Montag, 17. Juni 2019

Immer weniger Banken-Zweigstellen Das Filialsterben geht weiter

Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben zwar immer noch die meisten Filialen, doch auch sie schließen Zweigstellen. Experten sagen diesen Säulen der Geldwirtschaft in Deutschland die größten Veränderungen voraus

Die Bankfiliale um die Ecke könnte bald der Vergangenheit angehören. Die aktuelle Statistik der Bundesbank zeigt: Das Filialsterben setzt sich fort. Die Zahl der Zweigstellen könnte sich bis 2020 mehr als halbiert haben, sagen Skeptiker.

Die Zahl der Zweigstellen deutscher Banken geht weiter zurück. Sie ist im vergangenen Jahr um rund 3,6 Prozent oder 1257 auf 34.045 gesunken, zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Statistik der Bundesbank. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren hatte es noch rund 44.000 Bankfilialen gegeben. Im Schnitt verschwinden jedes Jahr damit rund 1000 Zweigstellen in Deutschland.

Glaubt man den Skeptikern, dürfte das Filialsterben weitergehen. So rechnet die DZ Bank bei gleichbleibender Entwicklung allenfalls noch mit 20.000 Filialen im Jahr 2030. Eine gleichlautende Schätzung gab im Juni vergangenen Jahres bereits Commerzbank-Chef Martin Blessing ab.

Im Gegensatz zu manchem vor die Tür gesetzten Banker und Sparkassenvertreter oder auch verärgerten Kunden wertet Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret die Entwicklung als positiv. Sie trage dazu bei, die Banken und Sparkassen profitabler zu machen.

Was den Rückzug beschleunigt: sinkende Margen, steigende Kosten

Vielen Geldhäusern machen die anhaltend niedrigen Zinsen zu schaffen. So wird es für sie immer schwieriger, auskömmliche Margen im Einlagen- und dem herkömmlichen Kreditgeschäft zu erwirtschaften. Zugleich beklagen die Institute höhere Kosten wegen der steigenden Anforderungen durch die Aufsichtsbehörden.

Laut Statistik schrumpften Sparkassen und Genossenschaftsbanken im vergangenen Jahr am stärksten. Gleichwohl besitzen sie zusammen noch 22.694 Niederlassungen und damit immer noch das größte Filialnetz in Deutschland.

Großbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank dünnten 2015 ihr Netz um 2,7 Prozent auf 7240 Zweigstellen aus. Auch dieses Jahr dürfte der Abbau weitergehen: So will die Deutsche Bank von insgesamt 750 Niederlassungen ab Herbst etwa 200 schließen.

Interessant ist, dass Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, Großbanken sowie Regional- und Kreditbanken in den vergangenen fünf Jahren (2010 bis 2015) laut Bundesbank-Statistik etwa im gleichen Tempo ihre Filialen eingedampft haben - nämlich um 10 bis 12 Prozent.

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