Mittwoch, 17. Juli 2019

Fintech-Standorte Deutschland etabliert sich vor Großbritannien

Deutschland: Erneut attraktiv für Fintechs

Junge Technologieunternehmen in der Finanzbranche bekommen nicht mehr so viel frisches Kapital. Im dritten Quartal flossen den sogenannten "FinTechs" nach Daten der Unternehmensberatung KPMG nur noch 2,9 Milliarden Dollar zu. In den drei Monaten zuvor waren es noch 9,4 Milliarden Dollar. Das lag vor allem am Ausbleiben von Milliarden-Transaktionen, wie KPMG am Mittwoch in seiner vierteljährlichen Studie "Pulse of FinTech" mitteilte. Im Sommer hatte allein Ant Financial, der Betreiber der chinesischen Bezahl-App "AliPay", 4,5 Milliarden Dollar bei Startup-Investoren eingesammelt. Die Zahl der finanzierten FinTechs blieb mit 410 dagegen fast konstant.

Der FinTech-Boom sei aber noch nicht vorbei, erklärte KPMG-Partner Sven Korschinowski. "Auch wenn die Investitionen im Quartalsvergleich zurückgegangen sind, bleibt die Tendenz über das gesamte Jahr gesehen positiv." Insgesamt dürfte 2016 mehr Geld in FinTechs fließen als im vergangenen Jahr, glaubt KPMG. Damals waren den aufstrebenden Finanzfirmen 14,5 Milliarden Dollar zugeflossen, in diesem Jahr waren es bis Ende September 10,3 Milliarden.

In Europa hat Deutschland mit der Startup-Metropole Berlin der britischen Hauptstadt London angesichts der Unsicherheit über die Folgen des Brexit-Votums bei Fintech-Investitionen den Rang abgelaufen. Zum zweiten Mal in Folge floss im dritten Quartal mehr Kapital nach Berlin, Frankfurt und München (105 Millionen Dollar) als nach Großbritannien (78 Millionen). Mit einer Finanzierungsrunde von 34 Millionen Dollar schaffte es die Kreditplattform Smava ebenso unter die größten 20 Transaktionen weltweit wie das "InsurTech" FinanceFox, das Kunden bei der mobilen Verwaltung ihrer Versicherungen helfen will und dafür 28 Millionen Dollar einsammelte.

Während in Europa kein einziges Unternehmen mehr als 50 Millionen Dollar bekam, boomt das Geschäft in Asien weiter. Dort bekamen zwei chinesische FinTechs 449 und 310 Millionen Dollar - die größten Transaktionen weltweit.

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