Bankia und CaixaBank Spanische Banken verhandeln über Fusion zum größten Geldhaus des Landes

Die nach der Finanzkrise vom spanischen Staat gerettete Bankia verhandelt mit ihrem Wettbewerber CaixaBank über eine Fusion. Dadurch würde das größte Kreditinstitut des Landes entstehen. Die Pläne stützen den europäischen Finanzsektor.
CaixaBank-Chef Gonzalo Gortázar Rotaeche verhandelt mit Bankia-CEO José Sevilla über einen Zusammenschluss

CaixaBank-Chef Gonzalo Gortázar Rotaeche verhandelt mit Bankia-CEO José Sevilla über einen Zusammenschluss

Foto: Heino Kalis / REUTERS

In Spanien zeichnet sich eine Lösung für das nach der Finanzkrise vom Staat gerettete Geldinstitut Bankia ab. Die Bank und die Caixabank bestätigten in der Nacht zum Freitag Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss. Mit Blick auf den spanischen Heimatmarkt könnte mit der Fusion das größte heimische Kreditinstitut entstehen. An der Börse kamen die Nachrichten hervorragend an.

Der Kurs der Bankia -Aktie legte am Morgen um mehr als 28 Prozent zu. Für die Caixa -Aktie ging es um etwa 13 Prozent aufwärts. Allerdings haben die Papiere beider Institute seit dem Jahreswechsel immer noch mehr als ein Viertel an Wert eingebüßt. So wird die Caixabank an der Börse jetzt mit rund zwölf Milliarden Euro bewertet. Bankia kommt auf rund vier Milliarden Euro. Knapp 62 Prozent der Bankia-Anteile gehören derzeit dem spanischen Staat.

Der Mitteilung der Caixabank zufolge sprechen die beiden Institute über eine mit Aktien bezahlte Fusion. Den Angaben zufolge gibt es aber noch keine Einigung. Bankia teilte mit, dass die Gespräche vorläufig seien. Es handle sich um eine übliche Prüfung möglicher strategischer Schritte.

Die beiden Institute gehören bereits jetzt zu den größten Banken Spaniens. Ihr Zusammenschluss wäre eine der größten Fusionen in dem Land überhaupt. Gemessen an ihren Bilanzsummen wären die Konkurrentinnen Santander und BBVA weiterhin größer als das fusionierte Institut aus Caixabank und Bankia. Allerdings sind Santander und BBVA nicht nur in der Heimat, sondern auch stark im Ausland engagiert.

Regierung muss Bankia-Anteile bis 2021 loswerden

Bankenexperte Benjie Creelan-Sandford vom Analysehaus Jefferies schätzt, dass Caixabank und Bankia in Spanien zusammen auf einen Marktanteil von rund 30 Prozent kämen. Von den Fusionsgesprächen zeigte sich der Analyst überrascht. Zwar habe die Caixabank Übernahmen und Fusionen bisher nicht ausgeschlossen. Sie habe allerdings angedeutet, dass der Geschäftsausbau aus eigener Kraft für sie an erster Stelle stehe.

Nach Ansicht von Creelan-Sandford bietet der anvisierte Zusammenschluss ein hohes Einsparpotenzial. So lägen 80 Prozent der Bankia-Filialen weniger als einen Kilometer von der nächsten Geschäftsstelle der Caixabank entfernt. Der Analyst schätzt die möglichen Kostensynergien auf 40 Prozent. Die Integration und Umstrukturierung dürften nach seinen Berechnungen aber zunächst mit 2,9 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Der Gewinn je Aktie könne durch die Fusion nach seinen Berechnungen um 17 Prozent steigen. Andererseits dürfte die Fusion nach seiner Ansicht einiges Kapital absorbieren. Dadurch dürfte die harte Kernkapitalquote der Caixabank von 11,8 auf etwa 11,0 Prozent sinken, schätzt er. Der Zeitung "El Confidencial" zufolge würde der Staat an dem fusionierten Institut rund 14 Prozent halten. Creelan-Sandford geht von 15 Prozent aus.

Spanien hatte die Bankia 2012 wegen der hohen Last von faulen Immobilienkrediten mit vielen Milliarden gerettet. Bis 2021 muss die Regierung ihre Anteile wieder loswerden. Das Wirtschaftsministerium teilte mit, dass der staatliche Rettungsfonds Frob einen möglichen Zusammenschluss der Bankia mit der Caixabank prüfen wird. Die Stabilität des Finanzsektors müsse gestärkt und maximaler Gewinn aus dem Anteil herausgeholt werden, hieß es.

Seit der Finanzkrise ist die Zahl der Banken in Spanien stark geschrumpft. Rückstellungen für die Corona-Krise und die anhaltend tiefen Leitzinsen in der Euro-Zone setzen die Geldhäuser jedoch weiter unter Druck, sich zu konsolidieren, um Kosten zu senken.

mg/dpa-afx, Reuters
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