Dienstag, 23. April 2019

Goldgräber des Internets Viereinhalb Indizien für eine Krypto-Blase

Bitte ein Bitcoin.

Der Markt für Krypto-Währungen scheint keine Grenzen zu kennen. Am Donnerstag erreichte deren bekannteste Variante, der Bitcoin, einen Wert von mehr als 7000 Dollar. In schneller Folge kündigen Goldgräber des Internets die Schaffung neuer Krypto-Währungen an (Initial Coin Offerings - ICO), um sich zu finanzieren. Nachfolgend nur wenige offensichtliche Indizien, dass der Boom surreale Züge annimmt:

1. Der Kurs der in Herford ansässigen Bitcoin Group SE - Betreiber einer deutschen Bitcoin-Börse - hat sich per Mittwochnachmittag auf Sicht von drei Monaten ver-568-facht. Die Marktkapitalisierung lag bei 317,50 Mio. Euro, das KGV bei 469. Den Aktienkurs sehen Sie hier.

2. Das Hamburger Finanz-Startup Naga plant den drittgrößten ICO der Welt (Volumen: 220 Mio. Euro). Das Vorhaben kommt einigermaßen überraschend. Denn im 360-seitigen Wertpapierprospekt, den Naga vor dem Börsengang am 10. Juli veröffentlichte und in dem das Geschäftsmodell hinlänglich beschrieben wurde, tauchte keiner der folgenden Begriffe auf: "ICO", "Token", "Initial Coin Offering", "Coin". Übrigens: Die Marktkapitalisierung von Naga betrug per Mittwochnachmittag 227,04 Mio. Euro.

3. Selbst seriöse Medien tun sich immer schwerer, dem Krypto-Wahn zu widerstehen. Ein Beispiel: Die "Welt" beschlich vergangene Woche eine ganz starke Ahnung, dass Amazon im Zuge der Veröffentlichung seiner Q3-Zahlen ankündigen würde, demnächst Bitcoins als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Was daraus geworden ist? Nix.

4. ICOs haben inzwischen einen derart schlechten Ruf, dass erste Emittenten wie das deutsche Fintech Neufund offenbar beginnen, den Begriff als solchen zu vermeiden.

5. Andererseits: Wenn ein börsennotiertes Unternehmen dieser Tage den Begriff "Blockchain" in seinen Firmennamen einbindet, dann stehen die Chancen gut, dass sich der Börsenkurs binnen eines Tages um 394 Prozent erhöht.

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