Citigroup, JP Morgan und Co Wirtschaftsaufschwung beschert US-Banken Gewinn-Rallye

Die Konjunkturerholung nach der Corona-Krise sowie ein florierendes Geschäft mit Börsengängen lassen bei den großen US-Banken die Kassen klingeln: JP Morgan, Citigroup und andere Institute vermelden für das abgelaufene Quartal durchweg kräftige Gewinnsprünge.
Passanten an einer Filiale der Bank of America: Die US-Institute machen wieder gute Geschäfte

Passanten an einer Filiale der Bank of America: Die US-Institute machen wieder gute Geschäfte

Foto: CARLO ALLEGRI / REUTERS

Binnen 24 Stunden haben nahezu alle großen US-Banken ihre Ergebnisse für das dritte Quartal 2021 vorgelegt - es ergibt sich das Bild einer Branche, die die Corona-Krise längst abgehakt hat und am Comeback der Wirtschaft kräftig mitverdient.

Der US-Finanzriese Citigroup etwa hat im vergangenen Quartal seinen Gewinn um fast die Hälfte gesteigert. Der Konzern verdiente unter dem Strich 4,6 Milliarden Dollar (knapp vier Milliarden Euro), das waren 48 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Einnahmen blieben unterdessen praktisch auf Vorjahresniveau mit 17,2 Milliarden Dollar, wie Citigroup am Donnerstag mitteilte.

Die Erwartungen der Analysten übertraf der Bankkonzern mit den Zahlen deutlich. Auslöser für den Schub waren unter anderem die gestiegenen Erlöse im Handelsgeschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Aktien. Die US-Banken profitieren auch davon, dass sie angesichts der wirtschaftlichen Erholung die Rückstellungen wegen einer befürchteten Welle an Kreditausfällen in der Corona-Krise auflösen können.

Bank of Amercia steigert Gewinn um 63 Prozent

So zum Beispiel auch die Bank of America: Das Institut hat für das dritte Quartal dank erneut gesunkener Risikovorsorge und Zuwächsen im Verbrauchergeschäft ebenfalls einen Gewinnsprung ausgewiesen. Der Nettogewinn kletterte auf 7,26 Milliarden Dollar. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte die Bank einen Gewinn von 4,44 Milliarden Dollar erzielt - der Wert wurde also um mehr als 63 Prozent gesteigert, wie das Geldhaus am Donnerstag mitteilte. Pro Aktie lag der Überschuss bei 85 Cent. Analysten hatten hingegen im Schnitt lediglich mit 71 Cent je Anteilsschein gerechnet. Die Erträge des Finanzkonzerns legten um 12 Prozent auf 22,8 Milliarden Dollar zu.

Die Bank profitierte wie schon im zweiten Quartal davon, dass sie angesichts der sich festigenden Konjunkturerholung eine Risikovorsorge für faule Kredite in Milliardenhöhe auflösen konnte. Diesmal waren es rund 1,1 Milliarden Dollar. Die Bank hatte 2020 auf dem Höhepunkt der Corona-Krise viele Milliarden zur Seite gelegt, um sich für eine Welle von Kreditausfällen zu wappnen.

Abklingende Sorgen wegen möglicher Kreditausfälle haben auch Wells Fargo im Sommer einen kräftigen Gewinnsprung beschert. Angesichts der Erholung der Wirtschaft von der Corona-Krise löste die Bank ebenfalls Rückstellungen für gefährdete Kredite im Umfang von 1,4 Milliarden US-Dollar auf, wie sie am Donnerstag in San Francisco mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte sie noch fast 770 Millionen Dollar für Kreditausfälle zurückgelegt. Vor allem deshalb sprang der Gewinn des Instituts im Jahresvergleich nun um 59 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar nach oben.

Morgan Stanley profitiert vom Boom bei Börsengängen

Allerdings musste Wells Fargo bei den Erträgen einen Rückgang um 2,5 Prozent auf 18,8 Milliarden Dollar hinnehmen. Zudem schlug der Skandal um fingierte Kontoeröffnungen mit 250 Millionen Dollar ein weiteres Mal negativ zu Buche. Wells Fargo hatte 2016 zugegeben, dass Mitarbeiter jahrelang in großem Stil Bank- und Kreditkartenkonten eröffneten, die nicht von Kunden autorisiert waren. Die Affäre hat die Bank bereits mehr als fünf Milliarden US-Dollar gekostet. Der 2019 angetretene Bankchef Charlie Scharf (56) hatte es zu seinem obersten Ziel erklärt, die US-Behörden zufriedenzustellen.

Auch die US-Bank Morgan Stanley verbuchte einen Gewinnsprung, wobei in diesem Fall vor allem die Stärke der Bank im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung ausschlaggebend waren. Der Gewinn stieg um gut 36 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar, wie das Geldhaus ebenfalls am Donnerstag mitteilte.

Die gesamten Einnahmen von Morgan Stanley stiegen um ein Viertel auf gut 14,7 Milliarden Dollar. Dem Finanzkonzern spielte zuletzt der Boom bei Börsengängen, Fusionen und Übernahmen in die Karten, an dem Banken durch Gebühren gut verdienen. Allein im Investmentbanking schossen die Einnahmen um gut zwei Drittel auf 2,85 Milliarden Dollar hoch. Morgan Stanley übertraf mit den Zahlen für das dritte Quartal die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Aktie legte im vorbörslichen Handel zeitweise um über zwei Prozent zu.

JP Morgan mit starkem Investmentbanking

Am Mittwoch hatte bereits JP Morgan Chase mit einem unerwartet hohen Gewinn überrascht. Der Grund dafür lag wiederum vor allem in der Erholung der Wirtschaft von der Corona-Krise. Das Institut löste im dritten Quartal milliardenschwere Rückstellungen für gefährdete Kredite auf. Dadurch sprang der Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast ein Viertel auf 11,7 Milliarden US-Dollar in die Höhe, wie JPMorgan in New York mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem leichten Gewinnanstieg gerechnet.

Bankchef Jamie Dimon (65) sprach von einem guten Wirtschaftswachstum - trotz der Delta-Variante des Coronavirus und der Probleme bei den weltweiten Lieferketten. Wegen der verbesserten Aussichten reduzierte die Bank ihre Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle unter dem Strich um rund 1,5 Milliarden Dollar. Außerdem trieb ein positiver Steuereffekt das Quartalsergebnis nach oben.

Unterdessen sprudelten die Erträge von JPMorgan - ähnlich wie bei Morgan Stanley - besonders stark in der hauseigenen Investmentbank. Deren Gebühreneinnahmen nahmen im Vergleich zu Sommer 2020 um mehr als die Hälfte zu - getrieben vom Beratungsgeschäft rund um Fusionen, Übernahmen und Börsengänge. Im Fondsgeschäft und der Vermögensverwaltung wuchsen die Einnahmen um gut ein Fünftel. Konzernweit steigerte JPMorgan die verwalteten Erträge um 2 Prozent auf 30,4 Milliarden Dollar und übertraf damit ebenfalls die Erwartungen von Branchenexperten.

Damit haben die meisten großen US-Banken ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2021 präsentiert. Es fehlt noch die Dreimonatsbilanz von Goldman Sachs, die die Bank am Freitag veröffentlichen will.

cr/dpa/Reuters
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