Blythe Masters Die Großmeisterin der Finanzmagier tritt ab

Eine der mächtigsten Frauen nimmt ihren Abschied von der Wall Street. Nach dem Verkauf der Rohstoffsparte hat JPMorgan keinen Platz mehr für Blythe Masters. Die Erfinderin toxischer Kreditderivate hat den Großteil ihrer 45 Lebensjahre in der Investmentbank verbracht.
Keine Reue: Blythe Masters vor einem Senatsausschuss zur Finanzkrise 2009

Keine Reue: Blythe Masters vor einem Senatsausschuss zur Finanzkrise 2009

Foto: Manuel Balce Ceneta/ ASSOCIATED PRESS

Hamburg - In wenigen Monaten ist sie arbeitslos. Blythe Masters werde sich "eine Auszeit nehmen" und ihre Optionen für die Zukunft prüfen, heißt es in einer internen Mitteilung von JPMorgan Chase vom Mittwoch, aus der die Nachrichtenagentur Reuters zitiert .

Die 45-Jährige stand zuletzt an der Spitze der Rohstoffsparte der US-Großbank. Dieses Geschäft hat JPMorgan Chase  im März für 3,5 Milliarden Dollar an das Schweizer Handelshaus Mercuria verkauft. Dass Masters mit ihren Untergebenen zu Mercuria wechseln würde, hatte kaum jemand erwartet. Doch dass die Bank für sei keine neue Rolle fand, markiert einen Einschnitt.

Masters hatte schon vor 27 Jahren als Praktikantin in der Londoner Niederlassung begonnen und das Gesicht der Bank in mehrfacher Hinsicht geprägt. Sie galt in den 90er Jahren als "Wunderkind" der Derivatesparte, wo sie bereits mit 28 Jahren den Titel Managing Director trug.

Sie gilt als Erfinderin der Credit Default Swaps, mit denen man sich gegen den Zahlungsausfall eines Schuldners versichern oder auch gerade darauf wetten kann, ohne selbst Gläubiger zu sein. Ihr Team entwickelte auch andere Vehikel, um Risiken außerhalb der Bilanzen verbuchen zu können. Diese Derivate trugen mit zur Verteilung und Verschleierung von Risiken über die Märkte und dadurch zur Finanzkrise bei. Die britische Zeitung "The Guardian" schmähte  Masters daher als "die Frau, die finanzielle Massenvernichtungswaffen erfand". Sie selbst verteidigte sich, die Instrumente seien nur missbraucht worden.

Immer wieder Vorwürfe wegen Marktmanipulation

Manche Blogger griffen zu noch drastischeren Bildern , etwa mit Masters in einer Art NS-Uniform und gleichgültigem Gesichtsausdruck vor einem kriegszerstörten Straßenzug, als die Bankerin im Februar 2014 in einen Beirat der US-Derivateaufsicht CFTC berufen wurde. Auch Abgeordnete im Kongress fanden die Personalie unpassend, sodass Masters sich tags darauf von dem Posten zurückzog.

Ihre Rohstoffsparte wurde verschiedentlich der Marktmanipulation bezichtigt, beispielsweise auf manchen Metallmärkten. Im vergangenen Jahr zahlte die Bank - neben deutlich höheren Strafen für andere Geschäfte - 410 Millionen Dollar, um ein Verfahren wegen Manipulation des Strommarkts in Kalifornien zu beenden.

Blythe Masters zeichnete dafür verantwortlich, JPMorgan Chase als Krisengewinner überhaupt erst zu einem großen Spieler im Rohstoffgeschäft aufzubauen. Den Grundstein dafür legte der Strom- und Gashandel der im März 2008 in einem Notverkauf übernommenen Investmentbank Bear Stearns. Später kamen Rohstoffgeschäfte der ebenfalls strauchelnden UBS  und Royal Bank of Scotland  hinzu. 2010 wurde Masters zitiert, die Platzhirsche Goldman Sachs  und Morgan Stanley  müssten JPMorgans neue Rohstoffmacht "fürchten".

Doch inzwischen verabschieden sich die Banken reihenweise aus dem kaum noch ertragreichen und zudem von Aufsehern wie Öffentlichkeit kritisch beäugten Geschäft. Ansonsten aber zocken sie munter weiter, auch ohne Blythe Masters.

ak/rtr
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