Montag, 30. März 2020

Hilfe der KfW, Kapitalpuffer gesenkt Banken könnten 50 Prozent mehr Kredite vergeben

Frankfurter Bankenviertel

Politik, Bankenbranche und Finanzaufsicht haben den Spielraum ausgebaut, um Unternehmen bei der Bewältigung des Corona-Schocks zu helfen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch haben die Bundesregierung und Deutschlands größte Förderbank KfW die Bedingungen für die Hilfskredite festgelegt, die ab sofort beantragt werden können. Um den Prozess zu vereinfachen und die Auszahlung möglichst zügig vorzunehmen, werde man die Risikobewertung der Hausbank übernehmen, kündigte KfW-Chef Günther Bräunig an.

Parallel dazu setzt die Finanzaufsichtsbehörde Bafin eine bestimmte Kapitalauflage aus. Diese hätte eigentlich dafür gesorgt, dass die Banken insgesamt etwa 5,5 Milliarden Euro zusätzlich für die Risikovorsorge aufbauen. Dieser so genannte antizyklische Kapitalpuffer wird von April an bis zum Jahresende auf Null abgesenkt. Das solle die Kreditvergabekapazitäten der Banken stärken, betonte Bafin-Chef Felix Hufeld.

Nach Informationen aus Kreisen, die mit der Sache vertraut sind, haben Deutschlands Banken jetzt auf Grund aller Erleichterungen, die im Zuge der Corona-Krise beschlossen wurden, eine Eigenkapitalentlastung in Höhe von insgesamt 122 Milliarden Euro. Sie könnten 50 Prozent mehr Kredite vergeben, schätzt ein Insider. In der Praxis dürften viele Banken die Erleichterungen aber auch nutzen, um möglich Verluste durch höhere Kreditausfälle auszugleichen.

Der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) hatte sich seit vergangener Woche für Entlastungen stark gemacht - darunter den Verzicht auf den antizyklischen Kapitalpuffer. Einige Länder haben sich darauf bereits etwas eher eingelassen, darunter Großbritannien und Norwegen. Die Europäische Zentralbank hatte dies für die gesamte Euro-Zone empfohlen.

Der BdB fordert aber auch noch bilanztechnische Erleichterungen. Dem erteilten die Verantwortlichen vorerst eine Absage. Es gebe genügend Flexibilität innerhalb der bestehenden Bilanzregeln, so die Begründung.

"Der erste Ansatzpunkt jetzt muss sein, die Unternehmen zu schützen", betonte BdB-Hauptgeschäftsführer Christian Ossig, "dann sind auch die Sorgen um die Finanzinstitute unnötig". Ossig verlangte daher über die bisherigen Kredithilfen für Unternehmen hinaus weitere Schritte: Das neue Nothilfeprogramm der Bundesregierung beziehe sich auf neue Kredite, es müsse aber auch für bereits zugesagte Kreditlinie eine Risikoübernahme geben.

Bei den Corona-Krediten übernimmt die KfW 80 Prozent des Risikos und erhält dafür Garantien aus dem Corona-Hilfspaket der Bundesregierung. Bei den Banken verbleiben 20 Prozent des Kreditrisikos. Damit könne man gut leben, heißt es aus Kreisen einer auf Firmenkredite spezialisierten Bank, "deutlich entscheidender ist jetzt, wie schnell die ganzen Bewilligungsprozesse über die Bühne gehen und wie gut alle Beteiligten der voraussichtlich recht hohen Nachfrage nach diesen Krediten Herr werden." Die Unternehmen müssen sich dafür mit ihrer Hausbank in Verbindung setzen.


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Nach der Finanzkrise 2008 hatte die KfW ein ähnliches Programm aufgelegt. Damals hatten fast 5000 Unternehmen Kredite in Höhe von gut 13 Milliarden Euro in Anspruch genommen.

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