Donnerstag, 25. April 2019

Einlagen bei EZB Banken schichten wegen Strafzins Milliarden um

Bunkermentalität der Banken: Anstatt der Wirtschaft mehr Kredit zur Verfügung zu stellen, bunkern Banken Geld als kurzfristige Einlage bei der Europäischen Zentralbank. Die verlangt jetzt einen Strafzins

Der Strafzins auf Einlagenkonten bei der EZB zeigt Wirkung: Banken ziehen Milliarden ab. Ob damit wie gewünscht die Kreditvergabe steigt, ist unsicher. Landet doch ein Teil der Milliarden vorerst auf einem anderen EZB-Konto.

Frankfurt am Main - Die Banken des Euro-Raums haben ihre kurzfristigen Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) spürbar reduziert. Einen Tag nach Inkrafttreten des neuen Negativzinses teilte die EZB am Donnerstag mit, die Einlagen seien um 25,4 Milliarden auf 13,6 Milliarden Euro gesunken. Dies ist der niedrigste Wert seit Februar 2011, also seit gut drei Jahren.

Ein Teil des Geldes scheinen die Geldinstitute auf ihr laufendes Konto bei der EZB gestellt zu haben, dessen Stand sich um 16,7 Milliarden auf 206,8 Milliarden Euro erhöhte. Allerdings müssen die Banken den Negativzins auch hier zahlen - soweit die dortigen Einlagen über die Mindestreservepflicht hinausgehen.

Die EZB hatte vor einer Woche mit Wirkung zum 11. Juni als erste große Notenbank eine Gebühr auf bei ihr unterhaltene Guthaben beschlossen. Damit soll zum einen der starke Euro geschwächt werden, um Konjunktur und Inflation anzuschieben.

Zum anderen zielt der Schritt auf die schwache Kreditvergabe in Südeuropa ab. Sie soll belebt werden, indem die Banken bei der EZB brachliegende Guthaben abziehen und in die Wirtschaft leiten. Der Erfolg der Maßnahme ist ungewiss, weil es an praktischen Erfahrungen mangelt.

rei/dpa-afx

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