Mittwoch, 13. November 2019

Gehaltsreport Welche deutschen Banken noch üppig Millionen-Gehälter zahlen - und welche nicht

Skyline von Frankfurt am Main.

Trotz der schweren Branchenkrise sind Millionengehälter bei vielen deutschen Banken immer noch an der Tagesordnung. Das vielleicht prägnanteste Beispiel hierfür ist nach Recherchen von "Finanz-Szene.de" die Frankfurter UBS-Dependance, die 2016 zwar zum vierten Mal in Folge rote Zahlen schrieb, neun ihrer Mitarbeiter aber trotzdem ein siebenstelliges Salär gewährte. Sogar auf zehn Einkommens-Millionäre brachte es die Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus, obwohl sie mit einer Bilanzsumme von gut 23 Mrd. Euro allenfalls zu den mittelgroßen Instituten in Deutschland zählt. Bereits vorige Woche hatte "Finanz-Szene.de" berichtet, dass sogar bei der Hamburger Sparkasse nicht weniger als sechs Mitarbeiter auf ein Salär von mehr als einer Million Euro kommen.

Basis der Erkenntnisse sind die Geschäfts- und Vergütungsberichte von 30 deutschen Banken, darunter die 25 mit den höchsten Bilanzsummen. Danach bekommen mehr als 400 Mitarbeiter eine Gesamtvergütung von mindestens einer Million Euro, wobei diese Zahl durch die Deutsche Bank verzerrt wird. Denn: Allein auf den Marktführer entfielen 316 Topverdiener, von denen die meisten allerdings nicht in Frankfurt, sondern an ausländischen Standorten arbeiten.

16 Einkommens-Millionäre beschäftigte die genossenschaftliche DZ Bank, die eigentlich für ein eher bescheidenes Gehaltsniveau bekannt ist. Der Grund: Neben den Vorständen der Bank selber dürften auch Topmanager bei Töchtern wie der Fondsgesellschaft Union Investment, dem Versicherer R+V oder der Bausparkasse Schwäbisch-Hall siebenstellig verdient haben.

Einen markanten Rückgang verzeichnete dagegen die Hypo-Vereinsbank, wo die Zahl der Einkommens-Millionäre von 17 auf nur noch sieben schrumpfte. Bei der Commerzbank kassierten zehn Beschäftigte mehr als eine Million Euro, beim Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal waren es neun.

Frappierend ist ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Blickt man auf die gesamte deutsche Bankenbranche, dann stehen Gehaltsniveau und Geschäftserfolg oftmals nur in entfernter Beziehung zueinander. Ein gutes Beispiel hierfür ist die ING Diba, die seit Jahren ein Rekordergebnis nach dem anderen einfährt, 2016 allerdings trotzdem nur einem Manager ein Millionensalär überwies. Das gleiche galt für die deutsche Santander-Tochter, während die DKB sogar ohne einen einzigen Einkommens-Millionär auskam. Das lag in deren Fall allerdings auch am EU-Gehaltsdeckel für den Mutterkonzern BayernLB.

Überhaupt zahlten nur zwei Landesbanken 2016 schon wieder siebenstellige Saläre - die LBBW, wo sich gleich vier Beschäftigte über eine Millionen-Vergütung freuen durften, und die Helaba mit einem Einkommensmillionär.

Die Diskrepanz zwischen Erfolg und Vergütung dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass bei vielen deutschen Banken das Segment schwächelt, in dem traditionell das meiste Geld fließt - das Investmentbanking. Offenbar tun sich viele Institute schwer, ihre Gehaltsstruktur den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen.

Daneben sind Gehälter auch ein Ausdruck unterschiedlicher Kulturen. Hier die gewerkschaftlich geprägten Retail-Pietisten von der ING Diba - dort die gefühlten Großbanker von HSBC Trinkaus. Hier die gedämpften Konsumentenkreditler von Santander - dort die Deutsche Bank mit ihrem globalen Anspruch. Hier die öffentlich-rechtliche Dekabank mit nur zwei Einkommens-Millionären - dort die "Jetzt dürfen wir wieder"-Manager von der Commerzbank.

Tatsächlich geht die Zahl der Einkommensmillionäre bei Deutschlands Banken über die von "Finanz-Szene.de" dokumentierten gut 400 Fälle hinaus. Nachweisen lässt sich das allerdings nicht in allen Fällen, da für die klassischen Privatbanken und für die deutschen Töchter der Wall-Street-Banken aufgrund ihrer meist geringen Bilanzsummen weniger strenge Offenlegungs-Pflichten gelten.

Einige Beispiele weiterer Millionenzahlungen:

  • Zu den absoluten Topverdienern in Bankendeutschland dürften die beiden Berenberg-Chefs gehören (siehe hierzu auch den mm-Report "The Wolf of Jungfernstieg" aus dem Sommer 2017)
  • Das Bankhaus Metzler schreibt zwar auf seiner Homepage: "Weder bei der Bank noch bei einer der anderen Tochtergesellschaften der Holding erhielten Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2016 eine Vergütung von mehr als 1 Mio. Euro." Wie eine Nachfrage von "Finanz-Szene.de" ergab, gilt der Begriff "Mitarbeiter" allerdings nicht für die in der Geschäftsleitung versammelten Partner der Bank
  • Die Goldman Sachs Deutschland AG beschäftigte 2016 laut Geschäftsbericht zwar nur 138 Mitarbeiter, kam aber auf einen Personalaufwand von 51 Mio. Euro. Einzelne Spitzenkräfte kommen nach Informationen von manager-magazin.de auf ein siebenstelliges Salär.

Der Text erschien in einer leicht anderen Version zuerst bei unserem Inhalte-Partner Finanz-Szene.de. Eine Übersicht über unsere Inhalte-Partner finden Sie hier.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung