Kein Shot, kein Job Citigroup feuert Impfgegner in den USA

Als erste Bank an der Wall Street kündigt die Großbank Citigroup bis zum Ende des Monats Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen wollen. Die wehren sich vor dem obersten Gerichtshof.
Drastische Maßnahmen: Citigroup feuert bis Ende Januar jene Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen wollen

Drastische Maßnahmen: Citigroup feuert bis Ende Januar jene Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen wollen

Foto: MIKE SEGAR/ REUTERS

Die Citigroup baut im Zuge der Coronapandemie Druck auf ungeimpfte Mitarbeiter auf. Nach Informationen des US-Nachrichtendienstes Bloomberg hat die amerikanische Großbank ihren Mitarbeitern in den Vereinigten Staaten eine Frist bis zum 14. Januar gesetzt, um eine Impfung gegen das Coronavirus nachzuweisen. Wer sich aus religiösen, medizinischen oder gesetzlichen Gründen nicht impfen lassen kann, muss bis zu dem Stichtag einen Antrag für eine Ausnahme einreichen.

Arbeitnehmer, die sich nicht an die Frist halten, werden am 15. Januar in unbezahlten Urlaub versetzt und am 31. Januar entlassen.

Die Citigroup ist die erste Bank an der Wall Street, die den Schritt einer Impfpflicht wagt. JP Morgan Chase, die größte Bank der USA, hat bisher keine Vorschriften erlassen. Die Bank erklärte jedoch Ende 2021, dass es aufgrund staatlicher Auflagen schwierig oder unmöglich werden könnte, ungeimpfte Mitarbeiter weiterzubeschäftigen. Nach den bisherigen Richtlinien der Bank können Mitarbeiter der Impfung noch ausweichen, wenn sie im Homeoffice arbeiten. Nur wer zurück ins Büro kommt, muss geimpft sein.

BoA und JPMorgan setzen auf Freiwilligkeit

Auch die zweitgrößte Großbank der Staaten, die Bank of America, verlangt bisher keine Impfung als Bedingung für eine Anstellung. Bisher ermutigte sie ihre Mitarbeiter lediglich nachdrücklich zu einer Impfung. Zusätzlich sollten Angestellte ihren Impfstatus preisgeben.

In Deutschland wäre das nicht möglich. Bisher darf der Arbeitgeber den Impfstatus weder abfragen noch verlangen. Im Zuge der Bundestagsdebatte über eine Impfpflicht könnte sich das jedoch bald ändern. Bundeskanzler Olaf Scholz plant über die Fraktionsgrenzen hinweg über eine Corona-Impfpflicht entscheiden zu lassen.

Die USA wollten unter Präsident Joe Biden eigentlich bereits am 4. Januar eine landesweite Impfpflicht für alle Unternehmen in den USA mit mindestens 100 Mitarbeitern durchsetzen. Nach der geplanten Regelung sollten sich alle Angestellten entweder impfen oder regelmäßig testen lassen müssen, um ihren Job behalten zu dürfen. Religiöse und gesundheitliche Ausnahmen waren vorgesehen. Doch mehrere republikanisch regierte Bundesstaaten hatten die Pläne angefochten.

Debatte über Impfpflicht erreicht Supreme Court

Mittlerweile ist die Debatte über die Impfpflicht bereits vor dem Supreme Court angekommen. Der oberste Gerichtshof der USA hörte am vergangenen Freitag erste Argumente für und gegen die Vorschriften an, mehrere konservative Richter des Gerichts äußerten sich bereit skeptisch zu den Vorschlägen Bidens.

Google, United Airlines und Tyson Foods preschen vor

Bis es zu einer finalen Entscheidung kommt, haben sich große US-Unternehmen, wie Google, Facebook, die Lufthansa-Schwester United Airlines und der Fleisch-Gigant Tyson Foods bereits eigenständig für eine Impfpflicht entschieden. Sie führten bereits im Sommer 2021 eine Regelung für ihre Mitarbeiter ein und zeigten, dass sich die meisten Mitarbeiter im Zweifel doch für den Job entscheiden würden. So erfüllten mehr als 96 Prozent der Mitarbeiter von United Airlines fristgerecht die Vorgabe, sich impfen zu lassen. Knapp 600 Beschäftige weigerten sich und sollten entlassen werden. Rund die Hälfte von ihnen lenkte jedoch doch noch ein, wie das Wall Street Journal berichtete.

Ähnliche Ergebnisse zeigt eine Umfrage des irischen Risikomanagementunternehmens Willis Towers Watson, an der Unternehmen mit eingeführter Impfpflicht teilnahmen. Unter den Befragten gaben nur drei Prozent der Arbeitgeber an, einen Anstieg der Kündigungen zu erleben, nachdem die Impfpflicht bekannt gegeben wurde.

Nicht nur Unternehmen, auch Städte sind dem Weißen Haus bereits zuvorgekommen. In New York City führte Bürgermeister Bill De Blasio die Impfpflicht für sämtliche private Unternehmen ein, nachdem diese bereits zuvor für städtische Angestellte wie Lehrer, Straßenreiniger oder Polizisten galt.

Citigroup arbeitet auch mit Prämien für geimpfte Mitarbeiter

Um die Akzeptanz der Impfung zu erhöhen, droht die Citigroup nicht nur mit Entlassung, sondern arbeitet flankierend auch mit einem Belohnungssystem. So zog das Unternehmen medizinische Experten zur Schulung der Mitarbeiter heran und verlieh Preise für geimpfte Mitarbeiter. Außerdem bot die Bank ihren Mitarbeitern, die sich impfen ließen, bezahlten Urlaub an.

Mehr als 90 Prozent der Mitarbeiter seien bereits bei der Citigroup geimpft. Wer nicht dazu gehört, ist ein Mitarbeiter der Personalabteilung, Ben Shittu. Er äußerte sich auf der Videoplattform YouTube kritisch über die neue Regelung. »Ich sah mich gezwungen, dieses Video als direkte Reaktion auf die Durchsetzung eines Impfstoffmandats und mögliche Entlassungen von Mitgliedern des Kernteams und von in den USA ansässigen Mitarbeitern der Citigroup zu drehen«, spricht Shittu in die Kamera. Der Angestellte will sich der Impfpflicht seines Arbeitgebers nicht beugen. »Diejenigen unter Ihnen, die sich große Sorgen machen oder das Gefühl haben, von ihren Vorgesetzten im Stich gelassen worden zu sein, sollen wissen, dass sie nicht allein sind.« Das Video hat bereits mehr als 11.000 Aufrufe.

mje/dpa
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