Donnerstag, 19. September 2019

Brexit Massenexodus britischer Banker wegen Brexit bleibt vorerst aus

Banken in London spekulieren offenbar auf einen geregelten Brexit.

In Großbritannien und insbesondere in London ansässige Banken wetten offenbar auf einen "weichen" Brexit mit moderaten Übergangsregeln. Denn nach einer aktuellen Umfrage wollen die Institute bislang viel weniger Jobs nach Europa verlagern als ursprünglich angekündigt. Doch die abwartende Haltung könnte sich sehr schnell ändern.

Trotz des steigenden Risikos eines harten Brexit bleibt die erwartete Verlagerung tausender Jobs aus der britischen Finanzbranche ins Ausland zunächst aus. Einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge erwarten britische Finanzunternehmen wegen des Brexit knapp 2000 Arbeitsplätze in andere europäische Städte zu verlagern oder dort zu schaffen.

Das ist viel weniger, als die 5766 Jobs aus der letzten Umfrage im September, und nur ein Fünftel der rund 10.000 Stellen, mit denen die Branche im September 2017 gerechnet hatte.

Insgesamt ginge es lediglich um 0,4 Prozent der rund 400.000 Jobs in der britischen Finanzbranche, rechnet Reuters vor. Dabei hatte London einen massiven Bedeutungsverlust als europäisches Finanzzentrum befürchtet.

Banken wetten auf einen geregelten Brexit mit Vertrag

Die meisten Banker setzen der Umfrage zufolge darauf, dass es doch noch zu einem geregelten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union kommt und ein sogenannter harter Brexit ohne Übergangsvereinbarungen vermieden werden kann.

Bisher seien die Auswirkungen des Brexit weniger schlimm als erwartet und bereiteten weniger Sorgen als etwa die langsamer wachsende Wirtschaft in China oder die politische Unsicherheit in den USA, sagte ein ranghoher Manager einer US-Investmentbank. "Es geht einem wahnsinnig auf die Nerven, aber es ist ein technisches Problem, das ist lösbar."


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Deshalb warten viele Banken, Versicherer oder Investoren in London noch ab, bevor sie endgültige Entscheidungen über die Umsiedelung von Arbeitsplätzen treffen. Die britische Großbank HSBC hat einem Insider zufolge noch keinen der geplanten bis zu 1000 Jobs nach Paris verlagert, ebenso wenig wie die Royal Bank of Scotland, die 150 Mitarbeiter nach Amsterdam schicken will. Bei der Bank of America ziehen Unternehmenskreisen zufolge bis Ende Februar rund 200 Banker nach Paris um.

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Bild: Getty Images

Die abwartende Haltung könnte sich aber schnell ändern. Falls es doch zu einem harten Brexit komme, könnte sich die Zahl der umgesiedelten Arbeitsplätze noch verdoppeln oder verdreifachen, schätzt der Manager der US-Investmentbank. Ein Zurückdrehen der Verlagerungen, falls Großbritannien in der EU bleiben sollte, ist für die Finanzhäuser aber keine Option.

rei/Reuters

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