Vorwurf der Bilanzfälschung Neuer Tiefschlag für früheren IWF-Präsidenten Rato

In der Affäre um die Rettung der spanischen Großbank Bankia spitzt sich die Lage für Ex-IWF-Chef Rodrigo Rato zu: Laut Zentralbank soll Bankia 2011 mit geschönten Bilanzen an die Börse gegangen sein. Medien zufolge drohen Rato nun bis zu sechs Jahre Haft.
Stand zwischen 2010 und 2012 an der Spitze von Bankia: der ehemalige IWF-Chef Rodrigo Rato

Stand zwischen 2010 und 2012 an der Spitze von Bankia: der ehemalige IWF-Chef Rodrigo Rato

Foto: DANI POZO/ AFP

Madrid - Die spanische Großbank Bankia soll vor ihrer Verstaatlichung gefälschte Bilanzen vorgelegt haben. Die Daten, mit denen das Geldinstitut 2011 an die Börse ging, hätten nicht die wirkliche Lage von Bankia widergespiegelt, heißt es in einem Bericht der Zentralbank, der am Donnerstag dem zuständigen Ermittlungsrichter Fernando Andreu vorgelegt wurde. An der Spitze der viertgrößten Bank in Spanien stand damals der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Rodrigo Rato.

Das Geldinstitut habe 2011 für den Börsengang ein überhöhtes Eigenkapital angegeben und 2012 Verluste in Milliardenhöhe verschleiert. Rato hatte 2012 überraschend seinen Rücktritt als Präsident der Bank erklärt. Die Regierung ließ wenig später das vom Zusammenbruch bedrohte Geldhaus verstaatlichen und mit mehr als 22 Milliarden Euro sanieren. Spanien musste für die Rettung Bankias und anderer maroder Banken von der EU Hilfskredite in Höhe von 41 Milliarden Euro beantragen. An der Börse hatten Bankias Turbulenzen vor allem Kleinanleger getroffen.

Die spanische Staatsanwaltschaft ermittelt seit 2012 gegen Rato und andere ehemalige Bankia-Manager. Es geht um Betrug, Unterschlagung und die Fälschung von Konten.

"El Mundo": Rato drohen bis zu sechs Jahre Haft

Die Enthüllung ist der nächste Tiefschlag für Rato. Im Oktober hatte er bereits eine Sicherheit von drei Millionen Euro bei Gericht hinterlegen müssen, um damit im Falle einer Verurteilung eventuelle Geldstrafen zu bezahlen. In diesem Verfahren geht es jedoch um seine Zeit beim Bankia-Vorgängerinstitut Caja Madrid: Topmanager, aber auch Politiker und Gewerkschafter aus dem Aufsichtsrat der Bank sollen jahrelang mit "schwarzen Kreditkarten" Restaurantbesuche, Kleidung oder Reisen bezahlt, aber auch Bargeld abgehoben haben. Dabei soll es insgesamt um gut 15 Millionen Euro gehen, die am Fiskus vorbeigeschleust wurden.

Rato hatte Kritik an seinem Management als Bankia-Chef stets zurückgewiesen und betont, es sei ihm darum gegangen, das Geldhaus zu sanieren. Die Gutachter der Zentralbank hoben hervor, dass auch die ersten Bilanzen, die Ratos Nachfolger José Ignacio Goirigolzarri als Bankia-Chef vorlegte, geschönt gewesen seien. Der Aktienkurs des Geldhauses sank nach Bekanntwerden des Gutachtens um mehr als 5 Prozent.

Die rechtsliberale Madrider Zeitung "El Mundo" schrieb am Freitag, Rato gerate durch den Bericht noch mehr in Bedrängnis: "Kapitalanleger beim Börsengang eines Unternehmens zu betrügen, wird im Strafgesetzbuch als ein Verbrechen aufgeführt. Rato drohen danach bis zu sechs Jahre Haft. Bankia musste damals eine korrigierte Version seiner Bilanzen vorlegen, weil Verluste nicht aufgeführt worden waren. Der Wert der Aktie wurde beim Börsengang mit 3,75 Euro angegeben, obwohl das Geldhaus technisch pleite war."

luk/dpa-afx
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