HSBC, UBS, Goldman Sachs ziehen tausende Jobs ab Bye bye London - der Exodus der Banker beginnt

Banken geben keinen Penny mehr auf Theresa May: Mit der Ankündigung eines "harten Brexit" plant nach HSBC und UBS nun auch Goldman Sachs den Abzug tausender Jobs aus London. Frankfurt darf wieder hoffen. Gut möglich, dass künftig nicht nur Banken die Stadt an der Themse verlassen.
Internationale Banken wollen nach der Ankündigung eines "harten Brexit" nun tausende Jobs aus London abziehen

Internationale Banken wollen nach der Ankündigung eines "harten Brexit" nun tausende Jobs aus London abziehen

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Profiteure des Brexit: Die Frankfurter Konkurrenten

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Ein "harter Brexit" soll es sein, ohne wenn und aber - das hatte die britische Premierministerin Theresa May am vergangenen Dienstag angekündigt. Doch dürfen die Briten dann bei den Austrittsverhandlungen auf ein Entgegenkommen der restlichen 27 EU-Staaten zählen? Banken am internationalen Finanzplatz London taxieren die Chance der "Rosinenpickerei" zumindest für ihre Branche ganz offensichtlich gegen Null.

Folgt man ihren Ankündigungen und Berichten über die geplante Verlagerung von Personal und Geschäft in andere europäische Metropolen, rechnen die Institute offenbar kaum noch damit, dass sie die "Passporting Rights" behalten werden. Diese erlauben ihnen, ihre Produkte auch in der Europäischen Union zu verkaufen.

Die Banken ziehen Konsequenzen: Gestern erst kündigte mit HSBC die größte europäische Bank an, einen Teil ihrer Aktivitäten und damit 1000 Jobs aus London abzuziehen. Vor allem Investmentbanker und damit rund 20 Prozent des Umsatzes dieser Sparte würden nach Paris verlagert, erklärte der Vorstand. Und zwar nicht nach Frankfurt, wo nicht nur Vermieter von Luxus-Appartements glauben, vom Exodus der Londoner Banker profitieren zu können.

Goldman Sachs und UBS könnten je 1000 Jobs nach Frankfurt verlagern

Doch HSBC wird kein Einzelfall bleiben, und so darf das Finanzzentrum am Main zum Beispiel auf tausende Mitarbeiter der Edelbanker von Goldman Sachs hoffen. Die US-Investmentbank erwägt laut "Handelsblatt" , das Personal in der britischen Hauptstadt auf 3000 Banker zu halbieren.

Bis zu 1000 Goldmänner könnten dann ihre Koffer packen und das nächste Flugticket nach Frankfurt buchen. Andere würden vermutlich nach Warschau oder New York umziehen, heißt es in dem Bericht. Die Bank selbst erklärte, noch sei keine Entscheidung gefallen.

Tatsächlich aber dürfte die US-Investmentbank dieses Szenario schon lange zuvor durchgespielt haben, wie das "Wall Street Journal" bereits im April vergangenen Jahres berichtete. 90 Prozent der gut 6000 Mitarbeiter in Europa sitzen an der Themse. Sie trugen laut "WSJ" rund 27 Prozent zum Gesamtumsatz der Bank von 33,8 Milliarden Dollar bei. Welcher Anteil von diesem Geschäft nun gefährdet ist, ist noch unklar. Der Handel mit Derivaten und Euro-Devisen und das dafür zuständige Personal dürften aber besonders betroffen sein, heißt es.

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Die Schweizer Großbank Bank UBS hat am Mittwoch ebenfalls erklärt, dass gut 1000 der rund 5000 ihrer Mitarbeiter in London von dem Austritt Großbritanniens aus der EU betroffen sein dürften. Experten erwarten nun, dass weitere Kreditinstitute in den kommenden Monaten nachziehen.

Banken fürchten zuvorderst um ihr Geschäft. Doch auch andere Branchen könnten nachziehen. Laut einer Umfrage der Unternehmensberater von KPMG im Herbst letzten Jahres, erwägen seinerzeit gut drei Viertel der britischen Firmenchefs nach dem Brexit-Votum die Verlagerung von Geschäftsteilen ins Ausland. Befragt worden waren seinerzeit Unternehmen mit Umsätzen zwischen 100 Millionen und einer Milliarde Pfund.

mit Reuters
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