Bigbank-Chef Kaido Saar "Estland ist stabiler als Island"

Kleine Bank mit großem Namen: Die Bigbank aus Estland lockt deutsche Anleger mit hohen Festgeldzinsen. Bankchef Kaido Saar erklärt im Interview sein Geschäftsmodell und tritt Sorgen um die Sicherheit der Einlagen entgegen.
Hauptstadt Tallinn: Nach tiefer Krise präsentiert sich Estland als wirtschaftlicher Musterschüler

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Foto: Corbis

mm: Herr Saar, ist Ihre Bigbank ein Wiedergänger der isländischen Pleitebank Kaupthing? Immerhin locken Sie ebenfalls deutsche Kunden mit den höchsten Festgeldzinsen auf dem Markt, mit Basis in einem sehr kleinen Land.

Saar: Estland und Island sind nicht miteinander zu vergleichen. Ja, Estland ist auch ein kleines Land, aber das war es auch schon. Na gut, der Name klingt auf Deutsch auch noch ähnlich. Aber Estland ist ein Mitgliedstaat von Europäischer Union und Euro-Zone. Und definitiv sind die estnische Wirtschaft und das Finanzsystem hier viel stärker und stabiler, als es in Island 2008 der Fall war. Wir haben die niedrigste Staatsschuldenquote der Euro-Zone mit 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

mm: Die privaten Schulden sind aber eher hoch, um 140 Prozent. Die Bigbank gibt doch sicher eher private Kredite aus, als Staatsanleihen zu kaufen …

Saar: Das stimmt, aber die Schuldenlast estnischer Privathaushalte ist - anders als die der Unternehmen - immer noch unter dem europäischen Durchschnitt.

mm: Was steht hinter Ihrem Festgeldangebot? Wie können Sie in Zeiten der Nullzinspolitik so hohe Zinsen anbieten?

Saar: Zunächst sind unsere Zinsen nicht in jeder Kategorie die höchsten. Für kurze Laufzeiten wie ein Jahr haben wir sie schon gesenkt. Aber es stimmt, dass unsere Zinsen auf einem hohen Niveau liegen. Das können wir uns leisten, weil die Bigbank sich auf das Geschäft der Konsumfinanzierung konzentriert. Mit unseren Einlagen finanzieren wir konsumbezogene Kredite.

Die Kreditsummen sind in der Regel klein, im Baltikum um 1500 Euro, in Skandinavien 4000 bis 5000 Euro. Das bringt höhere Zinsen als das Großkreditgeschäft. Zugleich ist das Risiko breit gestreut. Wenn ein einzelner Kreditnehmer Probleme hat, trifft uns das kaum - anders als damals die isländischen Banken, die in Einkaufszentren, Hotels und so weiter investiert hatten. Und unsere Kosten sind gering, weil wir stark auf das Internet setzen und wenige Filialen betreiben.

mm: Ihr Geschäft scheint auch geografisch klar aufgeteilt zu sein: In Deutschland, Österreich und Niederlanden sammeln Sie Einlagen, mit denen sie Darlehen im Baltikum, Skandinavien und Spanien finanzieren.

Saar: Das stimmt, allerdings bieten wir auch in Lettland, Estland, Finnland und Schweden Festgeld an.

mm: Doch die Ersparnisse dort scheinen nicht groß genug zu sein, um die Kreditbedürfnisse zu decken?

Saar: In Schweden schon, dort gleichen sich unsere Einlagen und Darlehen ungefähr aus. Das ist wegen der Krone als eigener Währung auch notwendig.

mm: Insgesamt übersteigt die Summe der Bigbank-Kredite die der Einlagen um 15 Prozent. Wollen Sie diese Lücke schließen?

Saar : Nein. Dem Kreditportfolio auf der Aktivseite der Bilanz stehen auf der Passivseite zwei Instrumente gegenüber: das Einlagenportfolio als Fremdkapital, aber auch das Eigenkapital. Wir sind nicht auf wachsende Einlagen aus. Unsere heutige Strategie in Deutschland ist, das Geschäft stabil zu halten.

"Einlagensicherung in Estland oder in Deutschland, das spielt keine Rolle"

mm: Hören Sie Fragen von Kunden, wie sicher die estnische Einlagensicherung ist?

Saar: Solche Fragen gibt es, aber nicht oft. Die meisten Kunden interessieren sich eher für technische, praktische Fragen. Die estnische Einlagensicherung, die für die Bigbank gilt, unterliegt EU-Vorschriften. Dieselben Regeln gelten in allen europäischen Ländern. Einlagen bis 100.000 Euro sind abgesichert. Ob in Estland oder in Deutschland, spielt keine Rolle.

mm: Nur im Ernstfall würde es eine Rolle spielen: ob das Geld wirklich zur Verfügung steht, falls größere estnische Banken straucheln, was in einer neuen Wirtschaftskrise ja passieren könnte.

Saar: Ja, aber die größeren estnischen Banken sind Filialen von schwedischen Banken. Da müsste also nicht nur Estland in die Krise stürzen, sondern auch Schweden, und der schwedische Staat in Schwierigkeiten stecken. Und im Fall des Falles hätte auch der estnische Staat mit seiner geringen Verschuldung die Mittel, um einzuspringen.

Das ist aber überhaupt nicht realistisch. Die estnischen Banken sind sehr gut kapitalisiert. Die Bigbank hat eine Kapitalquote von 21 Prozent, die Branche insgesamt liegt mit 20 Prozent deutlich über der aufsichtsrechtlichen Norm von 10 Prozent - und auch die ist höher als anderswo in der Euro-Zone.

mm: In Europa wird gerade diskutiert, wie weit die Bankenunion gehen soll. Viele fordern eine gemeinschaftliche Einlagensicherung, auch wenn viele deutsche Banken dagegen sind. Denken Sie, das könnte kleineren Banken aus Peripheriestaaten helfen?

Saar: Was uns betrifft, sehe ich da keine große Änderung. Aber für den europäischen Finanzsektor allgemein wäre das sicher gut, um das Vertrauen und die Verlässlichkeit zu erhöhen.

mm: Stimmt es, dass die Bigbank selbst gar kein Teilnehmer am estnischen Zahlungssystem ist, sondern von der schwedischen SEB  als Partner abhängt?

Saar: Ja. Das liegt an unseren unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Wir wollten nie eine Universalbank werden. Wir konzentrieren uns auf unsere Stärke in der Konsumfinanzierung, mit der wir 21 Jahre Erfahrung haben. Um in diesem Geschäft mehr Größe zu erreichen, haben wir auch international expandiert.

mm: Der Name Bigbank klingt nach großen Plänen. Wie kamen Sie darauf?

Saar: Also, das ist eine aus unserer Geschichte rührende Abkürzung. Ursprünglich hieß unser Unternehmen Baltische Investmentgruppe, die Abkürzung BIG ist unsere Marke. Mit der Banklizenz 2005 änderten wir den Namen in Bigbank. Finanziell gesehen sind wir eher klein.

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