Börsenabschwungs relativ stabil.

Die Citigroup musste jedoch bilanzielle Belastungen in Höhe von fast zwei Milliarden Dollar wegen Russlands Angriffskriegs gegen die Ukraine verkraften. Im Gegensatz zu den meisten anderen großen US-Banken hat das Geldhaus noch immer eine starke Geschäftspräsenz in Russland, was sich durch den Krieg und Sanktionen zum Problem entwickelt hat. Die Bank bemüht sich, das Engagement zu reduzieren, stellt sich jedoch mit hohen Rückstellungen auf Kreditausfälle ein. Bankchefin Jane Frazer (54) warnte vor zunehmenden geopolitischen und wirtschaftlichen Risiken.

sio/dpa, Reuters