Montag, 9. Dezember 2019

Rüge der Finanzaufsicht Banken scheren sich nicht um Boni-Regeln

Bankentürme in Frankfurt: Boni-Beschränkungen für die Topmitarbeiter bei Banken sollen künftig unabhängig von ihrer Funktion gelten

Die Finanzaufsicht gibt deutschen Großbanken schlechte Noten für den Umgang mit ihren Boni. Viele Institute versuchten, die Beschränkungen für ihre Top-Mitarbeiter zu umgehen. Die Bafin will dem nun einen Riegel vorschieben.

Bonn - Nur bei vier von 15 Banken, die die Bafin im vergangenen Jahr unter die Lupe genommen hat, erreichten die Boni maximal die Höhe des Grundgehalts - wie es seit Jahresbeginn EU-weit vorgeschrieben ist, sagte der oberste Bankenaufseher der Bafin, Raimund Röseler, am Montag. Sieben weitere bräuchten für die versprochenen Boni die Zustimmung ihrer Eigentümer, weil sie in der Spitze das Doppelte der Fixgehälter erreichten. Die übrigen geben ihren Bankern noch höhere Boni.

"Wir sind mit keiner Bank vollständig zufrieden", sagte Röseler. "Keine war gut, viele waren schlecht." In Schulnoten ausgedrückt lägen die Bewertungen zwischen "Befriedigend" und "Ungenügend". Oft passten die Boni nicht zu den für die ganze Bank vorgegebenen Zielen. Die Institute reagierten oft nur auf Druck der Aufseher.

Viele mogeln sich um die Boni-Beschränkungen herum, indem sie selbst Manager an Schlüsselstellen nicht als "Risikoträger" definieren, für die die Obergrenzen gelten. 87 Bankmitarbeiter in Deutschland erhielten 2012 Millionengehälter, nur 40 davon wurden als Risikoträger gemeldet. "Für mich ist schleierhaft, dass einer eine Million verdient und keinen wesentlichen Einfluss auf die Risikosituation der Bank hat", sagte Röseler.

Angestellte deutscher Geldhäuser im Ausland - also etwa die Investmentbanker der Deutschen Bank in London - sind in dieser Rechnung noch gar nicht berücksichtigt. Ausländische Banken eingeschlossen, hat die EBA in Deutschland 211 Einkommensmillionäre ausgemacht - in London sind es mehr als zehn Mal so viele.

Boni-Beschränkung soll künftig unabhängig von Funktion gelten

Künftig sollen die Beschränkungen daher für alle Banker in Deutschland gelten, unabhängig von ihrer Funktion, wie Röseler sagte. Mit den verschärften Regeln wollen die Aufseher verhindern, dass die Banker weiterhin zu hohe Risiken eingehen, ohne sich über deren langfristigen Folgen Gedanken zu machen.

"Falsche Anreize durch falsche Vergütungsstrukturen waren einer der wesentlichen Auslöser der Finanzkrise", sagte Röseler. Mit den neuen Vorschriften sollen die Banken sicherer werden. "Ich kann mir vorstellen, dass in manchen Feldern das Gehaltsniveau sinkt", sagte der Bankenaufseher. In London versuchen mehrere Investmentbanken die Regeln zu umgehen, indem sie etwa Mietzuschüsse oder andere Sonderzulagen zahlen. Röseler sagte, er halte das für unzulässig.

Zu einzelnen Instituten äußerte sich Röseler nicht. Nach einem Pressebericht hat die Aufsichtsbehörde unter anderem das Vergütungssystem der Deutschen Bank gerügt. Die Boni der Spitzenmanager seien zu hoch und animierten vor allem die Investmentbanker zu risikoreichen Geschäften. Nicht nur die Großbanken übertrieben, betonte die Bafin. "Wir haben besonders gravierende Mängel auch bei Banken gefunden, bei denen wir das nicht erwartet hätten", sagte Röseler.

rei/rtr

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