Banken-Stresstest Deutsche Banken laut Bafin weitgehend krisenfest

Deutschlands Banken und Sparkassen sind laut einem Stresstest der Bafin und der Bundesbank weitgehend krisenfest. Währenddessen rutschen die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank weiter ab. Die Deutsche Bank zahlt eine Millionenstrafe in den USA.
Krisenumwittert: Die Deutsche Bank kämpft mit einem Datenschutz-Skandal in den USA

Krisenumwittert: Die Deutsche Bank kämpft mit einem Datenschutz-Skandal in den USA

Foto: MAURITZ ANTIN / EPA

Deutschlands Banken und Sparkassen sind nach Einschätzung der Aufsicht weitgehend krisenfest. "Das Bankensystem zeigt eine zufriedenstellende Resilienz", sagte der für Bankenaufsicht zuständige Vorstand der Deutschen Bundesbank, Joachim Wuermeling, am Mittwoch in Frankfurt. Dennoch sei Vorsicht geboten, es gebe große Unsicherheiten, was die Entwicklung von Konjunktur, Inflation und Zinsen angehe. "Die Banken sollten sich nicht zurücklehnen", mahnte Wuermeling.

Die Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) haben die Ertragslage und Widerstandsfähigkeit der etwa 1300 Institute, die sie direkt beaufsichtigen, unter Stressbedingungen unter die Lupe genommen.

In einer Umfrage mussten die Institute beantworten, wie ihre Pläne und Prognosen auf fünf Zinsszenarien für den Zeitraum 2022 bis 2026 reagieren würden. Im eigentlichen Stresstest simulierten die Geldhäuser ihre Ertragslage für die Jahre 2022 bis 2024 jeweils in einem Basis- und einem Stressszenario mit deutlicher Wirtschaftseintrübung.

"Die Banken sollten sich nicht zurücklehnen"

"Die deutschen Institute sind überwiegend gut kapitalisiert. Eine niedrige zweistellige Anzahl von Instituten wird jedoch im Fall eines deutlichen wirtschaftlichen Abschwungs zu kämpfen haben", bilanzierte der oberste Bankenaufseher der Bafin, Raimund Röseler. Das angenommene Stressszenario habe im Durchschnitt zu einer Verschlechterung der harten Kernkapitalquote um 3,2 Prozentpunkte auf 14,5 Prozent geführt. Kernkapital ist ein Puffer für Krisenzeiten.

Der Stresstest für Banken, die nicht von der Europäischen Zentralbank (EZB) beaufsichtigt werden, war ursprünglich für 2021 geplant. Er wurde dann aber wegen der Corona-Krise verschoben.

Zentraler Bestandteil des Stresstests war eine Konjunktursimulation für die Jahre 2022 bis 2024 und mehrere Zinsszenarien. Dabei wurde in einer Negativsimulation angenommen, dass sich die Wirtschaft massiv abschwächt. Die Aufseher prüften unter anderem, wie heftig die Gewinne der Institute dann sinken und wie stark ihre harte Kernkapitalquote dann zurückgehen würde.

Deutsche Bank und Commerzbank mit neuerlichem Tief

Währenddessen vermeldet der DAX starke Kursverluste im Bankensektor: Die Commerzbank-Aktie lag mit sechs Prozent im Minus. Wie bekannt wurde, wird die polnische Tochter mBank das Geldinstitut auch im dritten Quartal belasten aufgrund einer gebildeten zusätzlichen Vorsorge. Diese umfasst umgerechnet rund 490 Millionen Euro. Die mehr als sieben Prozent tieferen Papiere zeigten die Deutsche Bank als Dax-Schlusslicht an.

Dem Unternehmen setzten sowohl die immer stärker werdende Wirtschaftsabschwächung in Europa als auch Milliardenstrafen in den USA zu: Insgesamt 16 Unternehmen werden insgesamt gut 1,1 Milliarden Dollar (knapp 1,15 Milliarden Euro) Strafe zahlen, wie die US-Börsenaufsicht SEC am Dienstag mitteilte. Mitarbeiter der Finanzinstitute hatten sich über Messenger-Apps zu geschäftlichen Angelegenheiten ausgetauscht.

Die US-Behörden sahen darin einen schwerwiegenden Regelverstoß, da die Unternehmen die Kommunikation in den verschlüsselten Diensten nicht wie vorgeschrieben archivieren konnten. SEC-Chef Gary Gensler kritisierte, die Finanzfirmen hätten dadurch das Vertrauen des Marktes beschädigt. Bereits Ende vergangenen Jahres wurden gegen die US-Großbank JPMorgan nach den Ermittlungen Strafen von insgesamt 200 Millionen Dollar verhängt.

Millionen-Strafe für die Deutsche Bank in den USA

Die Deutsche Bank soll nun Securities in Höhe von 125 Millionen Dollar zahlen. "Die Deutsche Bank hat bei diesem branchenweiten Thema vollumfänglich mit den Aufsichtsbehörden kooperiert", teilte ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses am Mittwoch in Frankfurt mit. "Die Bank hat zudem neue technische Lösungen für Text- und Chatnachrichten eingeführt, die gut bedienbar sind und im Einklang mit den rechtlichen Anforderungen stehen. Diese Lösungen werden wir weiter ausbauen, um die Erwartungen der Aufsichtsbehörden und unserer Kunden zu erfüllen."

Medienberichten zufolge verschafft sich derzeit auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin einen Überblick darüber, inwieweit Mitarbeiter deutscher Geldhäuser private Kommunikationsmittel wie etwa WhatsApp für geschäftliche Zwecke nutzen. Die Behörde sei dazu mit Anfragen an mehrere heimische Banken herangetreten, heißt es in Finanzkreisen. Nutzen Mitarbeiter WhatsApp, Signal oder ähnliche Dienste kann es passieren, dass Banken keinen Zugriff auf dortige geschäftliche Kommunikation haben. Zudem könnten Mitarbeiter diese löschen.

fm/dpa-AFX, Reuters
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