Montag, 30. März 2020

Jes Staley Aufseher knöpfen sich Barclays-Chef wegen Verbindung zu Epstein vor

"Bereue zutiefst, in irgendeiner Verbindung zu Jeffrey Epstein gestanden zu haben" : Barclays-Chef Jes Staley distanziert sich von dem ehemaligen Hedgefonds-Manager, mit dem er über Jahre zusammen bei der US-Bank JPMorgan zusammengearbeitet hatte.

Barclays-Chef Jes Staley ist wegen seiner Verbindungen zu dem verstorbenen US-Banker und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ins Visier der britischen Aufsichtsbehörden geraten. Die Financial Conduct Authority (FCA) und die Prudential Regulation Authority (PRA) der Bank of England wollen herausfinden, in welcher Beziehung der 63-Jährige zu dem Hedgefonds-Manager stand, dem Kindesmissbrauch und andere sexuelle Vergehen vorgeworfen wurden.

"Ich habe gedacht, ich kenne ihn, und ich lag falsch", sagte Staley am Donnerstag vor Reportern bei der Bilanzpressekonferenz der Bank. "Jetzt, wo wir das alles wissen, bereue ich zutiefst, in irgendeiner Verbindung zu Jeffrey Epstein gestanden zu haben." Epstein hatte sich im vergangenen Jahr in Untersuchungshaft das Leben genommen.

Die Beziehung zu Epstein habe 2000 begonnen, als Staley bei der US-Bank JPMorgan begonnen habe, sagte der Barclays-Chef. Nachdem er die US-Bank verlassen habe, habe die Häufigkeit der Treffen und Gespräche abgenommen.

Jeffrey Epstein (Bild Archiv)
New York State Sex Offender Registry/ AP
Jeffrey Epstein (Bild Archiv)

Seit der Übernahme des Chefpostens bei der britischen Bank 2015 habe er Epstein gar nicht mehr gesehen. Der Verwaltungsrat der Bank sprach Staley das Vertrauen aus. Investoren waren dennoch verunsichert. Die Aktien gaben um 3,8 Prozent nach.

Laut einem Bericht der "New York Times" aus dem vergangenen Jahr hatte Epstein Dutzende reiche Kunden an Staley verwiesen, als dieser das Privatbank-Geschäft bei JPMorgan leitete. Zudem habe Staley seinen Bekannten 2008/09 im Gefängnis besucht, als dieser eine Strafe absitzen musste, nachdem er sich schuldig bekannt hatte, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben.

Aufsichtsbehörden hatten Barclays-Chef schon einmal im Visier

Für Staley ist es schon die zweite Untersuchung durch die Aufsichtsbehörden. Im Mai 2018 hatte ihm die Financial Conduct Authority (FCA) eine Strafe von 642.000 Pfund aufgebrummt, weil er mit Hilfe von Ermittlern versucht hatte, einen internen "Whistleblower" zu finden.

Die Ermittlungen gegen den Amerikaner überschatten das Ergebnis von Barclays, das 2019 besser ausfiel als Analysten erwartet hatten. Der Gewinn vor Steuern legte unter anderem dank eines florierenden Anleihengeschäfts um neun Prozent auf 6,2 Milliarden Pfund (7,4 Milliarden Euro) zu.

Einem Bericht der "Financial Times" zufolge hätten die Aufseher von FCA und PRA die aktuelle Untersuchung im vergangenen Dezember eröffnet. Barclays habe der FCA zuvor in einem Brief die Beziehung von Staley zu Epstein dargelegt. Dessen Inhalt habe die Aufseher offenbar skeptisch gestimmt, so dass sie schließlich die umfassende Untersuchung einleiteten, um auch festzustellen, ob die Einlassungen der Bank in dem Brief vor allem auf Aussagen von Staley beruhten, berichte die "FT" unter Berufung auf einen Insider weiter.

Staley reagiert ausweichend auf Journalistenfragen

Der Frage eines Journalisten, ob er mit der Art und Weise, wie die Bank den Aufsichtsbehörden seine Beziehung zu Epstein beschrieben habe, zufrieden sei, wich Staley aus und betonte lediglich: "Ich bin klar, dass ich transparent war."

Die Bank selbst betonte laut "FT", sie sei mit Hilfe externer Anwälte nach einer Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass Staley seinen Arbeitgeber "ausreichend transparent" über seine Beziehung zu Epstein informiert habe. Der Konzernchef habe "das volle Vertrauen des Aufsichtsrats". Die Aufseher würden einstimmig Staleys Wiederwahl auf der diesjährigen Jahresversammlung empfehlen.

rei mit Reuters

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung