Mittwoch, 23. Oktober 2019

Brexit gibt Frankfurt neue Chancen Erste Großbank zieht Investmentbanker aus London ab

VTB Bank in Moskau

Die russische Großbank VTB verlegt offenbar ihre westeuropäische Investmentbanking-Zentrale aus London. Als erstes Institut begründet VTB einen solchen Schritt ausdrücklich mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Das berichtet die "Financial Times" (FT).

"Wir hatten größere Pläne für den Standort London", sagte Vize-Bankchef Herbert Moos der FT, "doch nach dem Brexit fahren wir sie zurück und bauen Kapazitäten anderswo auf". Derzeit wäge der Aufsichtsrat der zu 61 Prozent in Staatsbesitz befindlichen Bank Alternativen ab. Zu ihnen gehören laut Moos Frankfurt, Paris und Wien.

Damit wächst in London die Sorge davor, dass der Finanzplatz massiv unter dem geplanten Brexit leidet. Zuletzt hatte Premierministerin Theresa May einen zügigen und harten Ausstiegsplan vorgestellt, infolge dessen das britische Pfund abstürzte. Die britische Regierung will den Zugang zum EU-Binnenmarkt behalten, gleichzeitig aber die Arbeitnehmerfreizügigkeit einschränken.

"Wir können mit dieser Entscheidung nicht warten"

Die Geldbranche fürchtet den Brexit besonders, weil London bisher der zentrale EU-Finanzplatz war. Dank der Zugehörigkeit Großbritanniens zur Union können Geldinstitute von der britischen Hauptstadt aus ihre Geschäfte für die gesamte Union steuern. Dies steht nun infrage.

Branchenexperten zufolge stehen 71.000 Arbeitsplätze und zehn Milliarden Pfund Steuereinnahmen auf dem Spiel. Bisher war davon wenig zu spüren. Lediglich einige kleinere Fintech-Unternehmen haben London bisher in Teilen den Rücken gekehrt.

VTB - ehemals Vneshtorgbank - beschäftigt in London einige Hundert Mitarbeiter. Die britische Hauptstadt ist der wichtigste Standort der Investmentbanking-Sparte in Westeuropa. Das Europa-Hauptquartier der VTG Group ist in Wien. Insgesamt hat sie knapp 100.000 Mitarbeiter und ist Russlands zweitgrößte Bank.

"Wir können mit dieser Entscheidung nicht warten" sagte Moos. Die Brexit-Verhandlungen würden ein zäher Prozess werden, an dessen Ende deutliche Verschlechterungen für den Finanzplatz London zu erwarten seien.

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