Bankentagung Topbanker träumen von neuer Größe

Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite wächst die Sehnsucht der Finanzindustrie, die Krise hinter sich zu lassen. In Frankfurt versammelte Bankenchefs schmieden Pläne, wieder das große Rad zu drehen - in aller Bescheidenheit natürlich.
Frankfurt am Main: Banker wieder optimistischer

Frankfurt am Main: Banker wieder optimistischer

Foto: Boris Roessler/ picture alliance / dpa

Frankfurt am Main - "Size does matter." Federico Ghizzoni spricht so freundlich und jovial, dass seine Wortwahl gar nicht so wuchtig wirkt. Und doch hat der Chef der Mailänder Großbank Unicredit da tatsächlich eine Anleihe bei Roland Emmerichs "Godzilla"-Film genommen. Größe ist gut, beharrt der Banker.

Die Tagung "Banken im Umbruch", veranstaltet von Euroforum und "Handelsblatt" in Frankfurt, ist seit Jahren eines der wichtigen Treffen der Branche. Und die ist seit Jahren in der Defensive. Fehler, Versäumnisse, Besinnung - immer, wenn Topbanker Grundsätzliches zur Lage der Finanzwelt sagen, ertönt dieser Dreiklang der Demut.

Auch diesmal natürlich üben sich die meisten Redner in Bescheidenheit. Schließlich naht der fünfte Jahrestag der verheerenden Pleite von Lehman Brothers, da möchte niemand im Gestus der "Masters of the Universe" auftreten. Aber 2013, und das ist neu, mischen sich auch deutlich hörbare Zwischentöne in die Selbstkritik. Es riecht nach Morgenluft.

"Sie sehen mich deutlich optimistischer, als ich noch vor einem Jahr war", sagt Axel Weber, Verwaltungsratspräsident der Schweizer UBS, die sich stolz wieder weltgrößter Vermögensverwalter nennt. Er wolle "den Blick in eine hoffentlich bessere Zukunft werfen". Weber, dessen Bank die Investmentsparte stark eingedampft hat, bekennt sich zwar klar zu einem angepassten, schlankeren Geschäftsmodell und zum Sinn der auf Risikoabbau zielenden staatlichen Regulierung. Doch das sieht nicht jeder so.

"Es gibt riesigen Investitionsbedarf"

"Too big to fail sollte kein Tabu sein", sagt Ghizzoni. Damit spricht der Unicredit-Chef eine der zentralen Lehren aus der Krise an, dass nämlich zu große Banken eine Gefahr für Wirtschaft und Gesellschaft darstellen, weil der Staat aus Angst vor den Folgen einer Pleite für die Institute einspringt und so dem Management einen Freibrief für Risiken übergibt. Nun aber, meint Ghizzoni, sei Größe im Bankgeschäft wichtiger denn je - ein klares Plus für seinen aus etlichen Regionalbanken in mehreren Ländern zusammengefügten Konzern.

"Es gibt einen riesigen Investitionsbedarf", sagt er. Allein für neue Informationstechnik müssten Europas Banken in den kommenden drei Jahren rund 200 Milliarden Euro ausgeben. Außerdem wüchsen die globalen Ansprüche der Kunden, beispielsweise finanzierten sich europäische Unternehmen zunehmend über Anleihen. Kleine Banken könnten das nicht leisten. So wie einst die Autoindustrie, werde auch die Bankenwelt sich zunehmend auf wenige große Anbieter konzentrieren, sagt er voraus.

Internetbanken werden plötzlich "zu einer Frage des Überlebens"

Rückenwind erhofft sich Unicredit (Kurswerte anzeigen) von einer Erholung der europäischen Konjunktur. "2014 wird ein Jahr des Übergangs", sagt Ghizzoni. "Es wird Zeit, die gute Kapitalbasis, die wir inzwischen aufgebaut haben, zu hebeln." Wachstum ist wieder angesagt.

Sogar die Herausforderung der klassischen Banken durch neue, internetbasierte Finanzdienstleister wird für den Kollegen Francisco Gonzalez von der spanischen BBVA  zu "einer Frage des Überlebens, zugleich aber einer einmaligen Gelegenheit". Der Bankenveteran und gelernte Informatiker verspricht ein "neues digitales Geschäftsmodell". Auch hier schwingt wieder Hoffnung mit. "Die nächsten zwei Jahre werden spannend", freut sich Gonzalez.

Anshu Jain spricht von einer Konsolidierung der Branche. "Wer diese Krise mit einer intakten Marke und starken Kapitalbasis überlebt hat" - damit meint der Co-Chef der Deutschen Bank  sicher sein eigenes Institut - "dem bieten sich gewaltige Chancen, Marktanteile zu gewinnen - organisch, aber in der kommenden Zeit auch inorganisch."

Auf die Nachfrage, welche Wettbewerber die Deutsche Bank denn aufzukaufen gedenke, weicht Jain allerdings aus. Man solle doch nicht vergessen, dass die Krise noch nicht komplett aufgearbeitet ist. Erstmal sei die Hauptaufgabe der Banker, Vertrauen zurückzugewinnen. Aber "wenn das erledigt ist, dann bieten sich aufregende Möglichkeiten".

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