"Zweite Jahreshälfte wird beispiellos" Chinas Staatsbanken warnen vor massenhaften Kreditausfällen

Die Gewinne sind so stark eingebrochen wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Und die fünf größten Institute bereiten sich auf harte Monate vor. Die Rückstellungen für Kreditausfälle sind um bis zu 436 Prozent gestiegen.
Sorge vor den kommenden Monaten: Zentrale der größten Bank Chinas, der ICBC.

Sorge vor den kommenden Monaten: Zentrale der größten Bank Chinas, der ICBC.

Foto: ALEX PLAVEVSKI/EPA-EFE/Shutterstock

Die Corona-Pandemie reißt tiefe Löcher in die Bilanzen der chinesischen Banken. Wegen drohender Kreditausfälle in Folge der Wirtschaftskrise mussten sie ihre Risikovorsorge stark erhöhen. Bei den fünf größten Geldhäusern des Landes gingen die Gewinne daher so stark zurück wie seit mindestens einem Jahrzehnt nicht mehr. Und im zweiten Halbjahr drohen weitere Schwierigkeiten.

So sind Chinas größte staatseigene Banken in den kommenden Monaten auf steigende Forderungsausfälle und erhöhten Margendruck vorbereitet. "Die externen Herausforderungen in der zweiten Jahreshälfte sind beispiellos", sagte der Präsident der Bank of China (BoC), Wang Jiang, am Montag. Die düsteren Prognosen offenbaren, wie fragil der erhoffte Aufschwung in China ist – und welche Spuren die Pandemie im Bankensystem des Landes hinterlässt.

Nach Ausbruch der Krise hatte Chinas oberste Bankenaufsichtsbehörde die staatlichen Kreditgeber aufgefordert, notleidende Kredite in ihren Bilanzen vollständig anzuerkennen und die Risikovorsorge entsprechend zu erhöhen. Die staatlich kontrollierten Banken sollten ihre Gewinne opfern, um vor allem schwächelnde Sektoren zu stützen. Diese Stabilisierungsmaßnahmen laufen nun aus.

Anders als viele Großbanken in Europa, die zuletzt in die Verlustzone gerutscht waren, schreiben Chinas Geldhäuser noch immer hohe Gewinne. Insgesamt verzeichneten die Banken nach Angaben der Aufsichtsbehörde einen Rückgang des Nettogewinns im ersten Halbjahr um 9,4 Prozent auf umgerechnet 122 Milliarden Euro. "Der Druck auf die Gewinne der Banken wird in absehbarer Zukunft aber weiter hoch sein", sagte Analyst Wang Yifeng vom Brokerhaus Everbright Securities. Auch im dritten Quartal sei mit hohen Risikovorsorgen zu rechnen.

Das Ergebnis der größten chinesischen Bank Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) brach von Januar bis Juni um elf Prozent auf 148 Milliarden Yuan (18 Milliarden Euro) ein. Es war der stärkste Rückgang in einem Halbjahr seit dem Börsengang 2006. Die China Construction Bank (CCB), zweitgrößtes Geldhaus der Volksrepublik, verdiente mit 137 Milliarden Yuan (16 Milliarden Euro) gut zehn Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2019. Auch hier war es der stärkste Rückgang seit 15 Jahren.

Bis zu 436 Prozent mehr Kreditvorsorge

Insbesondere lag das an den Rückstellungen für Kreditverluste. Bei ICBC, CCB, der Agricultural Bank of China und der BoC stiegen sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 61 bis 436 Prozent, wie Daten der China International Capital Corp (CICC) zeigen.

Besonders schwer tun sich derzeit die kleineren Firmen in China. Von ihnen klagten mehr als die Hälfte über eine geringe Nachfrage, während gut 40 Prozent von finanziellen Belastungen sprachen, wie das Statistikamt am Montag unter Berufung auf seine monatliche Umfrage unter Unternehmen mitteilte. Ökonomen rechnen damit, dass die Nachfrage aus dem Ausland noch länger schwach bleiben wird. Doch trotz der Wirtschaftskrise in Folge der Pandemie hat die Volkswirtschaft in China keinen so starken Einbruch verzeichnet wie in Deutschland, den USA und anderen Ländern. 

lhy/Reuters
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