Sonntag, 26. Mai 2019

Brexit-Folgen Finanzindustrie zieht 1,2 Billionen Dollar aus Großbritannien ab

Finanzviertel London

Noch ringt das britische Parlament um den Brexit-Vertrag und den Austrittstermin Großbritanniens aus der EU. Die Finanzindustrie handelt bereits und hat einer unabhängigen Studie zufolge bereits 1200 Milliarden Dollar Vermögen aus dem Vereinigten Königreich abgezogen.

Die Auswirkungen des Brexit auf die Finanzindustrie in Großbritannien sind einer Studie zufolge größer als angenommen. Der Finanzplatz London sei vom geplanten EU-Austritt überraschend stark betroffen, erklärte William Wright, Chef der Denkfabrik New Financial. Diese Entwicklung werde sich noch verschärfen.

"Das wird Großbritanniens Einfluss in der europäischen Finanz- und Bankenbranche verringern, die Steuereinnahmen aus dem Wirtschaftszweig verringern und die Finanzdienstleistungsausfuhren in die EU verringern", unterstrich Wright.

Der am Montag vorgelegten Untersuchung zufolge ziehen mehr als 275 Finanzfirmen Vermögenswerte von insgesamt 1,2 Billionen Dollar aus Großbritannien und hier insbesondere London ab. 5000 Beschäftigte ziehen um oder werden an den neuen Standorten eingestellt, wie die Autoren errechneten. Diese Zahl werde in den kommenden Jahren weiter steigen. Die Umzugskosten wurden auf zusammen drei bis vier Milliarden Dollar beziffert.

Dublin, Luxemburg, Paris und auch Frankfurt profitieren

Am meisten Anziehungskraft für die Finanzfirmen hat die irische Stadt Dublin. Hierhin zählten die Experten 100 Umzüge. Vor allem Vermögensverwalter wählten Irlands Hauptstadt. Es folgen Luxemburg (60), Paris (41), Frankfurt (40) und Amsterdam (32). Für Frankfurt entschieden sich insbesondere Banken, für Amsterdam Handelsplattformen und Handelshäuser.


Lesen Sie den Report: Wie der Brexit Londons Banker trifft


Der Studie zufolge hätten allein zehn große Banken Vermögenswerte in Höhe von 800 Milliarden Pfund (etwa 1039 Milliarden Dollar) von der Insel abgezogen - dies seien etwa 10 Prozent der Bankaktiva des Landes. Einige Versicherer hätten zusammen weitere 35 Milliarden Pfund und eine Handvoll Vermögensverwalter wiederum insgesamt 65 Milliarden Pfund verschoben.

Steuereinnahmen im Vereinigten Königreich werden sinken

Werden 10 Prozent der Bank- und Finanzaktivitäten aus Großbritannien abgezogen, dürften sich damit die Steuereinnahmen des Vereinigten Königreichs um gut 1 Prozent verringern, rechnet der Think Tank weiter vor. London werde trotz des Abzugs von Kapital und Geschäft absehbare Zeit das dominierende Finanzzentrum in Europa bleiben, aber im weiteren Verlauf dann an Bedeutung gegenüber anderen europäischen Städten verlieren.

rei mit Reuters

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