Bank of China, ICBC und Co. Chinas Staatsbanken stützen Immobiliensektor mit Milliardenhilfen

Die Regierung in Peking will die Immobilienkrise in China mit neuen Maßnahmen bekämpfen. Über die größten Banken im Land werden nun frische Kredite in Milliardenhöhe in die Branche gepumpt.
Auch die Industrial and Commercial Bank of China will frisches Geld in den Immobilienmarkt bringen

Auch die Industrial and Commercial Bank of China will frisches Geld in den Immobilienmarkt bringen

Foto: © Jason Lee / Reuters/ REUTERS

Chinas größte Staatsbanken wollen gemeinsam mindestens 162 Milliarden Dollar (156 Milliarden Euro) frische Kredite in den Immobiliensektor pumpen. Die Behörden der Volksrepublik haben in den letzten Wochen ihre Hilfen verstärkt, nachdem viele Firmen ihren Schuldenverpflichtungen nicht nachgekommen waren und gezwungen waren, Bauprojekte einzustellen.

Laut der Financial Times  (FT) war die Bank of Communication das erste Geldinstitut, das seine Unterstützung zusagte und neue Kreditlinien für das chinesische Immobilienunternehmen Vanke sowie für Midea Real Estate verkündete. Die Bank of China, die viertgrößte Bank Chinas, verkündete außerdem Kreditlinien in Höhe von insgesamt 600 Milliarden Yuan (umgerechnet 81 Milliarden Euro) für insgesamt zehn Immobilienunternehmen – unter diesen soll sich ebenfalls Vanke befinden. Die größte Bank, die Industrial and Commercial Bank of China, denkt laut FT ebenfalls darüber den Immobiliensektor mit neuen Kreditlinien zu unterstützen. Auch die Agricultural Bank of China will wohl den fünf Immobiliengesellschaften Vanke, China Overseas Land and Investment sowie China Resources Land, Longfor and Gemdale neue Kreditlinien gewähren.

Am Donnerstag erhielt die Immobilienentwicklungsgesellschaft Country Garden von der Postal Savings Bank of China eine neue Kreditlinie von bis zu sieben Milliarden Dollar, wie die chinesische Finanzzeitung Securities Times am Donnerstag berichtete.

Die massiven Geldspritzen zeigen an den Finanzmärkten positive Wirkung. Aktien des gemessen an den Umsätzen größten chinesischen Immobilienentwicklers Country Garden  legten am Freitag 9,5 Prozent zu nach einem Kurssprung von rund 20 Prozent am Donnerstag. Die ebenfalls in Hongkong notierten Firmen China Vanke, CIFI Holdings und Greentown China gewannen zwischen 4,2 und 6,7 Prozent. Der Branchenindex Hang Seng Mainland Property stieg um 4,5 Prozent.

Neue Maßnahmen im Kampf gegen die Immobilienkrise

Die finanzielle Unterstützung konzentriere sich auf die großen und besser dastehenden Entwickler, da diese nach wie vor Mühe hätten, durch Verkäufe, Anleihen und Eigenkapitalfinanzierungen genug Barmittel einzusammeln, sagte Gary Ng, Ökonom bei der Natixis Corporate Investment Bank. "Aber ich mache mir ein bisschen Sorgen um die Kleineren, sie könnten aufgrund der Herausforderungen beim Hausverkauf oder bei der Finanzierung noch immer nicht in der Lage sein, ihre Schulden zurückzuzahlen."

Der lange Zeit boomende Immobilienmarkt in China schlittert seit Mitte 2020 von einer Krise in die nächste. Mit ausgelöst hat das die Regierung: Sie hat ihre Kampagne gegen Spekulanten verschärft – auch aus Furcht vor einer Preisblase und einer Überschuldung der Baufirmen. Zudem hat die Krise um den angeschlagenen Immobilienriesen Evergrande viele potenzielle Hauskäufer verschreckt. Viele Chinesen, die sich für eine neue Wohnung hoch verschuldet haben, haben in diesem Jahr die Zahlung ihrer Kredite boykottiert – weil sich auf etlichen Baustellen nichts tut. Die Immobilienkrise wirkt sich auch auf andere Wirtschaftsbereiche aus, sinkt doch die Nachfrage etwa nach Stahl und Beton. Zudem verloren viele Menschen ihre Arbeit.

Um gegenzusteuern, wurden am Sonntag 16 neue Maßnahmen vorgestellt – darunter die Verlängerung von Kreditrückzahlungen. Mit einer raschen Wende zum Besseren rechnen Experten dennoch nicht. "Der Immobilienmarkt wird auch im vierten Quartal in der Flaute verharren", sagte der Chefanalyst der Immobilienagentur Centaline, Zhang Dawei. "Angesichts der langwierigen Störungen durch die Null-Covid-Politik, der sinkenden und unausgewogenen demografischen Nachfrage und der seit Langem vertretenen Haltung der politischen Entscheidungsträger, dass 'Wohnungen zum Leben da sind, nicht zur Spekulation', bleiben wir bei unserer Ansicht, dass die Erholung des Immobiliensektors holprig bleiben wird", schrieben die Analysten von Goldman Sachs.

frm/Reuters/dpa-afx
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