Freitag, 18. Oktober 2019

Banken fürchten Schuldenschnitt bei Hypo Alpe Adria Blessing sieht Staatsgarantien entwertet

Coba-Chef Blessing: "Das Papier galt als risikofrei, weil es mit einer Garantie eines österreichischen Bundeslandes versehen war. Indem diese nun umgangen wird - wie kann man dann noch Papiere deutscher Landesbanken mit Staatsgarantien als risikolos einstufen?"

Die Abwicklung des österreichischen Kriseninstituts Hypo Alpe Adria dürfte deutsche Banken teuer zu stehen kommen. Ein Schuldenschnitt bei der ehemaligen Kärntner Landesbank könne den Sektor bis zu 10 Prozent des Jahresgewinns für 2015 kosten, warnte die Ratingagentur Fitch am Donnerstag. Betroffen seien vor allem Pfandbriefbanken und die frühere Hypo-Mutter BayernLB, die noch gut zwei Milliarden Euro an Krediten in dem Institut stecken hat.

Viele deutsche Institute hatten Hypo-Anleihen gekauft, für deren Rückzahlung Kärnten garantiert hat. Doch nun ist fraglich, inwieweit das Bundesland mit seinem dünnen Finanzpolster zu diesem Versprechen steht und die Verluste von Investoren ausgleichen kann. Das ziehe auch die Werthaltigkeit anderer öffentlicher Garantien etwa für deutsche Landesbanken in Zweifel, warnte der Chef der Commerzbank Börsen-Chart zeigen, Martin Blessing. "Das Papier der Hypo Alpe Adria galt als risikofrei, weil es mit einer Garantie eines österreichischen Bundeslandes versehen war. Indem diese nun umgangen wird - wie kann man dann noch Papiere deutscher Landesbanken mit Staatsgarantien als risikolos einstufen?", sagte Blessing in London.

Der Präsident des Deutschen Sparkassenverbands DSGV Georg Fahrenschon kritisierte, Österreich setze sich damit "über Grundverständnis des internationalen und europäischen Finanzmarktes hinweg".

Lange Zeit des Wartens

Vielen Hypo-Investoren dürften die Manager damit wohl aus der Seele sprechen. Dazu zählen unter anderen die Munich Re Börsen-Chart zeigen, die staatliche Pfandbriefbank pbb und die Dexia Kommunalbank Deutschland.

Die deutsche Unicredit Börsen-Chart zeigen-Tochter HVB erklärte am Donnerstag, sie habe Hypo-Papiere mit einem Wert im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich und bereits im vergangenen Geschäftsjahr Rückstellungen gebildet. Die Düsseldorfer Hypothekenbank hatte Ende 2013 Hypo-Papiere im Volumen von 348 Millionen Euro im Bestand. Fitch hatte vor wenigen Tagen gewarnt, die Bank brauche dringend Unterstützung.

Österreichische Banken und Versicherungen sind der Finanzmarktaufsicht FMA zufolge mit rund zwei Milliarden Euro bei der Hypo engagiert.

Für sie alle beginnt nun eine lange Zeit des Wartens: Auf Basis eines unabhängigen Bewertungsgutachtens für die Hypo-Nachfolgerin Heta will die FMA in etwa einem Jahr die Höhe eines Schuldenschnitts festsetzen. Bis dahin hat sie die Rückzahlung sämtlicher Hypo-Anleihen gestoppt. Die Anleger müssen zudem auf Zinszahlungen verzichten. Die Ratingagentur Fitch geht bei ihren Berechnungen von einem Schuldenschnitt von 50 Prozent aus.

ts/Reuters

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