US-Banken im Gewinn-Rausch JP Morgan Chase ... und dann lange nichts

US-Großbanken haben für das 4. Quartal 2016 jeweils Milliardengewinne ausgewiesen. Alle profitierten von anziehenden Geschäften nach der Wahl von Donald Trump. Den Vogel aber schoss JP Morgan Chase ab.
Jamie Dimon: Der Chef von JP Morgan Chase kann auf ein hervorragendes viertes Quartal und ein Rekordjahr 2016 zurückblicken

Jamie Dimon: Der Chef von JP Morgan Chase kann auf ein hervorragendes viertes Quartal und ein Rekordjahr 2016 zurückblicken

Foto: REUTERS

Der überraschende Wahlsieg des Republikaners Donald Trump im November hatte die Aktien- und Anleihenmärkte angekurbelt. US-Banken profitierten davon. Die Bank of America  zum Beispiel steigerte ihren Überschuss im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 43 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar, teilte das Geldhaus am Freitag mit. Auch Kosteneinsparungen trugen dazu bei.

Der Gewinn je Aktie stieg auf 40 von 27 Cent. Analysten hatten lediglich mit einem Ergebnis von 38 Cent je Anteilsschein gerechnet. Der Aktienkurs legte vorbörslich um 0,7 Prozent zu. Die Bank rechnet im laufenden Quartel mit einer deutlichen Steigerung der Zinseinnahmen. Die US-Notenbank hatte im Dezember ihren Leitzins erhöht, der jetzt bei 0,50 bis 0,75 Prozent liegt. Für 2017 hat sie drei weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt.

Im Gesamtjahr 2016 verdiente die Bank unter dem Strich mit 16,2 Milliarden Dollar (15,2 Milliarden Euro) rund 13 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das war etwas mehr als Experten erwartet hatten. Dabei profitierte die gemessen an Vermögenswerten zweitgrößte Bank der USA unter anderem von einem anziehenden Geschäft infolge der Marktturbulenzen nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.

Die Bank of America will das Tempo bei den Aktienrückkäufen erhöhen. Sie ist aber mit einem Aufschlag von 35 Prozent seit der Wahl Trumps im November ohnehin der größte Gewinner unter den Papieren der Großbanken.

JP Morgan Chase verdient 2016 fast 25 Milliarden Dollar

Die größte US-Großbank JP Morgan Chase konnte im Vergleich ihren Gewinn im Schlussquartal 2016 "nur" um knapp um ein Viertel steigern. Wie auch die Bank of America hat sie von einem anziehenden Geschäft nach der US-Präsidentenwahl profitiert.

Der Überschuss (Nettogewinn) kletterte um 24 Prozent auf 6,73 Milliarden Dollar, teilte der US-Branchenprimus ebenfalls am Freitag mit. Die Einnahmen legten um 2 Prozent auf 24,3 Milliarden Dollar zu und übertrafen damit die Erwartungen von Analysten. Im Gesamtjahr 2016 verdiente der Branchenprimus unter dem Strich 24,7 Milliarden Dollar und damit 1 Prozent mehr als 2015.

"Unsere Ergebnisse in diesem Quartal waren ein Endspurt in einem weiteren Rekordjahr", sagte Bank-Chef Jamie Dimon. Die Bank habe in fast allen Sparten ihren Marktanteil ausgeweitet. Die Anleger nahmen am Nachmittag vorangegangene Kursgewinne mit: Die Aktie gab vorbörslich leicht nach.

Wells Fargo enttäuscht trotzt Milliardengewinns

Der Skandal um Phantomkonten hat der US-Großbank Wells Fargo  auch zum Jahresende einen Gewinnrückgang eingebrockt. Im vierten Quartal rutschte das Nettoergebnis von 5,6 auf 5,3 Milliarden US-Dollar ab, teilte das Institut mit. Das war bereits das fünfte Quartal in Folge mit einem geringeren Überschuss. Im Gesamtjahr rutschte der Jahresgewinn um rund 1 Milliarde Dollar auf 22,9 Milliarden Dollar ab.

Am Markt kamen die Zahlen zunächst nicht gut an. Vorbörslich fiel die Aktie knapp 1 Prozent. Analysten hatten beim Gewinn je Aktie 1,00 Dollar erwartet und damit mehr, als die Bank mit 96 Cent auswies.

Wells Fargo bemüht sich derzeit um eine Wiederherstellung ihres angeschlagenen Images. Der neue Chef Timothy Sloan zeigte sich zufrieden mit dem bisher Erreichten bei der Entschädigung von Kunden. In der Affäre um Phantomkonten gebe es aber noch mehr zu tun, sagte er. Die Bank soll über Jahre rund zwei Millionen Konten ohne Kundengenehmigung eröffnet haben. Damit wollten Bankmitarbeiter offenbar hochgesteckte Verkaufsvorgaben erreichen. Daneben sollen Mitarbeiter Kunden auch zu kostspieligen Finanzprodukten überredet haben, die diese weder anforderten noch brauchten.

rei/dpa/reuters